Beim Orts-Check liegen „ÖPNV“, „Gastronomie“ und „Immobilienmarkt“ auf den letzten Plätzen. Die Sicherheit ist aus Sicht der Leser im kreisweiten Vergleich sogar am Schlechtesten. Dem widerspricht Bürgermeister Jens Keucher aber mit Blick auf die Zahlen.
Gemessen an der Gesamtbewertung liegt Sulz mit einer Punktezahl von 5,78 auf Platz 18 von 21 Kommunen im Landkreis.
„Das zeigt uns, dass es Bereiche gibt, in denen Handlungsbedarf gesehen wird oder bestehende Maßnahmen stärker vermittelt werden sollten“, zieht Bürgermeister Jens Keucher das Fazit aus der Leserbewertung.
Stadt ist im Gespräch
Besondere Kritik ziehen die Bereiche „ÖPNV“, „Gastronomie“ und „Immobilienmarkt“ auf sich, die den Schluss der 14 verschiedenen Kriterien bilden. „Der öffentliche Personennahverkehr ist eine Herausforderung für eine flächenmäßig große Kommune“, weist er auf die schwierige Situation hin.
„Wir berücksichtigen bei unseren Planungen das Einrichten von Bushaltestellen und informieren regelmäßig die Betreiber, wenn wir eine steigende Nachfrage sehen“, äußert er sich zum möglichen Ausbau des Angebotes.
Man sei in engem Austausch mit allen Verkehrsträgern. „Auf Kreisebene hilft es, dass ich mit einer hohen Stimmenzahl in den Kreisrat gewählt wurde“, blickt der Bürgermeister auf die Wahlergebnisse im Juni zurück.
Radverkehrskonzept erstellt
Doch dürfe bei der Kritik am öffentlichen Personen-Nahverkehr nicht vergessen werden, dass Sulz über eine regelmäßige Bahnverbindung an den Ballungsraum Stuttgart, den Erholungsraum Bodensee und die Flughäfen angebunden sei. „Der ÖPNV ist sicherlich besser als in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit“, sagt er.
Ebenfalls habe man mit der Radverkehrskonzeption die Voraussetzungen für einen sicheren Radverkehr geschaffen.
Darüber hinaus stelle die Stadt kostenlos P&R-Plätze zur Verfügung und habe einen hohen finanziellen Beitrag zum barrierefreien Neubau des Bahnsteigs mit der Aufzuganlage geleistet.
Energiekosten belastet Gastronomie
„Ganz aktuell wurden an der Grund- und Werkrealschule ‚Kiss&Go‘-Zonen eingerichtet, um die Fahrbahnen für die Busse von sogenannten Elterntaxis zu entlasten “, spricht Keucher eine weitere Maßnahme an.
Dass die Gastronomie einen schweren Stand hat, steht für ihn außer Frage. „Energie und weitere Kosten sowie die Personalverfügbarkeit haben sich ebenso verändert wie die Ansprüche und Gewohnheiten der ortsansässigen Bürger und der Touristen“, umreist er die Problematik.
Hilfe bei Neugründung
Doch habe es in jüngster Zeit auch mehrere Eröffnungen gegeben, betont er. Als Beispiele können die Rockkneipe „Joker“ oder die Cocktailbar „Royal“ gelten. In Mühlheim zog „Lara Kebap & Pizza“ ins alte „Rössle“ um und erweiterte sein Angebot. Und auch die Traditionsgaststätte „Hecht“ machte – trotz Befürchtungen einer drohenden Schließung – mit neuem Konzept weiter.
„Bei Gründungen beraten wir gemeinsam mit den Fachansprechpartnern der IHK, die insbesondere im Bereich der Gastronomie eigens zugeschnittene Unterstützung anbieten“, weist Keucher auf die Maßnahmen der Stadt hin.
Dass der Wohnungsmarkt auch in Sulz angespannt sei, stellt der Bürgermeister nicht infrage. Doch hätten Sulzer Bauträger, Bauunternehmen und die Stadtverwaltung schon seit Jahrzehnten daran gearbeitet.
Auslagerung des Gewerbes
„Zum einen wurden neue Baugebiete ausgewiesen, zum anderen Bestandsgebäude mit Förderung aus öffentlichen Geldern saniert“, nennt er zwei Ergebnisse.
Ebenfalls habe die Stadt Unternehmen die Umsiedlung aus innerörtlichen Mischgebieten heraus in neu erschlossene Gewerbegebiete wie den InPark A 81, nach Bergfelden, Renfrizhausen oder Kastell ermöglicht. „So wurden innerorts Flächen für die Wohnbebauung frei“, beschreibt er die Folgen.
In den Sanierungsgebieten zur städtebaulichen Erneuerung Stadtkern II, Bergfelden, Fischingen und Mühlheim würden bestehende Häuser gefördert.
Nahwärme ausbauen
So könne der Fokus auf energetische Sanierungen und kostengünstige Bauweisen jenseits bestehender Mieten dazu beitragen, das Wohnen in Sulz für alle Bürger erschwinglich zu halten.
Zur künftigen Senkung privater Kosten trage seiner Einschätzung nach auch die aktuelle Erschließung klimaschonender erneuerbare Energien bei, etwa von der Nahwärme bis zu Wind- und Solarenergie.
Wenig Straftaten
Im kreisweiten Vergleich schreiben die Leser Sulz die schlechteste Sicherheitslage in den 21 Kommunen zu.
„Einige wenige Bewertungen weisen deutliche Differenzen zu objektiven Daten auf, wie besonders signifikant im Bereich Sicherheit“, sagt Keucher dazu.
Und verweist auf die Analyse der Kriminalitätsentwicklung der Stadt Sulz von 2023. Kam es damals in Sulz zu 382 Straftaten, waren es in Oberndorf mit 606 deutlich mehr.
Überdurchschnittliche Aufklärungsquote
Überboten wurde dies von Schramberg (819), wobei die meisten Taten in Rottweil (1425) zu verzeichnen waren. Blickt man auf die Zahlen, ist Sulz sogar der sicherste Ort.
Und mit einer Aufklärungsquote von 69,4 Prozent liegt die Stadt sogar über dem landesweiten Durchschnitt, der in Baden-Württemberg lediglich 63,5 Prozent beträgt.
Stärkeres Sicherheitsgefühl
„Das Sicherheitsgefühl ist nicht deckungsgleich mit den Analysen der Kriminalitätsstatistik“, erläutert Keucher. Subjektiv würden einige wenige Gebiete als unsicher empfunden.
Dies wolle man baulicherseits bei der Weiterentwicklung des Stadtparks Wöhrd berücksichtigen.
Aber auch die regelmäßige Nutzung der Halle 16 sowie eine erweiterte Gastronomie im Stadtpark könne für eine erhöhte soziale Kontrolle, mehr Leben und damit mehr Sicherheitsgefühl sorgen.