Wie sicher fühlen sich die Bewohner des Landkreises Rottweil? Das wollten wir beim Orts-Check wissen – und haben viele Kommentare dazu erhalten, dass die Angst vor allem nachts in den Städten groß ist. Die Polizei indes zeigt auf: Das subjektive Sicherheitsgefühl lässt sich manchmal nicht mit den objektiven Zahlen in Einklang bringen.
In den Abendstunden allein in der Stadt unterwegs sein – manche Bürger trauen sich das nicht mehr. Das geht zumindest aus den Kommentaren des Orts-Checks hervor.
„Kinder und Frauen haben Angst und können abends nicht mehr alleine durch die Innenstadt gehen“, ist da beispielsweise zu lesen.
Oder: „Leider hat sich mein Sicherheitsempfinden in der Innenstadt Rottweil in den letzten zehn Jahren deutlich verschlechtert. Sobald es dunkel wird, fühlt man sich nicht mehr wirklich wohl in der Innenstadt, obwohl man den Eindruck hat, dass die Polizei schon Präsenz zeigt (dies aber mehr tagsüber).“
Bahnhöfe im Blick Besonders unsicher fühlen sich manche Bürger dabei offenbar an den Bahnhöfen. So heißt es etwa: „Zur Abendzeit fühlt man sich unwohl in der Stadt. Den direkten Weg zum Bahnhof versucht man zu meiden“ oder „Ich will schon tagsüber nicht mehr im Bereich des Bahnhofs zu Fuß unterwegs sein, geschweige denn nachts.“
Migration wird thematisiert Manche der Kommentatoren bringen das Gefühl der fehlenden Sicherheit dabei offenbar auch mit dem Thema Migration in Verbindung. „Lebensqualität und Sicherheitsgefühl wären besser, wenn nicht so viele Fremde hier wären“, schreibt beispielsweise ein Bürger. Und eine Bürgerin teilt mit: „Nach Ladenschluss sehr unsicheres Gefühl, wenn man als Frau alleine in der Stadt unterwegs ist aufgrund der vielen Migranten, die dort rumlungern.“
In den Kommentaren werden hauptsächlich die Städte des Landkreises genannt, doch auch manche Kommune findet Erwähnung. Ein wichtiger Faktor dort für das Sicherheitsgefühl: die Straßenbeleuchtung. So schreibt ein Kommentator: „Straßenbeleuchtung bis 1 Uhr nachts ist ausreichend (Rottweil die ganze Nacht). Wenn das Licht vor Mitternacht ausgeht (Villingendorf), dann fühlt man sich unsicher.“
Das Ergebnis nach Punkten Schaut man sich die Punktebewertung an, so landet der Lebensbereich Sicherheit aber immerhin auf dem fünften von 14 Plätzen mit durchschnittlich 6,60 Punkten. Gefragt wurde nach dem Sicherheitsgefühl in den Städten und Gemeinden sowie nach der Präsenz beziehungsweise Sichtbarkeit der Polizei.
Eine Top-Position nehmen dabei Hardt (7,57 Punkte), Aichhalden (7,51) und Wellendingen (7,35) ein. Am schlechtesten schneiden Sulz (5,64 Punkte), Vöhringen (5,94) und Schramberg (5,98) ab.
Insgesamt wird das Thema Sicherheit überdurchschnittlich bewertet – wie passt das zu den Kommentaren? Und was sagt die Polizei zum Orts-Check und zu den Bedenken der Teilnehmer?
Entscheidende Faktoren Generell könne eine Befragung wie der Orts-Check neben anderen Kriterien ein Indikator zur Einschätzung des Sicherheitsgefühls im Kreis Rottweil sein, teilt Nicole Minge, Pressesprecherin im Polizeipräsidium Konstanz, zu dessen Zuständigkeitsbereich der Landkreis zählt, mit. Sie sagt außerdem: Das Sicherheitsgefühl eines Menschen sei generell subjektiv und hänge von verschiedenen Faktoren, wie sozialen Problemen, Vandalismus, Vermüllung oder unangenehmen sozialen Interaktionen ab.
Zu den Kommentaren heißt es: „Wir nehmen die Ängste und Sorgen der Bürger ernst. Hinweise zu Gebieten oder Orten, an denen sie sich unsicher oder unwohl fühlen, sind für uns wichtig. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Gemeinden und Städte können so Maßnahmen geprüft werden, um das Empfinden positiv zu beeinflussen.“
Präsenzstreifen und Personenkontrollen richte man am aktuellen Lagebild aus. Zudem wirke man beratend bei städtebaulichen Planungen mit.
Die Fallzahlen Mittels Fallzahlen möchte die Polizei untermauern, dass Gefühl und Realität manchmal auseinandergehen.
In Rottweil beispielsweise sind die Fälle von Körperverletzung demnach von 2022 (266) zu 2023 auf 131 gesunken, ebenso die Aggressionsdelikte (185 auf 144 Fälle). Einen leichten Anstieg gab es bei der Straßenkriminalität (von 205 auf 234 Fälle). Dazu zählen beispielsweise Taschendiebstähle.
Und wie sieht es bei den Schlusslichtern aus? In Vöhringen gab es 2023 acht Körperverletzungsdelikte weniger als im Vorjahr und bei Aggressionsdelikten einen Rückgang um elf Fälle auf zehn Delikte.
Die Städte und Gemeinden, die im Orts-Check im Hinblick auf die Sicherheit eher negativ bewertet wurden – in Punkten oder Kommentaren – weisen größtenteils keinen oder zumindest keinen nennenswerten Anstieg im Bereich der Gewaltdelikte auf.
Ein „sicherer Landkreis“ Eine Ausnahme ist Schlusslicht Sulz. Dort zeigt sich 2023 ein Anstieg der Fallzahlen bei Körperverletzungen (von 40 auf 50 Fälle) und bei Aggressionsdelikten (47 zu 55 Fällen). Nicole Minge nennt zudem Schramberg, wo man im Jahr 2023 einen Anstieg bei den Körperverletzungsdelikten im Vergleich zu den Vorjahren festgestellt habe. „Im Hinblick auf die Häufigkeitszahl ist Schramberg jedoch noch immer eine der sichersten großen Kreisstädte“, ergänzt Minge. „Generell ist zu sagen, dass der Landkreis Rottweil ein aus polizeilicher Sicht sicherer Landkreis ist.“