Wer im eher ländlichen Kreis Rottweil mit dem Bus von A nach B will, der hat zumindest in vielen kleineren Gemeinden ein echtes Problem. Trotz vieler Anstrengungen in Sachen ÖPNV ist die Unzufriedenheit groß, wie das Ergebnis unseres Orts-Checks zeigt.
Ganz wichtig: Auch das Thema Radwege ist in diese Kategorie eingeschlossen. Wir haben die Teilnehmer des Orts-Checks gefragt: Wie gut ist Ihre Stadt/Gemeinde an den öffentlichen Nahverkehr angebunden? Und: Wie zufrieden sind Sie mit dem Radwegenetz Ihrer Stadt/Gemeinde?
ÖPNV auf vorletztem Rang
Das Ergebnis ist ernüchternd. Mit 5,55 von zehn möglichen Punkten liegt der ÖPNV/Radverkehr auf dem vorletzten Rang aller 14 Kategorien. Schlechter abgeschnitten hat nur der Bereich Immobilien/Wohnungsmarkt.
Und: Der ÖPNV im Kreis Rottweil fällt auch im Vergleich zum Durchschnitt der Orts-Checks in anderen Landkreisen (5,63) etwas schlechter aus. Im Gesamtergebnis aller Kategorien – das sei an dieser Stelle noch einmal gesagt – schneidet der Kreis Rottweil jedoch hervorragend ab.
Unterschiedlich in den Gemeinden
Dennoch: Es hakt beim öffentlichen Personennahverkehr – dabei sind die Rückmeldungen aus den Gemeinden jedoch recht unterschiedlich. In Schiltach wird die Kategorie mit 7,15 Punkten am besten bewertet, gefolgt vom benachbarten Schenkenzell (7,08) und von Villingendorf (6,96). Auch Wellendingen, Deißlingen und Dunningen haben noch die sechs vor dem Komma. Ab Platz elf – so haben es die Profis der Meinungsagentur Co-Mind ermittelt – werden die Bewertungen im Gesamtvergleich unterdurchschnittlich. Das Schlusslicht im Ranking bilden Epfendorf (4,53), Vöhringen (4,03) und weit abgeschlagen Lauterbach mit 3,45 Punkten.
Aufgeschmissen am Wochenende
Wie sehr die Bürger das Thema umtreibt, zeigen auch die zahlreichen Kommentare, die wir im Rahmen des Orts-Checks dazu erhalten haben. Die Sorgen sind vielfältig: Es fehlen Radverbindungen, Senioren und Jugendliche kommen per Bus gerade am Wochenende kaum irgendwo hin, Teilorte größerer Kommunen sind schlecht an den Hauptort angebunden – gleichzeitig fällt Infrastruktur in den kleinen Orten weg, so dass die Bürger mehr und mehr auf längere Wege, beispielsweise zum Einkaufen oder in die Schulen, angewiesen sind.
„Ein gutes Verkehrsnetz mit regelmäßigen Bussen (Fahrzeit alle 30 Minuten) würde manche fehlende Institution in der eigenen Gemeinde relativieren, da diese im Umkreis gut zu erreichen wäre“, lautet ein Kommentar eines Teilnehmers. Insgesamt 4150 waren es übrigens an der Zahl.
Ein anderer Kommentar weist auf Lösungen in der Nachbarschaft hin: „Ein besserer Ausbau des ÖPNV ist vonnöten, zum Beispiel mit flexiblen, digital vernetzten Rufbussen wie im Tuttlinger Modell“.
Grenzen sind erreicht
Doch können alle Bedürfnisse im ländlich strukturierten Landkreis Rottweil überhaupt unter einen Hut gebracht werden? Anstrengungen gibt es viele: Im Rahmen des Tarifverbunds „Move“ wurden die Preise gesenkt und der Kreis wendet deutlich mehr Mittel für den ÖPNV auf, als noch vor zwei, drei Jahren – darauf weist Landrat Wolf-Rüdiger Michel im Gespräch mit unserer Redaktion hin.
Er sagt aber auch klar: „Ein weiterer Ausbau beim ÖPNV stößt an finanzielle Grenzen. Ab 2025 wird sich die Haushaltslage bei allen Kommunen dramatisch verschlechtern. Es wird darum gehen, den Bestand zu sichern.“
Etliche neue Radwege
In der Tat sind die Kommunen stetig neuen Belastungen ausgesetzt – und die aktuellen Haushaltsplanberatungen zeigen, dass vielerorts der Rotstift angesetzt werden muss. Dennoch wird gerade im Bereich der Radwege stetig investiert. Beispiel Aichhalden – Waldmössingen/Heiligenbronn: Hier laufen die Planungen für einen neuen Radweg, der Grunderwerb steht bevor. Einschließlich des Straßenbaus kommt das Projekt auf Gesamtkosten von rund 9,5 Millionen Euro. Eine Förderung des Radwegs aus dem Förderprogramm des Landes in Höhe von 1,46 Millionen Euro ist bereits bewilligt.
Insgesamt fünf Radwegprojekte wurden in diesem Jahr ins Förderprogramm aufgenommen, darunter auch der Lückenschluss zwischen Rotenzimmern und Leidringen und ein Rad- und Gehweg samt Querungshilfe entlang der Dunninger Straße in Lackendorf.
Körnerstraße wird Fahrradstraße
Neue Wege ging die Stadt Rottweil unter anderem mit der Ausweisung der Körnerstraße zur Fahrradstraße, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Und in Oberndorf wurde erst jüngst das neue Radwegekonzept vorgestellt. Dabei kam sogar eine neue „Radbrücke“ ins Spiel.
Andernorts gibt es dagegen auch bürokratiebedingte Rückschritte: Ein einstiges Vorzeige-Modellprojekt, ein außerörtlicher Radschutzstreifen zwischen Bühlingen und Lauffen, musste nach vier Jahren „demarkiert“ werden. Der Schutzstreifen wurde von den Radfahrern zwar gut angenommen, doch nach einem neuen Erlass des Verkehrsministeriums gilt er nun stellenweise als zu schmal.
Zwei Schritte vor, einer zurück – und knapper werdende Kassen. Während in Sachen Radverkehr viele kleine Schritte das Netz langsam weiterknüpfen, dürften sich beim großen Thema ÖPNV auch in den nächsten Jahren viele weiter abgehängt fühlen.