65 Jahre lang mussten die Endinger warten – im November soll es losgehen: Die Ortsumfahrung rückt in greifbare Nähe. Das Regierungspräsidium Tübingen spürt den Druck auch aus Berlin.
Die Endinger haben genug – seit langem: Tag für Tag rollen bis zu 20 000 Autos und Laster durch den Ort. Lärm und Abgase gehören zum Alltag, doch demnächst ist Aufatmen angesagt. Eine Infoveranstaltung im November soll der Auftakt für die Planungen der neuen Trasse um den Ort herum sein.
Thomas Bareiß, der für die CDU im Bundestag sitzt, hat während seiner Sommertour Station in Endingen gemacht. Beim Jakobushaus kamen er, Oberbürgermeister Dirk Abel, Bürgermeister Ermilio Verrengia sowie die Ortsvorsteher von Endingen und Erzingen, Thomas Meitza und Hans Peter Wendel zusammen. Der Platz war wohl gewählt, denn genau dort, hinter dem Einkaufszentrum Auf Gehrn, soll die Ortsumfahrung gebaut werden.
Exakter Verlauf noch unklar
Den exakten Verlauf der künftigen B 27 kennt allerdings noch niemand. Zwar hatte Bareiß einen Plan der Wunschtrasse dabei, doch der ist in die Jahre gekommen. Die Bürger, so Abel, sollten gedanklich offen für andere Varianten sein. „Wir gehen stark in die Natur rein, das gibt auch rechtliche Hürden“, meinte der Rathauschef mit Verweis auf die Bauten am Lautlinger Tunnel.
Kontakt nach Berlin
„Es muss etwas geschehen – jetzt“, betonte Bareiß und erntete von den anwesenden Mitgliedern der Bürgerinitiative und Anwohnern bekräftigendes Kopfnicken. „Hinter der Umgehung steht eine starke Mannschaft“, lobte der Politiker.
Diese Mannschaft war jüngst in Berlin zu Gast. Bareiß hatte den Kontakt zum Bundesverkehrsministerium hergestellt. An oberster Stelle machte die Delegation um Ortsvorsteher Meitza die Dringlichkeit der Umgehung klar. Sie sprachen mit Michael Theurer, parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. Per Videocall war Stephan Hellinger zugeschaltet. Er sitzt in der Bonner Außenstelle des Verkehrsministerium und ist für das Regierungspräsidium zuständig.
Verfahren wird mehrere Jahre dauern
Die Tübinger werden die Planungen übernehmen, die Gelder für die neue B 27 kommen vom Bund. Der kann sich womöglich freuen: Der Endinger Abschnitt wird mit dem Schömberger Umbau gemeinsam geplant und abgewickelt. „Wir müssen nur einmal eine Baustelle einrichten, das spart Geld“, erläuterte Abel.
Die Infoveranstaltung findet in Schömberg statt. Danach ist das Regierungspräsidium am Zug. Bareiß rechnet mit zwei Jahren Planungszeit, bis das Fernstraßenbundesamt über die Linienbestimmung entscheidet. Die genehmigte Vorplanung mündet dann mit einem Entwurf. Der wiederum benötigt einen Sichtvermerk aus Berlin.
„Das sollte aber keine vier bis fünf Jahre dauern“, mahnte Meitza an. Marc Eberhart von der Bürgerinitiative dazu: „Wir werden den Kontakt heiß halten.“ Haben die Berliner ihren Stempel gesetzt, kann die Genehmigungsplanung starten. Wie lange diese dauert? „Das hängt auch an der Zahl der Einsprüche“, so Bareiß. Insgesamt sei mit einem mehrjährigen Verfahren zu rechnen.