Der Streit um die Klinikreform Agenda 2030 hat in der Vergangenheit immer wieder die Gemüter erhitzt. Trotzdem bewerten die Bewohner der südlichen Ortenau das Thema Gesundheitsversorgung beim Orts-Check relativ gut – und haben dennoch Wünsche.
Runde Tische, Demos, Streitgespräche und umstrittene Plakataktionen – rund um die Klinikreform im Kreis kochten in der Vergangenheit immer wieder die Emotionen hoch. Der Grund: Kleine Kliniken – in Gengenbach, Ettenheim, Oberkirch und Kehl – sind bereits geschlossen oder stehen vor dem Aus. Übrig bleiben sollen drei großen Krankenhäuser in Lahr, Offenburg und Achern sowie ein kleines Haus in Wolfach. So soll die Ortenauer Gesundheitsversorgung fit für die Zukunft – und vor allem auch dauerhaft finanzierbar – werden. Innerhalb und außerhalb der Kreisgremien sorgte die Klinikreform für heiße Diskussionen.
Hinzu kommt, dass viele Städte und Gemeinden darum kämpfen müssen, Hausarztpraxen im Ort zu halten. Trotzdem scheinen die Bewohner der südlichen Ortenau mit der Situation relativ zufrieden zu sein. Mit 5,41 von zehn Punkten bewerteten die Teilnehmer der Umfrage die Gesundheitsversorgung in der Ortenau.
Damit landet sie im Mittelfeld der 14 Kategorien. Abgefragt wurde, wie die Teilnehmer das Angebot an Arztpraxen und Kliniken in ihrem Ort bewerten und wie gut die Versorgung mit anderen Gesundheitsdienstleistungen ist. Die Ergebnisse in den 13 Städten und Gemeinden der südlichen Ortenau gehen dabei deutlich auseinander.
Ettenheim landet an der Spitze der Wertung
Spitzenreiter mit 7,12 Punkten ist ausgerechnet Ettenheim. Das mag verwundern, da der Betrieb des dortigen Krankenhauses Ende 2022 eingestellt worden war. Aus der Ettenheimer Klinik soll bis 2025 ein Zentrum für Gesundheit mit den drei Fachpraxen für Chirurgie, Innere Medizin und Psychosomatik werden.
Das Ortenau-Klinikum investiert insgesamt 26 Millionen Euro in den Umbau. Ein weiterer Baustein wird eine stationäre geriatrische Reha mit rund 60 Betten sein. Das Konzept scheint die Ettenheimer mit dem Verlust der stationären Klinik versöhnt zu haben, legt das Umfrageergebnis nahe.
Auch in Kippenheim (6,87 Punkte) und Seelbach (6,86 Punkte) scheinen die Menschen zufrieden mit der Gesundheitsversorgung zu sein. Das Schlusslicht bildet die Stadt Mahlberg mit einer Wertung von 3,56 Punkten, dicht gefolgt von Meißenheim mit 3,73 und Ringsheim mit 4,11 Punkten.
Kliniken sind nur vereinzelt Thema bei den Teilnehmern
Bei den Kommentaren der Umfrage-Teilnehmer ist die Gesundheitsversorgung ein Thema. So fordern Stimmen eine generelle Verbesserung der ärztlichen Versorgung, etwa „mehr Hausarztpraxen“ sowie „mehr Fachärzte“. Konkret werden auch Kinderärzte, Gynäkologen und HNO-Ärzte genannt. Ein Ärztehaus im Ort sei dringend notwendig, schreibt ein Teilnehmer. Jemand kritisiert an Meißenheim, dass es weder einen Arzt noch eine Apotheke gebe. „Wir hier in Meißenheim benötigen dringend einen Arzt“, schreibt ein Weiterer.
Nur zwei Kommentare nehmen konkret Bezug auf die Kliniken. Den „Erhalt einer wohnortnahen und spezifischer Klinikversorgung“ fordert etwa ein Umfrage-Teilnehmer. Ein anderer schreibt lediglich „Krankenhaus Ettenheim!“.