Platz 15 im Landkreis: Da ist noch Luft nach oben für Oberndorf. Wir nehmen die Aspekte Sicherheit, Sauberkeit und ÖPNV unter die Lupe und werfen einen Blick auf die Kommentare der Bürger. Was denen besonders fehlt: eine belebte Kernstadt.
6,0 von zehn Punkten hat Oberndorf im Orts-Check des Schwarzwälder Boten durchschnittlich erhalten und liegt damit leicht unter dem Durchschnittswert im Landkreis (6,38 Punkte).
So sieht der Bürgermeister die Sicherheitslage
Punkten kann die Stadt in den Kategorien Vereinsleben sowie Kultur und Freizeit, aber auch, was das Thema Sicherheit angeht. Diese Kategorie wurde in Oberndorf mit 7,01 Punkten bewertet und schafft es damit auf den zweiten Platz. Spielt die Tatsache, dass sich das Oberndorfer Polizeirevier im Herzen der Unterstadt befindet, in diese Bewertung hinein?
Aus Sicht von Bürgermeister Matthias Winter absolut. „Oberndorf vereint mit Amtsgericht und Polizeirevier, das rund um die Uhr besetzt ist, Justiz und Polizei in einer Stadt. Das sind sicherlich ebenso Faktoren für die gute Sicherheitslage, wie das insgesamt gute Miteinander in unserer Stadtgesellschaft“, meint er.
Vor Konflikten eingreifen
Man versuche aber auch mit unterschiedlichsten Angeboten, zielgruppengenau Hilfestellungen zu geben, so dass Konfliktpotenziale möglichst nicht entstünden. „Beispiele hierfür sind ein funktionierendes Integrationsmanagement, Schulsozialarbeit oder die Angebote der Stadtjugendpflege und im sozialen Bereich“, so Winter. In den Kommentaren sind derweil durchaus auch kritische Stimmen vertreten, die vor allem den Bereich um den Bahnhof als Ort nennen, den sie abends nicht aufsuchen würden. Sicherheit wird aber in den Kommentaren vor allem auch im Zusammenhang mit dem Thema Radwege genannt. „Das Radwegenetz muss ausgebaut und vor allem sicherer werden“, heißt es da beispielsweise.
Untersuchung im Gange
Als drittbeste Kategorie taucht „Sauberkeit“ im Oberndorfer Ranking auf (6,58 Punkte). Für den Bürgermeister nicht verwunderlich. Die Kollegen der Stadtgärtnerei und des Werkhofs gäben jeden Tag ihr Bestes dafür, sagt er. Die Reinigung erfolge nach festgelegten Plänen und Intervallen.
Der Zustand sei aber immer eine Momentaufnahme und werde von unterschiedlichen Faktoren, wie beispielsweise Zeitpunkt der letzten Reinigung oder der Personalkapazität beeinflusst.
Und natürlich gebe es auch Möglichkeiten zur Verbesserung. Zurzeit erfolge eine externe Untersuchung von Werkhof und Stadtgärtnerei. „Neben der Organisation wird auch der Personalbedarf überprüft. Ebenso ist es denkbar, bei Bedarf auf Fremdreinigung zurückzugreifen, wo dies sinnvoll möglich ist.“
Bürger müssen mithelfen
Aber Sauberkeit sei nicht nur Sache der Stadt. „Leider ist nicht allen Mitmenschen ein ordentliches Stadtbild wichtig, so dass wir stärkere Verschmutzungen wahrnehmen“, bemängelt Winter. „Schlussendlich kann man selbst zu einem ordentlichen Stadtbild beitragen, in dem man seinen Müll nicht achtlos wegwirft und unsere Infrastruktur pfleglich behandelt“, so sein Appell. Dazu passt auch eine Stimme in den Kommentaren, die starke Verunreinigungen durch Hundekot auf den Geh- und Spazierwegen anprangert.
Mängel im Nahverkehr
Weit abgeschlagen im Oberndorfer Ranking liegt derweil der ÖPNV – mit 5,04 Punkten auf dem zweitletzten Platz. „Nahverkehr muss ausgebaut werden“, wird mehrfach in den Kommentaren gefordert. Vor allem am Wochenende und in die Richtungen Rottweil und Freudenstadt bestehe da Bedarf. Manche äußern zudem Sorgen vor der Entwicklung im Hinblick auf die alternde Gesellschaft – „falls ich irgendwann nicht mehr Autofahren könnte“.
Für Matthias Winter nachvollziehbar? Er erklärt, dass Oberndorf überwiegend am ÖPNV des Landkreises hänge. Dieser müsse natürlich in den Gesamttakt eingebunden sein. „Mit dem neuen Rufbus ist ein attraktives Angebot entstanden, welches eine flexible Nutzung ermöglicht und einen sogar bis vor die Haustür bringt“, findet der Bürgermeister.
Gutachten angedacht
Natürlich gebe es immer die Möglichkeit zur Verbesserung. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass der ÖPNV ebenso eine Kostenfrage sei. „Deshalb schlage ich dem Gemeinderat in der Beratung für den Haushalt 2025 vor, einen Betrag für ein ÖPNV-Gutachten einzustellen. Hierdurch können Verbesserungsvorschläge für den ÖPNV erarbeitet werden; diese können dann in die Verhandlungen des Nahverkehrsplans des Kreises, welcher in naher Zukunft fortgeschrieben wird, mit einfließen. Ebenso können wir damit Optimierungspotenzial für unseren Stadtverkehr erkennen und unsere Mittel zielgerichteter einsetzen.“
Mangel an Einzelhändlern und Parkplätzen
Und was bewegt die Oberndorfer noch? Aufschluss geben die Kommentare des Orts-Checks. Dort wird vor allem ein Mangel an Einzelhändlern in der Kernstadt beklagt.
So heißt es etwa: „Ich würde mir wünschen, dass die Oberstadt in Oberndorf wieder mehr belebt wird, zum Beispiel mit Einzelhandel und vielleicht einem kleinen Supermarkt. Wo sind denn die ganzen Metzger hin? Wenn man in der Stadt wohnt, ist man auf ein Auto angewiesen – irgendwas stimmt doch da nicht“. Oder aber: „Der Einzelhandel und die Gastronomie sterben in Oberndorf. Parkplätze sind Mangelware und verschärfen das Problem.“ Und: „Die Stadt Oberndorf ist ausgestorben, dabei war es früher ein blühendes Örtchen.“
Auch der Ärztemangel, die Lücke, die der geschlossene Real-Markt auf dem Lindenhof hinterlassen hat, Verkehrslärm und Defizite im Erscheinungsbild der Stadt sind Themen in den Kommentaren.
Freibad und Wohnqualität werden gelobt
Es ist aber nicht nur Kritik zu lesen. „Oberndorf hat das schönste Freibad im Landkreis Rottweil“, wird beispielsweise gelobt. Und: „Auf dem Lindenhof ist die Wohnqualität sehr gut.“ Für Bürgermeister Matthias Winter ist wichtig, sich der Stärken Oberndorfs bewusst zu sein und diese besser nach außen zu transportieren, wie er sagt. Für Fragen, Vorschläge oder konstruktive Kritik stehe er stets zur Verfügung. Und der Bürgermeister sieht auch Verbesserungspotenzial, ist aber ebenso davon überzeugt: „Oberndorf hat viel zu bieten“.