Das Thema öffentlicher Nahverkehr brennt den Menschen in der südlichen Ortenau offenbar unter den Nägeln: Mit 5,24 Punkten landete die Kategorie beim Orts-Check im unteren Drittel der Wertung. Dutzendfach forderten Teilnehmer ÖPNV-Verbesserungen.
In Sachen öffentlichem Personennahverkehr tut sich einiges in der Ortenau. Im Sommer 2021 wurden die bisherigen 50 Tarifzonen zu sechs großen zusammengefasst. Herzstück der Tarifreform war das Schülernetzticket, für das alle Schüler, Azubis und Studenten den gleichen Preis bezahlen: monatlich rund 33 Euro im Abonnement.
Vor wenigen Wochen hatte der Kreis seine Mobilitäts-App vorgestellt, die Fahrplanauskunft und Ticketautomat in einem sein und verschiedene Mobilitätsangebote kombinieren soll.
Nächstes Großprojekt in Sachen ÖPNV soll der kreisweite Stundentakt werden. Für den sprach sich der Umwelt- und Technikausschuss des Kreistags am 20. Juni aus. Jedes Dorf soll dabei in der Zeit von 5 bis 24 Uhr im Stundentakt an den Nahverkehr angebunden werden. Dafür rechnet der Kreis mit rund 21 Millionen Euro Zuschussbedarf pro Jahr.
Trotzdem zeigt sich im großen Orts-Check: Noch ist die Situation für die Bewohner der südlichen Ortenau nicht zufriedenstellend. Mit 5,24 von zehn möglichen Punkten landete der ÖPNV im unteren Drittel der Wertung. Nur die Kategorien Verkehr (5,22 Punkte), Einzelhandel (5,22 Punkte) und Immobilienmarkt (4,83 Punkte) schnitten schlechter ab. Beim Themenblock ÖPNV war abgefragt worden, wie gut die Teilnehmer den öffentlichen Nahverkehr und das Radwegenetz in ihrem Ort bewerten.
Stundentakt in der ganzen Ortenau ist in Planung
Der ÖPNV wird in Rust 6,73 und Schwanau 6,01 am besten bewertet. Ab Platz sieben liegen die Gemeinden im verbesserungswürdigen unterdurchschnittlichen Bereich. Das Ranking liegt insgesamt dicht beieinander – das Schlusslicht bildet auch im ÖPNV die Stadt Mahlberg mit 3,77 Punkten
Die Kommentarfunktion des Orts-Check nutzten Teilnehmer in dieser Kategorie sehr rege: Dutzende Kommentare drehen sich dabei hauptsächlich um den Zustand des ÖPNV. Häufig bleiben die Aussagen recht allgemein: „ÖPNV zwingend verbesserungsbedürftig“, schrieb ein Umfrage-Teilnehmer. Ein anderer stieß ins selbe Horn: „ÖPNV muss massiv verbessert werden!“ „Der ÖPNV gerade im ländlichen Bereich ist schlecht“, konstatiert ein weiterer Teilnehmer. Viele Kommentatoren beklagen eine zu geringe Bustaktung. Bei ausführlicheren Kommentaren wird deutlich, dass vor allem die Anbindung der Gemeinden untereinander zu wünschen übrig lässt.
Lahrer beklagen vor allem Anbindung der Teilorte
Vor allem aus Lahr wurde Kritik an der Anbindung der Teilorte an die Kernstadt laut. „Mehr ÖPNV in den Stadtteilen“ fordert ein Anwohner. „Häufigere und längere Busanbindung in die Stadt und von der Stadt in die umliegenden Ortschaften“, wünscht sich ein anderer. „Das Busnetz ist leider viel zu schlecht ausgebaut, wenn man ohne Auto in einem der Dörfer wohnt, kommt man innerhalb der Woche teilweise stundenlang nicht weg“, kritisiert ein Dritter.
„Für ihre Größe hat die Stadt Lahr einen bemerkenden schlechten ÖPNV“, so ein Teilnehmer pauschal. Ein weiterer stört sich an den Kosten: „Die Preise für den öffentlichen Nahverkehr sind viel zu teuer. Eine einfache Fahrt mit dem Bus von Lahr nach Reichenbach kostet über 2,50 Euro.“