Das Flößerdorf steht in Sachen Immobilien und Sauberkeit gut da. Foto: Rousek

In der Gesamtbewertung liegt Unterreichenbach eher im hinteren Bereich beim großen Ortscheck. Doch es gibt neben Kritik, beispielsweise am Einzelhandelsangebot, auch mehrere Themen, die die Bürger richtig gut finden.

5,61 Punkte hat Unterreichenbach im Durchschnitt aller abgefragten Kategorien erhalten und landet damit im Gesamtranking auf Platz 17 der 25 Kommunen im Kreis. Fairnesshalber muss man aber dazusagen, dass die Anzahl der Teilnehmer an der Umfrage aus Unterreichenbach nicht gerade riesig war.

 

Wo aber drückt der Schuh? Wie den Abstimmungsergebnissen zu entnehmen ist, stören sich die Teilnehmer offenbar am Freizeit- und Kulturangebot in der Gemeinde. In dieser Kategorie belegt Unterreichenbach gerade mal den 23. Platz mit 4,64 Punkten.

Ab einem bestimmten Punkt sind Grenzen gesetzt

Nicht besser sieht es in Bezug auf Vereine und Sport aus: auch hier Platz 23 (6,31 Punkte). Bürgermeister Carsten Lachenauer zeigt sich überrascht von diesen Bewertungen. Gerade der ländliche Raum lebe von Vereinen und deren Engagement. Und auch in Unterreichenbach seien sie sehr stark. „Das ist gut so.“ Es sei immer möglich, noch mehr zu machen. Aber ab einem bestimmten Punkt seien sowohl räumlich, als auch finanziell Grenzen gesetzt. „Wenn ich sehe, was die Vereine alles machen, finde ich, dass viel angeboten wird.“

Und das, was es im Ort selbst nicht gibt, das finden die Bürger in den umliegenden Gemeinden. „Es muss nicht jeder alles haben.“

Bringdienst der Apotheke

Dass die teilnehmenden Bürger so unzufrieden mit der Gesundheitsversorgung sind – hier belegt Unterreichenbach den vorletzten Platz mit 2,54 Punkten – kann Lachenauer teils nachvollziehen. Immerhin hat vor rund einem Jahr der Hausarzt in der Gemeinde urplötzlich seine Praxis geschlossen. Eine schwierige Situation, räumt der Bürgermeister ein. Er sieht dahinter aber ein strukturelles Problem, das bei Weitem nicht nur Unterreichenbach betrifft. Hier sei die Politik gefragt, entsprechende Weichen zu stellen, damit junge Ärzte auf dem Land Praxen eröffnen, findet er. Was Krankenhäuser betrifft, sieht Lachenauer seine Gemeinde durch die Nähe zu Pforzheim und Calw gut versorgt. Und ein besonderer Pluspunkt sei der Zahnarzt im Ort. Eine Apotheke gibt es zwar nicht, dafür aber einen Bringdienst der Apotheke in Bad Liebenzell.

Zur reinen Wohngemeinde abgerutscht?

Den schlechtesten Wert kassiert die Gemeinde beim Thema Einzelhandel: 2,17 Punkte und Platz 24 von 25 Plätzen. Ein Kommentar eines Umfrageteilnehmers könnte Aufschluss darüber geben, worin diese Bewertung begründet ist: „Nachdem in Unterreichenbach erst alle Lebensmittelläden, dann alle Metzger und nun auch der letzte Bäcker, im Mai noch der letzte Arzt und im September die letzte Bank zugemacht wurde, ist man hier von einem beliebten guten kleinen Wohnort mit guter Infrastruktur zu einer reinen Wohngemeinde abgerutscht und man ist ohne Auto komplett aufgeschmissen.“ Lachenauer versteht die Kritik. Auch wenn seit der Ortscheck-Abstimmung wieder ein Bäcker eröffnet hat. Das Einzelhandelsangebot in Unterreichenbach beschränke sich im Wesentlichen auf den Ladentreff, so Lachenauer. Der habe dafür aber eine hervorragend funktionierende Poststation. Dennoch: „Es wäre schön, mehr Angebote zu haben.“

Bessere Busanbindung

Gut schneidet die Gemeinde indes bei der Sauberkeit ab. 8,4 von zehn Punkten gibt es in dieser Kategorie.

Auch in Bezug auf die Digitalisierung, Klima und Energie scheinen die Bürger zufrieden mit ihrem Wohnort zu sein (6,69 Punkte, Platz zwei). Man sei beim Ausbau des Breitband-Netzes ziemlich weit, vermutet Carsten Lachenauer als Grund für das gute Ergebnis. Und auch beim Thema Energie sei vieles in Planung.

Die Situation auf dem Immobilienmarkt vor Ort ist offenbar noch vertretbar für die Abstimmenden (Platz vier mit 5,68 Punkten). Es gebe zwar nur noch wenige Angebote, preislich mögen diese aber interessant sein im Vergleich zu anderen Kommunen, mutmaßt er über die Gründe für das Ergebnis. „Von denen, die was haben, bekomme ich positive Rückmeldungen.“

Vergleichsweise gut

Der ÖPNV in Unterreichenbach schneidet im Vergleich zu den anderen Kommunen im Kreis zwar gut ab (Platz sechs, 6,32 Punkte). Doch sehr zufrieden scheinen die Bürger damit nicht zu sein, wie sich bei den Anmerkungen am Ende der Umfrage herauslesen lässt. So fordern mehrere eine bessere Busanbindung an umliegende Städte und Gemeinden. Einer schreibt: „Ohne Auto ist man in Kapfenhardt echt aufgeschmissen. Keine Anbindung nach Schömberg und zurück. Nur über fünf Ecken und mit viel Zeitaufwand möglich.“ Lachenauer sieht Unterreichenbach recht gut angebunden – immerhin mit eigener Bahnhaltestelle. Natürlich sei der ÖPNV aber immer ausbaufähig. Kapfenhardt kann sich schon zum bald anstehenden Fahrplanwechsel auf Verbesserungen freuen: ab dann gebe es bessere Busverbindungen nach Pforzheim, kündigt der Bürgermeister an.