Wenn der Brunnen gefunden ist, kann es losgehen: Pläne zum Abriss und Neubau in der Langen Straße 23 in Schura gibt es seit fast zwei Jahren. Der Besitzer rechnet nun damit, dass im Sommer die Abrissarbeiten beginnen können.
Ende Juni 2023 sprach der Ortschaftsrat Schura mit fünf Ja-Stimmen und drei Enthaltungen seine Empfehlung an die Stadt Trossingen aus, auf das Vorkaufsrecht zu verzichten und das abbruchreife Gebäude Lange Straße 23 an den Nachbarn zu verkaufen.
Der frühere Besitzer hatte sich mehr als 20 Jahre lang geweigert, das Gebäude an die Stadt zu verkaufen, die es gerne abreißen lassen hätte, so Ortsvorsteher Wolfgang Schoch in der ersten Ortschaftsratssitzung im neuen Jahr. Man habe vor knapp zwei Jahren der privaten Hand den Vorzug gelassen, da es sich beim Käufer um den Nachbarn handelt, aber auch im guten Glauben an die Aussagen des neuen Besitzers, das Haus schnell abreißen zu lassen und ein neues Gebäude zu errichten.
In gutem Glauben
Das Gebäude steht noch immer, und Schoch gab dem Besitzer, Benjamin Diekmann, in der Sitzung die Gelegenheit, seine Absichten und Pläne nochmals vorzustellen. „Dies auch, weil innerhalb der Bevölkerung und auch im Ortschaftsrat Zweifel an der Umsetzung der ursprünglich formulierten Absichten aufgekommen sind“, so Schoch.
„Wir sind in der Planungsphase, um ein neues Haus zu errichten“, sagte Benjamin Diekmann. „Es handelt sich um ein sehr interessantes Konzept namens Jolie Maison, um ältere Menschen mitten im Dorf zu behalten“. Ein solches Gebäude werde derzeit in Grüningen erstellt, ein weiteres sei in Donaueschingen geplant, sowie im kommenden Jahr in Binningen. In Schura handle es sich um insgesamt neun Wohneinheiten mit Wohnungsgrößen zwischen 40 und 94 Quadratmetern. Hinzu komme ein Gemeinschafts- und ein Pflegeraum, beispielsweise für Friseur, Fußpflege oder ambulanten Pflegedienst. Das Gebäude, das in Baukastenversion auf drei Etagen in Holzbauweise erstellt werden soll, habe ein Satteldach und passe sich dem Stil des nebenliegenden Gebäudes an. Das neue Gebäude habe etwa die gleiche Dimension, wie das alte, nachdem laut Bebauungsplan nur 40 Prozent der Gesamtfläche – circa 1085 Quadratmeter – überbaut werden dürfen.
Keine Fledermäuse
Eine Verwaltungsgesellschaft verwalte das Gebäude. „Es steckt kein Betreiber dahinter“, so Diekmann. Die Information, dass er keine Abrissgenehmigung benötige, weil das Gebäude nicht denkmalgeschützt ist, hat der Besitzer Anfang Januar 2025 bekommen. Er müsse jetzt lediglich den naturrechtlichen Beweis erbringen, dass sich in dem Gebäude keine Fledermäuse aufhalten, was aber nicht der Fall sei. Kopfzerbrechen bereitet dem neuen Besitzer seit langem die Tatsache, dass es auf dem Gelände einen alten Brunnen geben soll, dessen Standort noch nicht gefunden wurde. Dieser Standort sei aber wichtig für die Planungen, um später beim Bau keine unliebsamen Überraschungen zu erfahren.
„Angebote für den Abriss liegen bereits vor“, betonte Diekmann. „ELR-Förderung für den Abbruch nehmen wir nicht in Anspruch, so dass der Abriss im Sommer erfolgen kann, spätestens im August soll das Gebäude weg sein.“
Suche nach Brunnen
„Das ist schon mal eine Ansage“, meinte Ortschaftsrat Ingo Hohner, und Jürgen Haller ergänzte: „Wenn es dann mal Schottergelände ist, wäre es schon schön“. Dem Wunsch von Benjamin Diekmann, vom an das Grundstück Lange Straße 23 angrenzenden städtischen Grundstück einen Teil abkaufen zu wollen, so dass noch Platz für den Gehweg wäre, hat der Ortschaftsrat nicht entsprochen. Die Fläche, die Diekmann erwerben wollte, hätte er nach dem Errichten des Neubaus für Pkw-Stellplätze vorgesehen. Bereits die Liegenschaftsverwaltung der Stadt Trossingen hatte dem Ortsvorsteher mitgeteilt, dass ein Verkauf nicht in Frage komme. „Wir können nicht verkaufen, da zuvor schon mehrere Anfragen in der Espachstraße abgelehnt wurden.“ Ingo Hohner betonte, es müsse das öffentliche Interesse verfolgt werden, auch wenn es für den Besitzer sicherlich eine gute Lösung gewesen wäre.