Die Polizeibehörde sagte bisher "Nein" zur direkten Zufahrt ins Gewerbegebiet Steinbraike an der L 385 – vermutlich weil sie einen neuen Unfallschwerpunkt fürchtet. Bauherr Manfred Föll stellte aber klar, dass er ohne die Zufahrt das ganze Supermarktprojekt beerdigt. Foto: Rapthel-Kieser

Schön wird er wohl nicht, dafür groß. Die ersten unvollständigen Pläne für den seit Jahren im Ankündigungsstadium befindlichen Supermarkt Norma im Gewerbegebiet Steinbraike in Melchingen sind in der jüngsten Ortschaftsratssitzung vorgestellt – und vom Gremium abgenickt worden.

Burladingen-Melchingen - "Die Gespräche darüber gehen schon ewig", sagte Ortsvorsteherin Waltraud Barth-Lafargue unserer Zeitung schon vor zwei Jahren. Zu Ende sind die Diskussionen wohl noch lange nicht, denn die Planer müssen einiges nachreichen. Aber immerhin: Die Pläne, die im Ortschaftsrat jetzt an der Festhallenwand hingen – der Norma-Markt aus vielen Richtungen, mit braunem Logoband über die gesamte, ununterbrochene Fassade, mit Rolltoren, Bäckerei und Café – geben einen ersten Eindruck.

Einen, den das Bauamt der Stadt Burladingen und auch das Landratsamt dazu veranlassten, zu empfehlen, der Bauherr möge doch mit wenigstens angedeuteten Fenstern oder Ranken die lange Fassade etwas ansehnlicher unterbrechen. Denn immerhin werde sich das Gebäude mit seinen rund 5500 Quadratmetern Innenraum und den 60 dazugehörigen Parkplätzen an markanter Stelle befinden. Das Erste, worauf der Blick fällt, wenn man in das Dorf fährt.

Der Ortschaftsrat fand eine Aufhübschung unnötig und winkte die Fassadenplanung so durch. "Es gibt einige Interessenten für die Grundstücke in der Steinbraike", begründete der stellvertretende Ortsvorsteher Horst Lamparth die Zugeständnisse. Und: "Es kann ja nicht sein, dass da Jahr für Jahr die Bauern nur die Wiese abmähen."

Nur so lassen sich vermutlich auch die Extrawürste erklären, die den Supermarktplanern – Bauherr ist Manfred Föll aus Melchingen, Architekt die Artek Baumanagement GmbH aus Filderstadt – gemacht wurden. In sechs Punkten weichen die Pläne des Baugesuches vom rechtskräftigen Bebauungsplan Steinbraike ab.

Da geht es zum Beispiel um Überschreitungen der Baugrenzen mit Dachüberständen in verschiedenen Richtungen, für die Eingangsüberdachung, die Box für die Einkaufswagen bis hin zu den Kfz-Stellplätzen. Die liegen eigentlich außerhalb der überbaubaren Grundstücksfläche sowie außerhalb des Geltungsbereiches des Bebauungsplanes.

Die vorgeschriebene Farben bei der Dacheindeckung sollen ebenfalls anders werden. Und Ausnahmen braucht Föll auch, weil die Norma-Logo-Farben Rot und Gelb für seine Werbeanlagen eigentlich nicht im Bebauungsplan vorgesehen sind.

Von all dem befreite der Ortschaftsrat die Planer. Es war der Melchinger Christian Burrmeister von Dülmen, der in der Bürgerfragestunde die zukunftsweisende Gretchenfrage an Manfred Föll stellte. "Ich bin nicht gegen den Supermarkt", stellte Burrmeister von Dülmen klar. Aber ob man sich denn bei der Planung über ein Nachhaltigkeitskonzept Gedanken gemacht habe? Wie sehe es mit Solaranlagen auf dem Dach oder gar mit E-Ladesäulen auf dem Supermarktparkplatz aus? "Ich überlege mir das", sagt Manfred Föll dazu.

Ein weiteres Problem: Bisher fehlen die Unterlagen zur Abwasserbeseitigung, auch die vom Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz. Und auch müssen die Grundstücke – es handelt sich um die Flurstücke 4192, 4192/1 und 4180 – noch zusammen geführt werden. Auch der Nachweis, dass kein unzulässiger Nachtbetrieb vorhanden ist, muss noch vorgelegt werden, zudem die 60 Stellplätze in den Plänen noch an die vorschriftsmäßige Größe angepasst werden. Dafür erklärte der Bauherr, die Kosten für die Verlegung der Hauptwasserleitung der Alb-Wasserversorgungsgruppe unter dem Grundstück zu übernehmen. "Ich habe meine Hausaufgaben gemacht", sagte er im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten und verwies darauf, dass die Behörden nicht zu Potte kämen. Das angrenzende alte Gebäude samt Werkstatt direkt gegenüber der Aral-Tankstelle, so sagt er, gehöre ihm bereits.

Er will es abreißen, sobald die Pläne durch sind. In Mössingen betreibt der ehemalige Inhaber eines Malerbetriebs Föll einen Getränkehandel im Edeka-Markt.

Rund 2,2 Millionen waren für den Supermarktbau einst veranschlagt. Jetzt klagt der Bauherr: "Durch die Verzögerungen und die Corona-Krise ist alles teurer geworden." Manfred Föll stellt klar, dass er das ganze Projekt beerdigt, sollte er die direkte Zufahrt von der L 395 aus, die die Polizeibehörde ihm nicht genehmigen will, nicht durchkriegen

Trotzdem setzte der Ortschaftsrat eben diese direkte Zufahrt an der viel befahrenen L 395 auf Platz eins der Prioritätenliste für den Haushalt. 2022.

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