Die Gastronomie schneidet in unserer Orts-Check-Umfrage im Vergleich schlecht ab und erreicht Platz 12 von 14. Liegt’s an der Vielfalt, am Service, an fehlenden Restaurants? Ein Überblick.
In der großen Orts-Check-Umfrage hat der Schwarzwälder Bote im Zollernalbkreis 14 Kategorien abgefragt.
Die Gastronomie – in vergleichbaren Orts-Check-Umfragen oft eher im Mittelfeld platziert – landet mit durchschnittlich 5,39 Punkten auf dem drittletzten Platz.
Die Bewertungen aus den Gemeinden und Städten sind sehr unterschiedlich: Eine Top-Position in der Gastronomie nimmt Dautmergen mit 8,17 Punkten ein. Ab Bitz mit 5,22 Punkten werden die Bewertungen unterdurchschnittlich. Sehr weit abgeschlagen liegt Hausen am Tann am Ende des Rankings mit nur 2,10 Punkten.
Gastro im Zollernalbkreis: Wie steht’s um Qualität und Vielfalt?
Gefragt wurde: Wie bewerten Sie die Vielfalt des gastronomischen Angebots in Ihrer Stadt/Gemeinde? Und: Wie zufrieden sind Sie mit der Qualität der gastronomischen Betriebe?
Bemängelt wurde von den mehr als 2500 Teilnehmern weniger die Qualität, sondern vielmehr die Vielfalt. „Das ist vermutlich dem ländlichen Raum geschuldet“, schätzt Jasmin Erath von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Zollernalbkreis die Situation ein. „Es gibt eben viel bürgerliche, deutsche Küche.“
In Städten wie Tübingen Reutlingen und Stuttgart sehe das anders aus. „Je größer die Metropole, desto größer die Vielfalt“, sagt Erath. Dennoch sieht sie die Region in diesem Bereich gut aufgestellt. Im Zollernalbkreis gebe es unter anderem italienische, mexikanische, chinesische oder auch indische Restaurants. Dass kein großes Sushi-Restaurant darunter ist, hänge nicht unbedingt mit der Nachfrage zusammen – „es gibt einfach keine Betreiber“, berichtet Erath.
Erath: Gastronomen „in Schutz nehmen“
Bei der Orts-Check-Fragestellung nach der Qualität kann Erath nur mutmaßen. „Hier ist es schwierig zu differenzieren“, meint sie und fragt: „Was ist Qualität? Geht es um das Essen, um Service, Schnelligkeit?“ Ob das Essen schmecke, sei eine subjektive Einschätzung.
Zum Service betont sie: „Wir haben einen unglaublich großen Fachkräftemangel.“ Daher müsse sie die Gastronomen „in Schutz nehmen“ – manchmal schafften diese es mit dem vorhandenen Personal einfach nicht, alle Gäste zügig zu bedienen.
Das bestätigt der Vorsitzende des Deutsche Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Zollernalb, Markus Holweger. „Der Personalmangel ist groß, wir finden nicht einmal mehr Auszubildende.“ Früher habe es in jedem Ort mindestens zwei bis fünf Gaststätten gegeben – vorbei. „Inzwischen haben viele das Handtuch geworfen.“
Corona-Pandemie, Mehrwertsteuererhöhung, älter gewordene Betreiber, die nicht weitermachen möchten, allerdings keine Nachfolger, keine neue Generation – Holweger nennt mehrere Faktoren, die zu Gaststätten-Schließungen beigetragen hätten. „Die Struktur der Gastronomie hat sich im Zollernalbkreis wie anderswo vollkommen gewandelt.“ Und überhaupt: „Der Geldbeutel sitzt nicht mehr so locker.“ Tatsächlich: Viele Menschen müssen mehr aufs Geld schauen, leisten sich den Restaurantbesuch seltener, das zeigen Umfragen.
Holweger: „Chaos“ bei Öffnungszeiten in der Gastronomie
Ein gewisses „Chaos“ sieht Holweger bei den Öffnungszeiten. Manches Restaurant öffne erst zum Wochenende hin, andere Gaststätten haben Montag und Dienstag geschlossen. Gäste – wie etwa Wanderer – seien dennoch unterwegs und stünden vor verschlossenen Türen. Dies sei auch der Fall, wenn der Wirt spontan früher schließe und sich sagt: „Wenn um 20 Uhr keine Gäste da sind, mache ich eben
Das Stichwort Energiekosten fällt. Früher hätten sich die längeren Öffnungszeiten noch gelohnt, heute sei eben auch mal früher Schluss. Für den Gast dennoch ein Grund zur Unzufriedenheit. Holweger: „Die Erwartungen sind hoch.“
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