Der Nonnenmattweiher ist ein wichtiges Biotop – und ein beliebter Anlaufpunkt für Ausflügler. Foto: MT-Archiv

Von „Sport & Vereine“ über „Familie & Kinder“ bis „Gastronomie“ und „Digitalisierung & Klimaschutz“ reichten die Kategorien, die unsere Leser bei unserem Orts-Check für das Kleine Wiesental bewerten konnten.

Gemessen an den Durchschnittswerten für den Landkreis, erzielen im Kleinen Wiesental neun von 14 Kategorien überdurchschnittliche Ergebnisse.

 

Verkehr

Die Wege sind weit im Kleinen Wiesental – etwa 15 Kilometer sind’s vom einen Ortseingang bei Wieslet bis ans andere Ende (besser: an eines der anderen Enden) in Neuenweg. Bei diesen Distanzen, verschärft zudem von der Berg- und Tallage – ist und bleibt das eigene Auto für die allermeisten Bürger das Verkehrsmittel der Wahl. Fehlende Radwege entlang der Hauptrouten tun ein Übriges, damit das Radfahren für den Alltags- und Pendelverkehr nicht gerade Mittel der Wahl ist. Immerhin: Für den Radweg von Wieslet nach Tegernau gibt es ganz aktuell Licht am Ende des Tunnels, frohlockt Bürgermeister Gerd Schönbett im Gespräch mit unserer Zeitung – nach sieben langen Jahren Planungs- und vor allem Diskussionszeit.

Belastet sehen sich die Kleinwiesentäler – wie viele Leidensgenossen an kurvenreichen Strecken durch schöne Landschaften – durch den Motorradlärm. „Endlich mal etwas zur Eindämmung des Verkehrslärms insbesondere Motorradkrach unternehmen zum Schutz der Anwohner!“, fordert in diesem Sinn ein Teilnehmer unseres Orts-Checks. Das Problem ist den Verantwortlichen in Kommunal- und Landespolitik durchaus bewusst – eine Lösung indes noch lange nicht gefunden. Die „Initiative gegen Motorradlärm“, in der sich Schwarzwald-Kommunen zusammengeschlossen haben, „ist doch eher ein Papiertiger“, zeigt sich Schönbett wenig hoffnungsfroh.

Sport & Vereine

Positiv bewerten die Kleinwiesentäler ihr Vereinsleben: Mit 6,91 Punkte liegt diese Kategorie im oberen Mittelfeld. Ob im Bereich Brauchtum, Sport, Fasnacht oder Landschaftspflege: Etwa 50 Vereine sind in der 2800 Einwohner zählenden Gemeinde aktiv – und kümmern sich neben ihrem eigentlichen Metier auch um ein reges Fest- und Gemeinschaftsleben.

Kultur & Freizeit

Von ambitionierten Kulturveranstaltungen rund um das Kulturhaus Ried über ein handfestes Konzertprogramm in der Museumswirtschaft Krone bis zu Wander- und Ausflugsmöglichkeiten inmitten toller Landschaft reicht das Kultur- und Freizeitangebot im Kleinen Wiesental. Ein ansehnliches Angebot – das in den Augen der Einwohner gleichwohl Luft nach oben hat: Diese Kategorie wird mit 5,63 Punkten eher verhalten beurteilt.

Gastronomie

Gehobene Gaststätten und gemütliche Beizen als Anlaufpunkte gibt es im Kleinen Wiesental nach wie vor – wenngleich mit sinkender Tendenz. Gerade vor etwa zwei Wochen hat mit dem Adler in Ried ein weiteres Traditionsgasthaus geschlossen. Zugleich gibt es an anderer Stelle – etwa bei der Sennhütte in Schwand – Erweiterungs- und Modernisierungspläne – und damit die Hoffnung, dass die Gastro-Kultur im Kleinen Wiesental eine Zukunft hat. Bewertet wird diese Kategorie mit 6,19 Punkten.

Familie & Kinder

Im guten Mittelfeld liegt die Kategorie „Familie & Kinder“ mit 6,65 Punkten. Mit der Naturpark-Schule in Tegernau sieht Bürgermeister Schönbett die Gemeinde im schulischen Bereich gut aufgestellt. Im Kindergartenbereich indes sieht er große Aufgaben für die Zukunft. Aktuell gibt es im Kleinen Wiesental drei Kindergarten-Standorte, nachdem die Einwohner sich in einem Bürgerentscheid vor sieben Jahren gegen einen Zentralkindergarten ausgesprochen hatten. Über kurz oder lang indes wird diese Debatte erneut ausgefochten werden müssen, prognostiziert Schönbett mit Blick etwa auf Personal oder zusätzliche Kleinkindbetreuung: Diese Herausforderungen wären zentral weit einfacher zur stemmen, ist er nach wie vor überzeugt.

Digitalisierung & Klima

Der Bereich „Digitalisierung & Klima“ wird mit 6,79 Punkten vergleichsweise gut bewertet und landet auf Rang fünf der Kategorien. Tatsächlich läuft in Sachen „Erneuerbare Energien“ auch einiges – etwa über den gleichnamigen Verein, der sich unter anderem für die Installation von Balkon-Solaranlagen starkmacht.

Zugleich freilich ist das Thema „Erneuerbare“ auch im Kleinen Wiesental insbesondere in der Ausprägung „Windenergie“ keineswegs konfliktfrei. Kritiker bringen ihre Bedenken schon seit längerem vor; aktuell wird die Debatte erneut befeuert durch die Pläne für den „Windpark Zeller Blauen“, die in den vergangene Wochen konkret wurden und insbesondere die Teilorte Bürchau und Elbenschwand tangieren. Die teils harsch geführten Diskussionen belasteten die Dorfgemeinschaft stark, und der Bürgermeister steht als Verfechter der Windkraft immer wieder in der Kritik. „Durch hunderte Meter hohe Windräder wird Natur zerstört und Landschaft verschandelt “, hinterlegt denn auch ein Teilnehmer unseres Orts-Checks in der Kommentarspalte.

Schönbett indes ist nach wie vor überzeugt von der Sinnhaftigkeit der Windkraft auch und gerade auf den Höhenrücken des Schwarzwalds. „Ich hoffe, dass mein Einsatz für die Windkraft nicht vergeblich war“, betont er gegenüber unserer Zeitung – das nahende Ende seines Bürgermeister-Daseins bei dieser Formulierung wohl schon im Blick: Der 64-Jährige tritt bei der 2025 anstehenden Bürgermeisterwahl nicht erneut an.

Ein echter Pluspunkt unterm Stichwort Digitalisierung ist die Breitbandversorgung im Tal: Dank des Offensive des Landkreises (Stichwort: Zweckverband Breitband) wird im kommenden Jahr das komplette Tal und noch der abgelegenste Weiler an die Datenautobahn angeschlossen sein.