Das angeschlagene Stadtsäckel der Stadt Hechingen hat auch Auswirkungen auf den Zustand der Straßen – geplante Sanierungen für 2024 müssen geschoben werden. Laut Stadtsprecher Thomas Jauch hat der Straßenbau dennoch weiter eine hohe Priorität.
Wer in Hechingen und seinen Ortsteilen mit dem Auto unterwegs ist, braucht gute Stoßdämpfer. So zumindest der Eindruck der Hechinger Teilnehmer der Orts-Check-Umfrage unserer Redaktion. Der Sektor „Verkehr“ hat 5,91 Punkte erreicht – und liegt damit lediglich im Schnitt des Zollernalbkreises. Ein Teilnehmer schreibt als Kommentar gar: „Hechingen hat ein absolut kaputtes Straßennetz.“
Dass der Zustand der Hechinger Straßen nicht tadellos ist, weiß auch Bürgermeister Philipp Hahn. Er betonte bereits beim Bürgertreff im Januar mit einem humorvollen Unterton, dass im Jahr 2024 endlich die Zollernstraße auf dem Sanierungsplan der Verwaltung stehe – und hatte damit die Lacher im Publikum auf seiner Seite. Aber: Die Lage in Sachen Straßen sei in den Nachbarkommunen nicht besser, so Hahn damals.
Nutzungsdauer von 30 bis 50 Jahren
Und Thomas Jauch, Pressesprecher der Stadtverwaltung, betont auf Nachfrage unserer Redaktion: „Prinzipiell besteht ein erheblicher Sanierungsstau in Sachen Straßenunterhalt.“ Er begründet seine Aussage mit Blick auf die Länge des kommunalen Straßennetzes in Hechingen von 130 Kilometern. Bei einer angenommenen Nutzungsdauer von 30 bis 50 Jahren müssten pro Jahr 3000 Meter Teer erneuert werden. In den Jahren 2024 bis 2026 werden laut Prognosen des städtischen Tiefbauamtes aber jeweils nur 600 Meter saniert.
Der Grund: mal wieder die angespannte Finanzsituation. Allein die Mittel für den Planungs- respektive Baustart von sechs Straßenbauprojekten wurden aus dem Haushalt 2024 gestrichen – darunter die Siebergasse, die Rabenstraße, das Wohngebiet First, das Wohngebiet im Weiher sowie der Gehweg der Stauffenbergstraße (alle Kernstadt) und die Killertalstraße/Im Gässle in Schlatt.
Zweiter Bauabschnitt der Schloßackerstraße kommt
Bleibt die Gegenfrage: Welche Straßen werden dann zeitnah in Angriff genommen? Die Zollernstraße steht weiter auf dem Programm, dazu der zweite Bauabschnitt der Schloßackerstraße sowie die Straße Am Schlossberg. So die derzeitigen Pläne für die Jahre 2024 bis 2026. Dass es an der Zollernstraße – Jauch bezeichnet diese als „Einfallstor“ in die Stadtmitte – tatsächlich vorangeht, bestätigt auch ein Blick auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung. Dann stehen nämlich die Kostenübernahme der Umverlegung der Leitungen der städtischen Werke in den Kernhaushalt auf der Tagesordnung.
Trotz aller Kritik betont Pressesprecher Jauch: „Alle Straßen sind gut befahrbar, der Straßenunterhalt funktioniert. Reparatur-Arbeiten werden ständig durchgeführt.“ Und: In den Jahren 2022 und 2023 habe die Stadt im Gegensatz zu den Vorjahren erhebliche finanzielle Mittel und Arbeitskraft für die Straßensanierung aufgewendet.
Straßensanierung hat hohe Priorität
„Die Straßensanierung hat hohe Priorität. Das Investitionsvolumen ist alljährlich einer der größten Ausgabeposten im Haushalt. Aber dabei fehle es eben nicht nur am Geld: „Die Personallage ist gerade im Bereich Tiefbau und Stadtplanung angespannt“, erklärt Jauch. Der Fachkräftemangel bereite der Stadt große Probleme. Mitarbeiter zu finden gleiche einer Herkulesaufgabe.
Interessant: Damit der Sanierungsstau in Sachen Straßen nicht unübersichtlich wird, hat die Stadt 2023 erstmals wieder mit einem Spezialkamerawagen den Zustand der Straßen in der Gesamtstadt dokumentiert. Die Ergebnisse der Befahrung werden in einer der kommenden Gemeinderatssitzungen präsentiert.
In der Bisinger Straße wird gearbeitet
Und nicht nur die Verwaltung kümmert sich um die Straßen der Zollernstadt. Auch andere Träger wie das Landratsamt investieren in Teer – so derzeit in der Bisinger Straße. Bei 130 Kilometern an Straßennetz wird sich das ein oder andere Schlagloch in Hechingen trotz aller Mühen der Verwaltung weiterhin nicht vermeiden lassen.