Im Orts-Check gab es für Ostelsheim viel Kritik. Bürgermeister Ryyan Alshebl reagiert und stellt neue Projekte vor.
„Ich wohne hier und kann das nicht Nachvollziehen“, sagt Ryyan Alshebl, der Bürgermeister von Ostelsheim. Damit reagiert er auf Anfrage auf das Ergebnis aus dem Orts-Check, in dem die Gemeinde in der Kategorie Sauberkeit kreisweit mit auf den letzten Plätzen gelandet ist. Im Orts-Check konnten die Anwohner von Anfang September bis Anfang Oktober darüber abstimmen, wie lebenswert sie ihre Gemeinde finden.
Vereine Anders als bei der Sauberkeit sieht es in den Kategorien Sport und Vereine sowie Kultur und Freizeit aus. Mit den Plätzen 18 und 19 kann der Bürgermeister gut leben: „Klar gibt es in größeren Orten mehr Angebot, darum finde ich die Bewertung nicht unbedingt schlecht.“ Dennoch gebe es immer Luft nach oben.
Daher werde die Gemeinde in die Bereiche investieren. Schon jetzt investiere Ostelsheim in Sportanlagen, aber im Januar soll zusätzlich ein Vereinsförderungs-Konzept beschlossen werden. „Teilweise vervierfachen sich dann die Subventionen“, so Alshebl. Auch ein Fond zur Förderung von Kulturvereinen werde eingerichtet. Die Vereine bekämen so jährlich 5000 Euro Budget zur Verfügung.
„Wir gewinnen langsam neues Personal“
Familien Ein großer Unmut bei den Befragten bestand wohl bei der Bewertung der Familienfreundlichkeit, denn der Ort landete auf dem vorletzten Platz. Besonders die Kinderbetreuung ist schon länger ein Problem. Zwar gibt es genug Raum in der vor wenigen Jahren ausgebauten Kita Kunterbunt, aber aufgrund von Personalmangel sind die Öffnungszeiten schon seit längerem stark eingeschränkt.
Das soll sich aber ändern. So wurde eine Strategie zur Gewinnung von Fachkräften im Rat beschlossen, die allen Mitarbeitern der Kommune zugute käme, so Alshebl. Neben außertariflichen Gehältern gebe es weitere Benefits und zusätzliche Urlaubstage. „Wir wollen zum sexy Arbeitgeber werden“, fasst es der Bürgermeister zusammen.
Und das scheint zu funktionieren: „Wir gewinnen langsam neues Personal“, doch bis die Kita wieder Nachmittagsangebot haben werde, dauere es noch etwas. „Wir sind noch dabei, die Lage zu stabilisieren“, erklärt er.
Ein Silberstreif am Horizont
Lebensmittel Seit der „...nah&gut“ Ende 2011 geschlossen hat, gab es in Ostelsheim kein Lebensmittelgeschäft mehr. Die Umfrageteilnehmer bringen auch darüber ihren Frust zum Ausdruck und bewerteten die Kategorie Einzelhandel mit 2,01 von 10 möglichen Punkten. Im Kreis bekam Ostelsheim damit den letzten Platz ab. Auch in ihren Kommentaren war der Einzelhandel am häufigsten Thema. Doch es gibt ein Silberstreif am Horizont. Bald soll es eine Normafiliale im Ort geben. Inzwischen liege die Baugenehmigung vor, doch den Weg dahin beschreibt Alshebl als „beschwerliche Reise mit den Behörden und der Bürokratie“. Inzwischen werde es aber konkreter in Bezug auf das Vorhaben: „Die Erdarbeiten sollen noch vor Weihnachten anfangen. Wir hoffen im Herbst 2024 mit dem Bau fertig zu sein.“
Gesundheit Eine solide Bewertung im Bereich Gesundheitsversorgung gab es im Orts-Check. Damit landete Ostelsheim auf Platz 15 von 25. Die kleine Gäu-Gemeinde verfügt immerhin über eine Allgemeinarztpraxis. Auf die Frage, ob es weitere Praxen geben werde sagt Alshebl: „Mir ist nichts neues bekannt.“ Außerdem sagt er mit Bedauern: „Von einer Apotheke sind wir weit entfernt.“ Offenbar beschäftigt ihn dieses Thema besonders. Denn er überlege eine „Apotheke to go“ für die Gemeinde anzuschaffen. Hinter dem Begriff verbirgt sich ein öffentlich zugänglicher Medikamenten-Automat, der rund um die Uhr genutzt werden könne. „Rezept rein – Medikament raus“, erklärt der Bürgermeister knapp die Funktionsweise.
Neujahresüberraschung für den ÖPNV
ÖPNV Auch die Kategorie Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) landet bei der Bewertung im Orts-Check im Mittelfeld. Doch gerade wenn die Verbindung mit der Hermann-Hesse-Bahn fertiggestellt ist, werde die Situation besser, glaubt der Bürgermeister. Doch unabhängig davon habe sich die Gemeinde für die Erweiterung des ÖPNV-Angebots etwas Außergewöhnliches einfallen lassen, erzählt er. „Im Januar wird die spannende Erweiterung öffentlich gemacht.“ Worum es sich handelt, will er noch nicht verraten, es sei eine Überraschung. So viel gibt er aber preis: „Auf jeden Fall ist es etwas, das es im Landkreis so noch nie gegeben hat.“