Egal ob öffentliche Verkehrsmittel oder Radwege – die Umfrageteilnehmer und der Bürgermeister sind sich einig: Hier muss in St. Georgen mehr gehen.
Eines zeigen die Ergebnisse des Orts-Checks ganz deutlich: In puncto Verkehr sehen die Umfrageteilnehmer in St. Georgen deutliches Verbesserungspotenzial. Egal, ob es um die Belastung von Anwohnern durch den Straßenverkehr geht oder um den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) – in keiner anderen Kategorie schneidet die Bergstadt so schlecht ab wie in diesen beiden Bereichen. Und Wortmeldungen im Zuge der Umfrage zeigen: Auch beim Thema Radwege herrscht enormes Ausbaupotenzial.
Es ist Kritik, die Bürgermeister Michael Rieger nachvollziehen kann – und der er sich teilweise auch anschließt. Besonders, wenn es um Radwege geht: Hier habe sich in den vergangenen Jahren „Leider sehr wenig“ getan. Bei der Radwegekonzeption des Schwarzwald-Baar-Kreises habe man 2015 verschiedene Verbindungen vorgeschlagen. „Im kommenden Frühjahr soll nun laut Aussage des Landratsamts endlich mit dem Bau des Radwegs von der Hiesemicheleshöhe nach Hardt begonnen werden. Dann haben zehn Jahre des Wartens ein Ende.“
Doch das ist nicht die einzige Baustelle: Auch Radwege zwischen Peterzell und Brogen, zwischen Oberkirnach und Unterkirnach sowie zwischen Schoren und Mönchweiler entlang der Bundesstraße 33 seien beantragt. Perspektivisch sieht Rieger auch den Radweg in Richtung Langenschiltach und Tennenbronn als wichtigen Baustein.
Und noch ein Dauerthema gibt es: „Der Radweg Schoren-Königsfeld wurde vom Land abgelehnt“, erklärt Rieger. Die Begründung: zu geringe Frequenz. „Aber wir und auch meine Anliegerkollegen lassen da nicht locker. Firmen, die neu bauen, müssen überdachte Fahrradstellplätze bauen, aber Radwege, auf denen man sicher an seinen Arbeitsplatz kommt, lehnt man ab. Das passt irgendwie nicht zusammen.“
Rieger: Gefahrenstellen beseitigen
Neben dem Bau von Radwegen rückt jedoch noch etwas anderes in den Fokus: Rieger plädiert, wie er sagt, auch „seit bald 15 Jahren“ für die Sicherung von Gefahrenstellen. Ein Beispiel: die Querung der Landesstraße im Hochwald, die im Kurvenbereich liegt. „Da sehen wir dringenden Handlungsbedarf, der über das Mähen des Bewuchses hinausgeht. Es ist mir nicht verständlich, dass an dieser Stelle nicht die Notwendigkeit gesehen wird, eine sichere Querung für ältere Menschen oder Schulkinder zu schaffen.“
Eine ähnliche Situation beobachtet Rieger an der Kreuzung der Bundesstraße 33 mit der Buchenberger Straße am Peterzeller Ortseingang. „Es ist sehr gefährlich, unter welchen Umständen Radfahrer dort die Straßen queren müssen. Aber ich bin froh, dass sich die zuständige Stelle der Sache angenommen hat.“
Sichere Radwege das A und O
Besonders ärgerlich sind die Mängel in Sachen Radwege im Hinblick auf deren Bedeutung für den Verkehr: „Das E-Bike bringt viel mehr Menschen aufs Rad“, beobachtet Rieger. Zudem steige die Zahl der Pendler, die vom Auto aufs Rad umsteigen möchten. „Aber wir alle wollen sicher über die Straßen kommen und auf sicheren Radwegen und nicht auf der Straße fahren müssen.“
Apropos umsteigen vom Auto: Wie der Radverkehr soll auch der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden, um mehr Menschen in Bus und Bahn zu locken. Doch genau in diesem Bereich sehen die Teilnehmer des Orts-Checks noch viel Aufholbedarf in und um St. Georgen. Der Frust, für den gerade die Schwarzwaldbahn in den vergangenen Monaten und Jahren sorgte, ist nicht unbegründet – das weiß auch Rieger. „Wir hatten bedingt durch Gleiserneuerungsarbeiten oder aufwendigen Hangsicherungen einschneidende Jahre auf der Schwarzwaldbahn, und die Pünktlichkeit ist noch nicht auf dem guten Niveau früherer Jahre“, meint Rieger klar. Doch er kann der Situation auch etwas Positives abgewinnen: „Dass an der Strecke gebaut und investiert wird, werte ich als gutes Zeichen.“
„Ein generelles Bahnproblem“
Nur gehen diese Investitionen eben mit Einschränkungen einher – und der Ärger darüber kommt immer wieder auch auf dem Rathaus an, wo man stets im Austausch mit Ansprechpartnern der Bahn sei, wie Rieger sagt. Die Verantwortlichen der Schwarzwaldbahn seien bemüht, „alles gut hinzubekommen“, schildert der Bürgermeister seinen Eindruck. „Pünktlichkeit und Taktung sind aber mittlerweile leider ein generelles Bahnproblem, das so nicht sein dürfte.“
Doch es gab in den vergangenen Jahren auch Verbesserungen, findet Rieger – gerade im Busverkehr. „Der Nahverkehrsplan, der vom Kreis vor einigen Jahren mit Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern neu erarbeitet wurde, hat zu einer ganz anderen, attraktiveren auch günstigeren Tarifsituation in der gesamten Region geführt und größtenteils auch zu einer Verbesserung von Angeboten“, lautet sein Fazit.
Busangebot muss auch genutzt werden
Rieger mahnt jedoch auch, realistisch zu sein: „Es kann kein Bus bis in jede Ecke der Stadt fahren. Wir tun, was uns möglich ist“, betont er mit Blick auf die „millionenschwere Kreisumlage, die wir jedes Jahr an den Kreis bezahlen“ und die „erheblich auch zur ÖPNV-Finanzierung beiträgt“.
Und vor allen appelliert der Bürgermeister: „Zuerst einmal sollte das bestehende Angebot angenommen werden, damit es nicht ausdünnt wird. Leere Busse kosten viel Geld.“