Ginge es nach dem Stettener Ortschaftsrat, dann wäre die Frage zur Reaktivierung der Eyachtalbahn für Personenverkehr bereits entschieden.
Das Gremium stimmte in seiner Sitzung am Dienstag dafür, die Reaktivierung der Bahnstrecke zu befürworten. Dieser Empfehlungsbeschluss geht jetzt an den Haigerlocher Gemeinderat, der in seiner Sitzung am kommenden Dienstag ebenfalls Farbe bekennen soll, wie er zur Reaktivierung der Eyachtalbahn für Personenverkehr auf der Schiene steht.
Freilich müssen noch viele Fragezeichen aus dem Weg geräumt werden, bis Einwohner der Raumschaft wieder regelmäßig einen zwischen Horb und Hechingen pendelnden Zug nutzen können. Und auch die Landesregierung wird nicht alle der 42 vorgeschlagenen Reaktivierungsprojekte umsetzen.
Ortsvorsteher sieht Stetten als „Hauptprofiteur“
Nichtsdestotrotz war sich die Mehrheit des Ortschaftsrates darin einig, diese Chance nicht gleich von Beginn an leichtfertig zu verspielen. „Wir müssen das unterstützen. Wenn wir das nicht tun, wird die Bahn nie kommen“, betonte Ortsvorsteher Walter Stocker.
Haigerloch und Rangendingen wären aus seiner Sicht die „Hauptprofiteure“ einer Bahnreaktivierung. Der Stettener Ortsvorsteher ist zudem der Meinung, dass künftig nur noch dort „Entwicklungsachsen“ für Baugebiete oder die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe ausgewiesen werden, wo Busse und Bahnen verkehren. Er verwies dabei auf Kommunen wie Herrenberg und Gärtringen. „Man muss sich nur mal eine Karte von 1968 und heute anschauen, dann sieht man, wie diese Orte vom Bahnanschluss profitiert haben.“
Nicht abhängen lassen
Komme die Bahn nicht, so fürchtet Ortsvorsteher Stocker sogar um die bislang ordentliche Busanbindung der Bergwerksgemeinde. Er geht davon aus, dass dann nur noch Regionalbusse zwischen größeren Zentren wie Balingen, Hechingen, Haigerloch und Horb pendeln – und dann an Stetten vorbeifahren.
Auch Bürgermeister Heiko Lebherz empfahl dem Ortschaftsrat, die Chance auf die Eyachtalbahn weiterzuverfolgen, auch wenn dieses Ziel noch weit weg sei. Es sei politisch gewollt auf den ÖPNV umzusteigen. Die Aussicht auf einer Förderung von entstehenden Kosten in Höhe von 90 Prozent durch das Land – also auch für Haltestellen und Parkmöglichkeiten – klingt für ihn angesichts knapper Kassen interessant. Lebherz: „Mir ist es ehrlich gesagt lieber, das Land investiert in Haigerloch als anderswo.“
Bedenken wegen Lärmbelastung der Anwohner
Es gab aber auch nachdenkliche Stimmen im Ortschaftsrat: Ein stündlicher Bahnverkehr bis 24 Uhr könnte für Hausbesitzer nahe der Bahnlinie mit Nachteilen verbunden sein. „Wir dürfen den Lärmschutz nicht vernachlässigen“, mahnte Michael Stocker im Hinblick darauf, dass die geplante neue Haltestelle Ost (nahe des großen Parkplatz am SV-Sportheim) sehr dicht an der Wohnbebauung liegt.
Matthias Klingel, einer der von der Bahn-Wiederbelebung betroffen wäre, lehnte die Reaktivierung der Bahnlinie ganz ab. Er sieht nur Nachteile. Orte wie Gärtringen haben sich seiner Meinung nach ganz und gar nicht positiv entwickelt. Skeptikern riet er, dort und in Stetten spazieren zu gehen und dann zu beurteilen, wo es ihnen besser gefalle.
Empfehlung an den Haigerlocher Gemeinderat
Am Ende fasste der Stettener Rat mit sieben Ja-Stimmen, drei Enthaltungen und einer Gegenstimme einen Empfehlungsbeschluss an den Haigerlocher Gemeinderat. Positive Signale zur Reaktivierung der Eyachtalbahn für Personenverkehr hatte bereits einen Tag zuvor der Rangendinger Gemeinderat gegeben.