Das "Mammutprojekt" der kommenden beiden Jahre hat begonnen. Seit Ende Juni sind die Bagger in der Nusplinger Ortsdurchfahrt zugange – diese war jahrzehntelang in einem miserablen Zustand. Doch eine so große Baumaßnahme belastet auch.
Nusplingen - Zwei Wochen später als ursprünglich geplant haben Ende Juni die Bauarbeiten zur Sanierung der Nusplinger Ortsdurchfahrt begonnen. Der erste Bauabschnitt, der in diesem Sommer vollzogen wird, ist in drei Abschnitte aufgeteilt. Der erste – er erstreckt sich auf rund 150 Metern vom Rathaus bis zur Bära-Apotheke – ist fast fertig. Aktuell pausieren die Arbeiten wegen der Handwerkerferien zwei Wochen lang, doch liegen gut im Zeitplan, erklärte Bürgermeister Jörg Alisch bei der Besichtigung der Baustelle.
Ende August soll das Teilstück der Kapellentorstraße wieder befahrbar sein, doch dann wird von der Apotheke bis zur Mörikestraße saniert und schließlich von der Mörikestraße bis zu den Tennisplätzen. Vor Wintereinbruch soll der erste Bauabschnitt erledigt sein. "Wir hoffen, dass wir das alles auf einmal schaffen", meint Alisch.
Umleitung über Hartheim und Heidenstadt
Autofahrer, die von Albstadt, Balingen oder Meßstetten in Richtung Donautal wollen, müssen sich auf Umleitungen einstellen. Damit nicht der gesamte Durchgangsverkehr durch Wohngebiete geführt wird, verläuft die Umleitungsstrecke weitläufig über Hartheim und Heidenstadt.
Die Nusplinger hingegen kennen ihre Schleichwege – schließlich wird auch innerörtlich umgeleitet über die Untere respektive die Obere Kirchstraße. Die Anwohner sind laut dem, was Alisch bisher mitbekommen hat, ganz schön genervt. Schließlich passieren nun deutlich mehr Fahrzeuge das sonst ruhige Wohngebiet. In den Sommerferien entspannt es sich ein wenig. Eine mobile Blitzeranlage habe man bereits aufgestellt. Diese beanstandete allerdings nur wenige Raser.
Bodenseeverkehr bricht weg
Über Baulärm habe man sich hingegen bisher wenig beschwert. "Wir versuchen bei jedem Bauabschnitt vorab mit den Anliegern ins Gespräch zu kommen und nach Lösungen zu suchen", erklärt Alisch. Die gewerblichen Anlieger sollen weiterhin ihre Kunden begrüßen dürfen.
Der "Karpfen" ist über einen kleinen Umweg über die Obere Kirchstraße vom Rathaus her erreichbar und der Eingang der Bära-Apotheke liegt direkt am Ende der Absperrung. Der Tankstellenbesitzer in der Kapellentorstraße merkt allerdings laut Alisch den Rückgang des "Bodenseeverkehrs", von Ausflüglern, die auf dem Weg ans Schwäbische Meer noch schnell in Nusplingen tanken.
Die Sanierung der Ortsdurchfahrt steht schon viele Jahre im Raum – schließlich ließ ihr Zustand deutlich zu Wünschen übrig. Viel schlimmer sah es allerdings im Untergrund aus. Die Kanalisation und die Wasserleitungen haben Schäden aufgewiesen, die auf lange Sicht behoben werden mussten. In diesem Zug werden auch Glasfaser- und Leerrohre verlegt. Als dann das Land Baden-Württemberg signalisierte, 40 Prozent der Kosten der Fahrbandeckensanierung zu tragen, packte man in der Heuberggemeinde die Gelegenheit beim Schopf. Günstig wird ein solches Vorhaben nicht: Allein der erste Bauabschnitt kostet nach aktueller Berechnung rund 2,66 Millionen Euro.
Der zweite Bauabschnitt wird teurer
Die große Unbekannte in der Rechnung ist aber der zweite Bauabschnitt. Dieser erstreckt sich vom Rathaus die Talstraße hinab in Richtung Bärenthal. Alisch geht davon aus, dass der zweite Bauabschnitt deutlich teurer werden wird als der erste. Zum einen sei die Strecke länger, und es sei deutlich mehr offener Tiefbau notwendig.
Im kommenden Jahr soll Teil zwei folgen. Derzeit stecke man in der Vorplanung, in der März-Sitzung des Gemeinderats sind die Vergaben der notwendigen Bauarbeiten geplant. Ende 2023 soll dann die gesamte Maßnahme abgeschlossen sein und die Ortsdurchfahrt wieder sowohl oberirdisch als auch unterirdisch in tadellosem Zustand sein.
Etwas ungünstig ist, dass im kommenden Sommer – zeitgleich mit dem zweiten Bauabschnitt – die Gartenschau in Balingen stattfindet. Besucher aus dem Kreis Tuttlingen und der Bodenseeregion müssten unter Umständen einen anderen Fahrtweg in Kauf nehmen. "Darauf konnten wir bei einer so großen Maßnahme keine Rücksicht nehmen", betont Alisch.
Bauaushub wird beprobt
Bereits im Vorfeld Probleme bereitet hat die Entsorgung des Bauschutts. Da dieser mit Schadstoffen belastet ist, muss er speziell gelagert und entsorgt werden. Aus diesem Grund hat die Gemeinde den Festplatz asphaltieren lassen, um dort den Aushub zu lagern. Die Asphaltierung ist laut Alisch notwendig, damit keine Schadstoffe im Erdreich versickern. Aus demselben Grund sind die Aushubhäufen mit Planen abgedeckt. Experten vom Geoteam Rottweil nehmen regelmäßig Proben.
Unbelastete Teile können wieder verbaut werden und der Rest muss je nach Belastungsgrad entsorgt werden: Bestenfalls auf der Erddeponie, im schlechtesten Fall in Rotterdam – und das käme teuer.