Bus und Bahn fahren in Horb zwar regelmäßig, aber wenn nicht, ist hier das ÖPNV-Taxi besonders beliebt. Foto: Wiebke Jansen

Höchstens mittelmäßig sind die Anbindungen an Bus und Bahn im Landkreis Freudenstadt, meinen unsere Leser. Doch das zu ändern ist gar nicht so einfach – große Hoffnungen liegen deshalb auf dem Projekt „Mobil(er)leben“ und den Taxiunternehmen.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln im Kreis Freudenstadt unterwegs zu sein, ist für viele eine größere Herausforderung: Die große, vor allem ländliche Fläche des Kreises sorgt dafür, dass Busse nur selten fahren – zu vielen Tageszeiten gar nicht. Das wissen auch die Befragten beim Orts-Check: Die Durchschnittsbewertung beim ÖPNV liegt gerade mal bei 5,19 Punkten von 10. Eher mittelmäßig, wie in den meisten Einzelorten. Im Vergleich mit anderen Kategorien schneidet der ÖPNV im Kreis sogar äußerst schlecht ab und landet auf dem vorletzten Platz.

 

Zwei Gemeinden erweisen sich aber dennoch als gut angeschlossen: Spitzenreiter ist Baiersbronn, 6,55 Punkte geben die Befragten der flächenstarken Gemeinde, Eutingen erhält immerhin 6,03 Punkte von den Befragten.

Ein Leser wünscht sich für den Landkreis, „dass man von kleinen Orten gut mit dem Bus fahren kann und nicht nur morgens von 7 bis 8 oder mittags von 12 bis 13 Uhr. Ab dann kommt man vor 16 Uhr nicht mehr fort. Dann kommt um kurz nach 17.45 Uhr noch einer, dann kein Bus mehr. Wie sollen Kinder da selbstständig zu ihren Freunden im Nachbarort kommen?“ Ein anderer wünscht sich, den Nahverkehr so zu gestalten, „dass man zu jeder Zeit von A nach B kommt.“

Regelmäßige Fahrten lohnen sich häufig nicht

Dieser Wunsch wird mittlerweile zumindest angegangen. Seit vergangenem September gibt es das Projekt „Mobilerleben“. Für gewöhnlich lohnt es sich nicht, einen Bus regelmäßig fahren zu lassen, gerade, wenn die Dörfer im Landkreis nur wenige Hundert Einwohner haben. In Horb und Freudenstadt gibt es versuchsweise das ÖPNV-Taxi. Das kann immer dann gerufen werden, wenn innerhalb einer Stunde keine Verbindung mit Bus oder Bahn verfügbar ist – oder von diesem Ort gar keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren.

Preislich zahlen Jugendliche einen Euro mehr im Verhältnis zum Tarif der Verkehrs-Gemeinschaft Landkreis Freudenstadt (VGF), Erwachsene zwei. Wer direkt vor die Haustür gefahren werden möchte, zahlt fünf Euro Aufpreis obendrauf.

Dennoch wird der ÖPNV von vielen als zu teuer wahrgenommen. Hoch sind die Preise, das stimmt: Die Bustarife der VGF werden vom Landkreis bestimmt, sie liegen im oberen Drittel, erklärt VGF-Geschäftsführer Franz Schweizer. Im Landkreis würden verhältnismäßig wenig Zuschüsse in den ÖPNV fließen. Die Preise würden allerdings mittlerweile durch das Jugend- und das Deutschlandticket relativiert werden.

Horber zeigen sich angetan vom Taxi-Angebot

Horb und Freudenstadt werden bereits bedient – und das mit Erfolg. „Im April waren es durchschnittlich circa 44 Fahrten pro Tag“, teilt das Landratsamt Freudenstadt mit. Vor allem die Horber nutzen das Angebot rege: 80 bis 85 Prozent der Fahrten entfielen auf Horb. „Das liegt aus unserer Sicht hauptsächlich an den vielen Ortsteilen in Horb und an dem besseren Busangebot in Freudenstadt“, meint das Landratsamt dazu auf Anfrage unserer Redaktion. Auch kämen viele von außerhalb nach Freudenstadt, wo das Taxi (noch) nicht fährt. Oliver Valha, zuständig für die Mobilität im Landkreis vermutet hingegen: „Das ist einfach noch zu wenig bekannt.“

Während einige Leser bemängeln, dass das ÖPNV-Taxi in viele Orte, etwa Pfalzgrafenweiler, nicht kommt, kann das Landratsamt hier bereits in Aussicht stellen: Das bleibt nicht mehr lange so. Geplant ist, im Juli Empfingen und Eutingen anzufahren. Im September sollen dann auch Pfalzgrafenweiler, Dornstetten, Baiersbronn und Loßburg eingebunden werden.

In schlecht angebundenen Gegenden fehlen Unternehmen

Aber bei aller schöner Aussicht: Für Alpirsbach, Bad Rippoldsau-Schapbach und Seewald ist die Lage noch etwas unsicher. Hier gibt es kein ansässiges Taxi-Unternehmen. Der Landkreis und die Bürgermeister suchen derzeit nach einer Lösung – denn der Anfahrtsweg soll auch finanziell noch im Verhältnis stehen. Dabei gibt es hier laut Umfrage die schlechtesten ÖPNV-Ergebnisse: 4,13 Punkte in Bad Rippoldsau-Schapbach, Seewald mit 4,43 Punkten, Grömbach kommt auf 4,27 und Glatten mit 4,28 spielt ebenfalls im unteren Bereich mit.