Nicht gut weg kommt in unserem Orts-Check der öffentliche Nahverkehr in der Gemeinde. Zu selten, zu teuer, zu schlecht angebunden, ohne Auto geht es nicht. Bürgermeister Dieter Bischoff erklärt, welche Lösungen es für diese Kritikpunkte gibt.
Eigentlich steht Pfalzgrafenweiler in unserem Orts-Check überdurchschnittlich gut da: 6,27 Punkte von 10 geben die Befragten der Gemeinde. Damit landet sie kreisweit auf Platz fünf. Bei der Lebensqualität liegt Pfalzgrafenweiler sogar bei 7,24, sichert sich in dieser Kategorie damit ebenfalls den fünften Platz und liegt über dem Landkreisdurchschnitt von 6,91. Was in der Umfrage aber häufig kritisiert wird, ist der ÖPNV: 5,26 Punkte im Durchschnitt erhält Pfalzgrafenweiler, damit ist dies die drittschlechteste Kategorie in der Gemeinde, danach kommen nur noch Gastronomie (4,96) und Immobilienmarkt (4,46). Mehr als 20 Kommentare beschäftigen sich mit der ÖPNV-Situation: zu selten, zu teuer, keine Anbindungen am Abend und am Wochenende.
Wie ist die Situation? Wer am ZOB in Pfalzgrafenweiler einen Blick auf die Fahrpläne wirft, mag den Frust der Befragten verstehen. Wenige Verbindungen, oft verkehren die Busse nach 18 Uhr nicht mehr. Nach Freudenstadt oder zurück mit den Öffentlichen zu fahren, ist da für Pendler nicht gerade einfach. „Für Angestellte im Schichtdienst besteht derzeit keine Möglichkeit, den ÖPNV zur Erreichung des Arbeitsplatzes in Freudenstadt zu nutzen“, bemängelt ein Befragter. Einwohner bleiben aufs Auto angewiesen.
„Die Freizeitangebote in den Teilorten sind sehr bescheiden. Vor allem für ältere Personen ohne Auto“, heißt es zudem. Und ein anderer Umfrageteilnehmer meint: „Für Menschen, die gern ohne Auto unterwegs sein wollen, gibt es in der Freizeitgestaltung keine Möglichkeit außer dem teuren Taxi. Somit ist man gezwungen, das Auto zu nehmen.“
Dabei dürfte es auch um den Umweltschutz gehen. Auch die Radwege werden teils in der Umfrage bemängelt: Es werden mehr gewünscht. Bürgermeister Dieter Bischoff verweist auf die ungünstige Topografie der Gemeinde: „Wir haben hier Berg und Tal.“ Auf sehr abschüssigem Gelände sei es nicht möglich, Radwege anzulegen. Aber es gebe viele Waldwege, die auch Fußgänger und Radfahrer nutzen können. Auch gebe es Pläne für den Ausbau der Radwege.
Immerhin: Wer auf das Auto angewiesen ist, braucht auch einen Parkplatz. Und hier sei Pfalzgrafenweiler gut aufgestellt. Viele öffentliche Parkplätze seien frei und ohne Gebühren nutzbar, etwa bei der Schule. Nur bei wenigen gebe es eine Parkscheiben-Pflicht. Aber, meint Bischoff, eventuell müsse man auch ein paar Meter zu seinem Auto laufen.
Warum ist Pfalzgrafenweiler so ungünstig angeschlossen? „Das ist kein reines Pfalzgrafenweiler-Problem“, erklärt Bürgermeister Bischoff. Im gesamten Landkreis, der eher ländlich geprägt und von vielen kleinen Dörfchen durchsetzt sei, bestehe das Problem.
Bischoff vermutet außerdem einen statistischen Effekt: Wenn an der Umfrage etwa vor allem Menschen aus den (noch) schlechter angeschlossenen Teilorten teilgenommen hätten, verzerre das das Bild.
Was wird für die Anbindung getan? Große Hoffnung setzt der Bürgermeister auf das ÖPNV-Taxi. Ein Leser bedauert in der Umfrage: „Schade dass es das Ruftaxi nicht bis Pfalzgrafenweiler schafft.“ Hier gibt es aber Grund zur Zuversicht: Wenn alles glatt läuft, startet es hier im September, verrät Oliver Valha, verantwortlich für die Mobilität im Landkreis.
Damit sollte auch ein anderes Manko aus der Welt geschafft werden: „Der öffentliche Nahverkehr sollte in kürzerem Zeittakt unterwegs sein“, schreibt ein Umfrageteilnehmer. Ziel des Taxis ist es, den „Ein-Stunden-Takt“ zu gewährleisten.
Bürgermobil als Option Schon länger gibt es in Pfalzgrafenweiler ein vergleichbares, wenn auch nicht so breites Angebot: das Bürgermobil. Dieser kleine Bus fährt dienstags und freitags innerhalb der Gemeinde. Angemeldet werden muss die Fahrt 30 Minuten vorher, übernommen wird sie vom Taxiunternehmen Schmid – und dieses stellt künftig auch das ÖPNV-Taxi.
Schon jetzt werde das Bürgermobil, vor allem von älteren Menschen gut angenommen, meint Bischoff. Kostenpunkt: 1,50 Euro pro Fahrt. Der Vorteil beim neuen ÖPNV-Taxi ist aber, dass dieses auch in andere Gemeinden fährt und nicht nur innerhalb Pfalzgrafenweilers.
Immerhin gebe es in Pfalzgrafenweiler ein Taxiunternehmen, meint Bischoff. Das sei nicht selbstverständlich. Tatsächlich: In Seewald oder Alpirsbach etwa gibt es keine örtlichen Taxiunternehmen – das macht dort den Einstieg ins ÖPNV-Taxi schwieriger, teilt das Landratsamt mit.