Die Bestattungsformen haben sich im Laufe der Jahre verändert: Statt wie zuvor Reihengräber sind nun pflegeärmere Grabformen gefragt. In Münchweier hat der Ortschaftsrat diesem Wandel Rechnung getragen.
„Die Gestaltung der Friedhöfe liegt in der Kompetenz der Ortsteile“, betont Münchweiers Ortsvorsteherin Charlotte Götz. Und besonders in Münchweier habe sich der Ortschaftsrat viele Gedanken gemacht, wie man den Friedhof umgestalten könnte. Allein in den vergangenen Jahren fünf bis sechs Jahren wurden Zehntausende Euro investiert, erläutert sie beim Presserundgang. So flossen alleine 70 000 Euro in die Pflasterung der Wege, gut erkennbar an der rosa Steinen. Auch die mehr als 200 Jahre alte Friedhofsmauer von 1822 wurde renoviert. Die Wasserleitungen wurden ebenfalls jüngst erneuert und verlaufen nun komplett über städtischen Grund.
Doch es ist nicht die Restaurierung allein, die Investitionen in den Friedhof nötig machte, sondern auch der Wunsch nach anderen Bestattungsformen. „Mittlerweile macht die Erdbestattung im Reihengrab noch maximal ein Drittel aus“, gibt Ettenheims Bauhofleiter Markus Ohnemus Auskunft. Stattdessen sind kleinere und pflegeärmere Bestattungsformen gefragt. Zumal in Münchweier aufgrund der Lehmböden die Liegezeit für ein Reihengrab 25 Jahre beträgt. „Vielen ist das für die Pflege zu lang“, weiß Götz. So hat man auch in Münchweier dem Wandel Rechnung getragen – sowohl auf dem alten als auch auf dem sich diesen anschließenden 1981 angelegen neuen Friedhof.
2019 wurde auf dem neuen Friedhof das gärtnergepflegte Grabfeld für Erd- und Urnenbestattungen im neuen Friedhof angelegt, bereits 2020 wurde über eine Erweiterung dieses Erinnerungsgartens nachgedacht, die dann 2022 umgesetzt wurde. Götz dankt dafür Gärtnermeister Stefan Geppert und der Genossenschaft Dauergrabpflege Baden für ihre Arbeit und das Eingehen auf die Wünsche des Ortschaftsrats.
Inzwischen ist aber auch diese Erweiterung zu klein geworden. Fast alle Plätze sind besetzt, zudem liegen Vereinbarungen für weitere Plätze vor (sogenannte Vorsorgeverträge), die erfüllt werden müssen, sobald die Betreffenden sterben. Deshalb hat der Ortschaftsrat – nach intensiven Planungen – die Erweiterung des gärtnergepflegten Grabfelds beschlossen. Die Gestaltung wird sich an dem des bisherigen Grabfelds anlehnen. Um diese kümmert sich die Genossenschaft. Die Anlage der Wege ist jedoch Sache der Gemeinde und soll für 12 000 Euro noch dieses Jahr verwirklicht werden. 35 Plätze gibt es im Erinnerungsgarten aktuell. Nach der Erweiterung werden es rund drei Mal so viele sein, schätzt Geppert. Weitere 17000 Euro werden in eine neue Pflasterung der Wege an der Längsseite des neuen Friedhofs investiert, die Arbeiten sollen Ende dieser Woche starten.
Baumbestattungen sind am beliebtesten
Weil Waldbestattungen immer mehr nachgefragt werden, wird auf dem alten Friedhof auch die Urnenbaumbestattung angeboten – als Alternative zur Waldbestattung. Möglich wurde das auch, weil eine Fläche, die bislang für den Katastrophenschutz vorgehalten werden musste, vom Landratsamt nicht mehr gebraucht wurde. So wurde dort Rasen angesät. Um ein kreisförmiges Blumenbeet sind nun vier Bäume angeordnet. Bewusst führen nur einzelne Trittsteine und kein Weg zu den Bäumen, um das Ambiente eines Waldes erhalten. Unter welchem Baum man einmal ruhen möchte, kann man sich in Münchweier aussuchen. Auch Doppelurnenbestattungen sind möglich, erklärt Götz.
Das Konzept habe sich bewährt, erklärt Geppert. Die Baumbestattungen werden derzeit am meisten nachgefragt – zumal sie auch die preiswerteste Bestattungsform sind, erklärt Geppert. Dazu komme, dass durch die Gräber am Friedhof für die Trauernden näher und leichter erreichbar seien als im Wald.
Und noch etwas dürfe man be Friedhöfen nicht unterschätzen: Sie seien ein Ort der Ruhe – und sollen es in Münchweier auch bleiben, erklärt Götz. Jedoch seien sie auch „soziale Treffpunkte für Leute, die sonst nirgends mehr hingehen“, betont Geppert. Die neue parkähnliche Gestaltung des Friedhofs in Münchweier trägt beiden Aspekten Rechnung.
Pflege ist viel Arbeit
Ein Friedhof bedeutet intensive Arbeit für den Bauhof, was die Wegpflege, Rasenpflege oder Baumpflanzungen angeht, betont Ortsvorsteherin Goetz „Es ist ein ästhetischer Ort, von dem die Bürger erwarten, dass er gepflegt wird“, erklärt auch Bauhofleiter Ohnemus. Und den man mit Geld und Arbeitskraft auch so erhalten wolle, dass die Bürger sich wohlfühlen. Doch auch hier hat ein Umdenken eingesetzt. Während früher kein Gräschen auf den Wegen erlaubt war, sieht man das inzwischen lockerer – und muss es aufgrund der Eingebundenheit des Bauhofs auch sein.
Auch Bäume, die früher auf Friedhöfen wegen ihres Laubabwurfs unerwünscht waren, werden nun aufgrund ihres Schattenwurfs geschätzt – besonders bei Beerdigungen. Nicht nur hier macht sich der Klimawandel bemerkbar, sondern auch bei der Auswahl der Blumen und Bäume, die möglichst hitzeangepasst sein und wenig Wasser brauchen sollten. Zudem seien Friedhöfe auch als Rückzugsort für Insekten geworden, so dass man dort inzwischen bewusst Blumenfelder für diese stehen lasse.