Die Feuerwehr steht vor immer neuen Aufgaben und Herausforderungen. Dass mit dem Zentralklinikum bald ein neuer möglicher Einsatzort dazukommt, ist eine davon. Auch die Löschwasserversorgung bereitet Sorgen. Foto: Bernhard Konrad

„Selbst die Feuerwehr benötigt Wasser sehr.“ So heißt es in einem alten Schlager. Wer hätte gedacht, dass die Wasserversorgung in Lörrach der Feuerwehr Probleme bereitet?

Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lörrach, Michael Ortlieb, stellte am Dienstag auf der Ortschaftsratssitzung Brombach die Vorlage „Fortschreibung Feuerwehr Bedarfs- und Entwicklungsplan 2025 bis 2030“ vor. Er rechnet für die nächsten fünf Jahre mit einem Investitionsbedarf von rund sechs Millionen Euro. Durch verschiedene Zuschüsse könne sich der auf die Stadt Lörrach entfallende Anteil jedoch reduzieren.

 

Verkehrswende und Zentralklinikum

Immer neue Aufgaben und Herausforderungen warten auf die Feuerwehr. Für den Bereich Brombach kommt bald das Zentralklinikum als neuer möglicher Einsatzort hinzu. Die Verkehrswende mit immer mehr 30er Zonen und eine angedachte Taktverdichtung der S-Bahn erschweren die Einsätze weiter. Die Klimaveränderung macht sich durch Vegetationsbrände und Unwetter bemerkbar. Vorkehrungen gegen einen möglichen „Blackout“ müssen getroffen werden. Und die Löschwasserversorgung bereitet Sorgen. Nur 75 Prozent der bebauten Fläche sind ausreichend mit Löschwasser versorgt, sagte Ortlieb. In enger Zusammenarbeit mit Badenova, die betreibt das Wassernetz in Lörrach, arbeite man an Verbesserungen.

In der Vorlage wurde dezidiert aufgeführt, welche Fahrzeuge in den Ausrückebereichen gebraucht werden. Durch weitere Flexibilisierung könne der Bedarf optimiert werden.

Die Anforderungen durch das Gesetz seien hoch. So müsste zehn Minuten nach Alarm ein erstes Löschfahrzeug am Einsatzort sein. Ein zweites Fahrzeug mit einem Hilfsleistungssatz müsse spätestens nach 15 Minuten eintreffen. Und nach 20 Minuten müsse bei Bedarf ein zweiter Hilfsleistungssatz eintreffen. Dafür müssten die entsprechenden Einsatzmittel vorhanden sein.

Im Stadtgebiet gebe es eine Bundesautobahn, Kreis-, Land- und Bundesstraßen, Bahnverkehr, Industrie – auch mit Gefahrstoffen, Pflegeeinrichtungen und vieles weitere. Für alles müssten die entsprechenden Einsatzmittel vorgehalten werden.

Bei den ehrenamtlichen Feuerwehrkräften gebe es ein Verfügbarkeitsproblem, um besonders die Zehn-Minuten-Grenze einhalten zu können. Darum solle die Zahl der hauptamtlichen Kräfte von zwölf auf 16 ausgebaut werden.

Sachstand bei der Fahrradstrategie

Lukas Riesterer, zuständig für den Fuß- und Radverkehr, stellte den „4. Sachstandsbericht Fahrradstrategie 2025+“ vor. In einem Rückblick auf das Jahr 2025 wurde aufgezeigt, was alles an Verbesserungen bereits realisiert wurde. Mit Vorrang soll jetzt die Verbindung für Fußgänger und Velofahrer zum Zentralklinikum provisorisch asphaltiert werden. Bernd Bürgelin (Freie Wähler) sprach sich für einen sofortigen endgültigen Ausbau aus. Als nächstes großes Vorhaben ist der Umbau der Hartmattenstraße in eine Fahrradstraße genannt. Thomas Böhringer (SPD) begrüßte dieses Vorhaben.

Allerdings heißt es in der Vorlage: „Die in der Präsentation vorgestellten Projekte und Maßnahmen sind vorbehaltlich der weiteren Haushaltsplanung zu sehen.“

Allerdings scheint die Bevölkerung die angestrebte Verkehrswende nur zögerlich anzunehmen. Auffällig ist, dass in den Corona-Jahren ein starker Rückgang der erfassten Fahrradzählstellen auf 399 426 (2020) und 350 518 (2021) stattfand. Danach stieg die Zahl sprunghaft auf 445269 an. Seither nimmt die Zahl der an den beiden Zählstellen am Berliner Platz und am Hauptfriedhof erfassten Fahrradfahrer kontinuierlich ab. Im Jahr 2025 auf 417368 (alle Zahlen ermittelt von Januar bis August). Eine zunehmende Nutzung durch den Ausbau der Fahrradflächen ist dabei nicht zu erkennen.

Märkte- und Zentrenkonzept

Heftige Diskussionen gab es um die Vorlagen zum Märkte- und Zentrenkonzept der Stadt Lörrach, die von Gerd Haasis vom Fachbereich Stadtplanung vorgestellt wurde (siehe Artikel auf der vorhergehenden Seite). Die Stadt sieht ihr Konzept ausgesprochen positiv. So schreibt sie: „Mit dem Wohn- und Geschäftshaus LÖ ist es gelungen, den nördlichen Bereich der Innenstadt städtebaulich und funktional aufzuwerten.“ Kein Wort von den Problemen mit Diebstählen, Randale und Belästigungen, über die sich die Geschäftsleute beschweren (wir berichteten). Ortsvorsteherin Silke Herzog merkte dazu an, dass sich viele Bürger, aber auch Teile des Gemeinderates, von den Vorschriften zu eingeengt fühlten. „Manches wird zu starr gehandhabt“, sagte Herzog. Ein Beispiel sei die Nahversorgung im Ortsteil Haagen.

Haasis gab zu bedenken, dass zu große Märkte sowohl zu einem Verkehrskollaps führen als auch zu viel Kaufkraft abziehen könnten. „Für Märkte bis 800 Quadratmetern steht die Tür offen“, sagte er. Die Anfrage zweier Betreiber für Haagen betraf eine Verkaufsfläche von 3000 Quadratmetern – und das sei nicht möglich. Der Fachbereich sei der Ansicht, die Beschränkung ist sinnvoll.

Hochwasserschutz beschäftigt Zuhörer

Mehrere Bürger äußerten sich in der Bürgersprechstunde im Rahmen der Sitzung zum Hochwasserschutz in Brombach. Nach Fertigstellung der Rosswangbrücke sei der Bachlauf an manchen Stellen zu schmal und zu flach. Da würde bei Starkregen erneut das Wasser über die Ufer treten. Dankbar äußerten sich die Bürger, dass nach Information der Stadt jetzt das Regenrückhaltebecken gebaut werden solle. Dazu solle es bald weitere Informationen geben.