Die Lehwiese mit ihrem Wohnmobilstellplatz ist bei Einheimischen wie Touristen ein beliebter Rückzugsort – doch hin und wieder sorgt der dort hinterlassene Müll für Ärger. Foto: Wegner

Obwohl Schiltach beim Orts-Check ein hervorragendes Ergebnis erzielt, gibt es auch einige wenige Kategorien, in denen die Stadt eher bescheiden abschneidet. Vor allem Platz 17 bei der Sauberkeit sticht negativ hervor. Hat Schiltach hier wirklich ein Problem?

Viele der Anmerkungen der Teilnehmer des Orts-Checks in Schiltach drehen sich um das Thema Sauberkeit: „Es sollte auf mehr Sauberkeit geachtet werden. Fuß- und Radwege meist zugewachsen“, schreibt einer. Auch ein weiterer Teilnehmer beklagt sich über „das Erscheinungsbild der Stadt“ und nennt Punkte wie die Landschaftspflege entlang der Gehwege, eine unzureichende Befestigung von Bannern, oder zu wenige Mülleimer, die dazu auch noch unregelmäßig entleert würden. Dem schließt sich ein weiterer Kommentar an: „Rad- beziehungsweise Fußgängerwege in der Stadt sind sehr schlecht gepflegt. Dornen wachsen in die Wege – Verletzungsgefahr. Werbeplakate über der Straße hängen maximal fünf Tage, dann reißen sie ab und keiner schaut danach.“ Auch beim Wohnmobilplatz an der Lehwiese liege zu viel Müll, da zu wenige Müllbehälter zur Verfügung stünden und diese nicht geleert würden. „Der Müll wird dann einfach in die Kinzig geschmissen.“

 

Insgesamt erreicht Schiltach bei der Sauberkeit 6,79 von 10 Punkten und landet im Landkreis-Ranking damit nur auf Platz 17 von 21 Gemeinden, die in der Kategorie immerhin auf durchschnittlich 7,24 Punkte kommen. Hat Schiltach hier wirklich ein Problem?

Hoher Krankenstand

Bürgermeister Thomas Haas räumt Defizite ein, führt diese aber in erster Linie auf Personalprobleme zurück: „Wir hatten insbesondere dieses Jahr mit hohen krankheitsbedingten Ausfällen im Bauhof zu kämpfen, dies kann dazu geführt haben, dass die Reinigungsintervalle nicht gewohnt ausgeführt werden konnten.“

Dazu ergänzt Haas: „Es gibt auch die Diskussion im Rat, ob die Menschen nicht auch dazu erzogen werden sollten ihren Müll wieder mitzunehmen.“ So etwa, als der Gemeinderat im Juni die sanierte Schlossberg- und Staigstraße besichtige: Als es darum ging, an der dortigen Aussichtsplattform einen Mülleimer aufzustellen, nannte Michael Buzzi (BuW) dies „die falsche Erziehung“, während sich Inge Wolber-Berthold (SPD) klar dafür aussprach, da der Müll sonst einfach zurückgelassen werde. Letztlich fand sich im Rat eine Mehrheit für einen Mülleimer.

Mangel an Wohnungen

Häufig im Rat Thema und nicht weniger umstritten – zumindest wenn es um die Erschließung des Baugebiets „Vor Leubach“ geht – ist auch der Wohnraum in Schiltach. Schaut man auf die absoluten Zahlen, so schneidet im Städtle die Kategorie Immobilienmarkt mit 5,63 Punkten am schlechtesten ab. Zur Wahrheit gehört aber: Hier sieht es im ganzen Landkreis nicht besonders gut aus, bei einem Durchschnitt von 5,40 Punkten liegt Schiltach sogar leicht darüber.

Doch dass die Situation alles andere als zufriedenstellend ist, gibt auch der Bürgermeister zu: „Die Bereitstellung von Wohnungen ist für mich ein ganz zentraler Punkt für die kommenden Jahre. Zum einen herrscht ein großer Mangel an Wohnungen und zum anderen bietet Schiltach sehr viele Arbeitsplätze. Auch im Sinne der Ökologie sollte ein Teil davon in Schiltach wohnen können.“

„Vor Leubach“ hat Priorität

Ebenso ist es jedoch kein Geheimnis, dass in Schiltach nur ein begrenztes Potenzial für neue Bauflächen besteht. Haas: „Wir haben über Jahre auf Nachverdichtung gesetzt und konnten auch viele Bauplätze mobilisieren. Die topographische Lage in Schiltach ist schwierig, deshalb setzen wir alles daran, dass das Baugebiet ‚Vor Leubach‘ verwirklicht werden kann. Hier setzen wir verstärkt auf den Bau von Mehrfamilienhäusern.“ Nachdem der Gemeinderat im vergangenen Jahr den Bebauungsplan „Vor Leubach“ verabschiedet hatte, formierte sich Protest von Anwohnern, der in einer Petition gipfelte, in der der Stopp des Bebauungsplans gefordert wird. Die Anwohner beklagen den Verlust eines Naherholungsgebiets. Haas will an dem Plan festhalten.