Mit dem Triebwerkskanal bei der Mühle wurde viele Jahre Strom erzeugt. Dies ist aber mittlerweile vorbei. Foto: Schwind

Das künstlich angelegte Gewässer hat eine lange Geschichte. Neben Hilfe beim Mehlmahlen oder der Herstellung von Öl diente der Kanal später auch der Stromerzeugung. Doch soll er nun rückgebaut werden. Der Ortschaftsrat entscheidet, wie es weitergeht.

Er bestimmt und prägt das Fischinger Ortsbild schon Jahrhunderte und ist ein Teil der Fischinger Ortsgeschichte – der Mühlkanal.

 

Nun wird er zumindest für die Stromherstellung in der Mühle nicht mehr gebraucht. Die Bannmühle in Fischingen war Eigentum der Herrschaft Wehrstein und bereits im Jahr 1746 ist nachweislich von einem Wehr und einem Mühlgraben die Sprache.

Frondienste für Mühlareal

Die Untertanen der Herrschaft aus Betra, Empfingen und Fischingen waren verpflichtet, ihr Getreide in der Herrschaftsmühle mahlen zu lassen.

Zudem mussten sie für die Bereiche des Mühlanwesens, zu dem auch bis zum Jahre 1912 eine Säge-, Reib- und Ölmühle, ein Ökonomiegebäude und eine Anzahl landwirtschaftlicher Grundstücke gehörte, Frondienste leisten.

30 Kreuzer zum Saubermachen

Die Fronleistungen verteilten sich auf das ganze Mühlenwerk, das Wehr, den Mühlgraben, den Wasserlauf, samt dem ganzen Mühlenbau. Die Untertanen mussten anerkennen, dass sie die Fronen nach Erfordern gänzlich ohne Entgeltung verrichten mussten.

Der Triebwerkskanal mündet unterhalb der Mühle in den Neckar. Foto: Schwind

Auch der Mühlkanal musste jedes Jahr gereinigt werden. Weil bei dieser Arbeit im Wasser gearbeitet werden musste, lies es sie nicht als Frondienst gestalten. Es wurden deshalb eine Anzahl von Arbeitern bestimmt, die von den Gemeinden je 30 Kreuzer erhielten.

Mahlbetrieb wird eingestellt

Das Wasserrecht am Mühlkanal dürfte sich aus jahrhundertelanger Benutzung ergeben haben und hatte für Fischingen schon immer eine große Bedeutung.

1959 wurde von Werner Linsenmann eine Wasserkraftanlage zur Stromerzeugung, die der EVS-Elektrizitätsgesellschaft angeschlossen war, eingebaut und 1962 schließlich der Mahlbetrieb der Bannmühle eingestellt.

Kirche auf Eichenpfählen

Heute kommt dem 510-Meter langen Triebwerkskanal durch die Fischinger Ortsmitte vom oberen Wehr bis zur Mühle stromtechnisch keine Bedeutung mehr zu. Der Besitzer des Wasserkraftwerks Oehler Wasserkraftwerke GbR aus Aidlingen produziert nämlich keinen Strom mehr in der Mühle.

Jetzt stellt sich die Frage, was aus der Mühle werden wird. Foto: Schwind

Deshalb wird der Triebwerkskanal dafür auch nicht mehr benötigt und soll teilrückgebaut werden. Der Tatsache geschuldet, dass die Fischinger Pfarrkirche auf Eichenpfählen gebaut wurde und diese dem Zerfall vorbeugend immer im Wasser stehen müssen, kann eine komplette Stilllegung des Kanals jedoch nicht in Frage kommen.

Ein sehr komplexes Thema

Stattdessen muss der Kanal als Kleingewässer erhalten bleiben und mit einer Restwassermenge aus dem Neckar beschickt werden. Es steht allerdings auch die Frage im Raum, was mit dem Mühlengebäude selbst passieren soll.

Da aufgrund der Komplexität aller Fakten die Auswirkungen auf den Triebwerkskanal noch nicht abgeschätzt werden konnten, sah sich der Fischinger Ortschaftsrat bereits 2022 nicht in der Lage, eine Stellungnahme abzugeben.

Interessant dürfte deshalb sein, wie sich das Gremium in der kommenden Ortschaftsratssitzung am Mittwochabend positioniert, wenn das Thema ein weiteres Mal auf den Ratstisch kommt.

Nicht umgesetzte Pläne

Ausbau
Im Jahre 1921 war sogar geplant, den Ortskanal auf 500 Meter auszubauen, das Wasser hinter der Sägemühle in einem vier Kilometer langen Stollen durch den Betraer Berg zu leiten, um Talseits der Bahnlinie ein Kraftwerk zu versorgen. Das Wasserwerk zwischen Sulz und der Glattmündung mit Einbezugnahme des hohenzollerischen Neckars sollte die hohenzollerischen Orte mit billigem Strom versorgen.

Umsetzung
Oberhalb der Betraer Steige war ein Tagesspeicherbecken von circa 100 000 Kubikmeter und auf der Höhe nördlich von Betra ein Pumpspeicherbecken von 30 000 Kubikmeter mit einer jährlichen Leistung von 15 Millionen Kilowattstunden geplant. Auch der abgeschlossene Pachtvertrag im Jahre 1923 zwischen den Gemeinden Empfingen-Fischingen und der Süddeutschen Metall-AG Stuttgart sah eine Wasserkraftanlage vor.