Im Gebäude der Alten Schule in Winterlingen wurde 2017 ein Ärztehaus eingerichtet – was sich aus Sicht von Bürgermeister Michael Maier als Glücksfall in Sachen Gesundheitsversorgung für die Gesamtgemeinde erwiesen hat. Foto: Kuster

Während es andernorts um die Gesundheitsversorgung ziemlich prekär bestellt zu sein scheint, ist in Winterlingen die Welt noch in Ordnung: Im Orts-Check des Schwarzwälder Boten hat die Gemeinde mit 7,82 Punkten im kommunalen Vergleich die Nase vorn.

Die Gesundheitsversorgung ist ein wichtiges Thema, das aber seit Jahr und Tag vor immer neuen Herausforderungen steht – vor allem im ländlichen Raum. In bisherigen Orts-Checks des Schwarzwälder Boten landet die Kategorie mit einem Durchschnittswert von 5,43 auf dem letzten von 14 Plätzen – und wurde jüngst gar vom Zollernalbkreis mit durchschnittlich 5,14 Punkten unterboten.

 

Von beiden Werten weit entfernt ist jene Bewertung, die die Winterlinger Befragten ihrer Gesundheitsversorgung vor Ort gaben: Mit 7,82 Punkten haben sie ihre Gesamtgemeinde an die Spitze im kommunalen Vergleich katapultiert; einzige andere Kommunen mit einer Sieben vor dem Komma sind Rangendingen mit 7,52 auf dem zweiten und Schömberg mit 7,03 auf dem dritten Platz. Ein respektables Ergebnis, bei dem freilich die Frage aufkommt: Wie sieht es denn genau in Sachen Gesundheitsversorgung in Winterlingen aus?

Ein Ärztehaus mit mehreren Praxen

Laut Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) gibt es zehn Ärzte an vier verschiedenen Adressen in der Gesamtgemeinde in den Fachgebieten Innere Medizin und Allgemeinmedizin – bis auf Raili Zwarg, der in der psychotherapeutischen Medizin angesiedelt ist. Der Großteil der Ärzte hat Praxisräume im Haus- und Facharztzentrum Laucherttal/Alb GmbH, das in der Alten Schule in der Wilhelmstraße 12 untergebracht ist; in Winterlingen ist es als „Ärztehaus“ bekannt.

Zudem sind laut Bürgermeister Michael Maier eine Zahnarztpraxis, eine Apotheke, mehrere Physio- und Ergotherapiepraxen, Heilpraktiker, Logopäden und eine Reha-Einrichtung angesiedelt.

Vor ein paar Jahren sah es bei Weitem nicht so rosig für die Winterlinger aus: Bevor das Ärztehaus im Oktober 2017 seine Türen öffnete, hatten gleich zwei Hausärzte ihre Praxen geschlossen – und die ärztliche Versorgung stand auf Messers Schneide.

Daraufhin hat der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung beschlossen, das alte Schulgebäude in der Wilhelmstraße 12 anzumieten, in der die Ärzte Johannes Bader und Christoph Locher eine Gemeinschaftspraxis eröffneten. „Wenn wir die nicht besetzt bekommen hätten, hätte es ziemlich grausam für uns ausgesehen“, meint Maier.

Inzwischen zählt die Gemeinde drei Hausarztpraxen – die aber alle in der Hauptgemeinde Winterlingen angesiedelt sind: Das Ärztehaus in der Wilhelmstraße 12, die Praxis von Gyöngyvér Fazekas und Georg Ullwer in der Fritz-Witzemann-Straße 1 und die Praxis von Joachim Brunner in der Flandernstraße 96.

Auch die übrigen Praxen haben in Winterlingen ihren Sitz – bis auf eine Ausnahme: Das Merlin Gesundheitszentrum mit Reha-Sport und Physiotherapie befindet sich streng genommen auf Straßberger Gemarkung, auch wenn es im Interkommunalen Gewerbegebiet Straßberg-Winterlingen angesiedelt ist, an dem beide Gemeinden gleichermaßen Anteil haben.

Teilnehmer wünscht sich Notfall-Kindersprechstunde

Dass sich ein Gros der Praxen in Winterlingen befindet, hängt laut Maier auch mit den Einwohnerzahlen zusammen: Von etwa 6400 Einwohnern insgesamt sind rund 3900 in Winterlingen, 1400 in Harthausen und 1100 in Benzingen mit Blättringen gemeldet. „Das ist eine ganz andere Hausnummer, auch was die Zahl der Patienten angeht“, sagt er.

In manchen Teilen geht die Gesundheitsversorgung aber über Gemeindegrenzen hinaus – und kann dort laut einem Kommentar mindestens einen Bedarf nicht abdecken: Die „Notfall-Kindersprechstunde muss in der Klinik dringend wieder kommen! Eine Stunde nach Tübingen oder Ravensburg ist viel zu lang.“ In diesem Fall sind der Gemeinde Winterlingen laut Michael Maier aber die Hände gebunden.