Welche Gebäude in Stetten sollen in städtischer Hand bleiben, welche soll man abstoßen? Intensiv hat sich der Ortschaftsrat mit dieser Frage auseinandergesetzt.
Das Dilemma ist bekannt und wurde von Stadtkämmerer Tobias Wannenmacher im Stettener Ortschaftsrat noch einmal plastisch geschildert und mit Zahlen unterfüttert. Die Stadt, so der Kämmerer, habe zu viele Gebäude in ihrem Besitz, die sie nicht wirklich brauche – die aber auf der anderen Seite aber hohe Betriebs- und Instandhaltungskosten verursachen.
Allein die letzten beiden Positionen würden sich laut ihm in den kommenden Jahren beim Rathaus auf 245 000 Euro und beim alten Schulhaus (dort sind mehrere Vereine untergebracht) auf rund 346 500 Euro summieren.
Was also tun? Mit 6:2 Stimmen votierte das Gremium letztendlich für den Verkauf des 1835 erbauten Rathauses und des Grundstücks, auf dem sich dieses befindet. Allerdings muss ein Ersatz für den Sitzungssaal des Ortschaftsrates geschaffen werden, und auch für die Sirene auf dem Dach und die im Rathaus installierte zentrale Steuerung der Dorfbeleuchtung bedarf es einer Lösung. Ebenfalls ein Wunsch des Gremiums: der Erhalt des Fußweges der seitlich am Rathaus vorbei verläuft.
Sorgenkind Schulhaus
Wenig Probleme hatte der Stettener Rat mit der Veräußerung des Kohleschuppens am oberen Ortsende. Dieser wird vom örtlichen Fronmeister und zum Teil von den Schaiblin-Hexen genutzt. Nach einstimmigem Beschluss soll der Schuppen nach August 20230 entweder an einen Verein verkauft werden oder an einen Investor, der auf dem rund 950 Quadratmeter großen Platz ein Mehrfamilienhaus baut.
Und schließlich ging es um den in Sichtweite zum Kohleschuppen liegenden Alten Schafstall, der seit Jahrzehnten die Heimat der Nabu-Ortsgruppe Haigerloch/Rangendingen ist. Einstimmig war man dafür, das Gebäude an die Regionalgruppe Tübingen zu veräußern oder mit dem Nabu Haigerloch einen Überlassungsvertrag zu schließen, damit die 450 Mitglieder starke Ortsgruppe künftig die Investitions- oder Betriebskosten selber trägt.
Das größte Sorgenkind ist und bleibt jedoch das im Jahr 1905 erbaut alte Schulhaus, in dem die Schaiblin-Hexen, der Motorsportclub und der Fischereiverein Lagerräume haben. Außerdem ist dort die Kleiderkammer der Gesamtfeuerwehr Haigerloch untergebracht. Nicht zuletzt wurde das Gebäude bis vor einiger Zeit vom Musikverein als Proberaum genutzt. Wohin sollen die Vereine mit ihren Sachen?
Verkauf abgelehnt
Das war eine der größten Sorgen in der Debatte um den Behalt oder Verkauf des Schulhauses. Man könne schlecht von ihnen verlangen, eigene Vereinsheime zu bauen – was möglicherweise auch eine finanzielle Überforderung darstelle. Grundstücke, auf denen in Eigenleistung kleinere Vereinsdomizile entstehen könnten, gebe es laut Ortsvorsteher Julian Higi, in Stetten jedoch durchaus.
Einig war man sich, dass kein Verein auf die Straße gesetzt werden dürfe und man gemeinsam mit der Stadtverwaltung in den kommenden drei bis fünf Jahren an einer Lösung dieses Problems arbeiten sollte. Wegen vieler zu klärender Fragen lehnte der Ortschaftsrat bei einer Enthaltung den Verkauf des alten Schulhauses ab.