Schenkenzell landet im Orts-Check des Schwarzwälder Boten auf Platz sechs von 21 Gemeinden und ist in vielen Kategorien vorne mit dabei. Stellt dieses Ergebnis Bürgermeister Bernd Heinzelmann zufrieden? Und wo sieht er selbst noch Aufholbedarf?
„Alles, was zum Leben gebraucht wird, ist in dieser Gemeinde vorhanden.“ Was nach einem plumpen Werbespruch eines Marketingbeauftragten klingt, stammt in Wahrheit von einem Teilnehmer des Orts-Checks. Er und viele weitere Einwohner Schenkenzells sind offenbar überaus zufrieden mit ihrer Gemeinde, was sich auch an den Zahlen ablesen lässt: Mit einem Gesamtergebnis von 6,84 Punkten landet Schenkenzell auf Platz sechs und damit im vorderen Drittel der 21 Gemeinden im Landkreis Rottweil, der insgesamt ohnehin gut abgeschnitten hat.
Kein Wunder, dass auch Bürgermeister Bernd Heinzelmann mit dem Ergebnis seiner Gemeinde zufrieden ist: „Natürlich bin ich auf das Gesamtergebnis stolz. Sechster von 21 zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
Bei den einzelnen Kategorien sticht für Heinzelmann der vierte Platz bei der Gesundheitsversorgung (7,57) hervor: „Bei der Gesundheitsvorsorge wurde im Ort schon früh der richtige Weg eingeschlagen und mit dem Erreichen einer 24/7 besetzten Rettungswache in Schiltach wurde hierzu ein weiterer wichtiger erreicht.“ Ab Mai 2025 soll die Rettungswache erstmals rund um die Uhr besetzt sein. Der Bereichsausschuss im Rettungsdienstbereich Rottweil hat im Oktober einstimmig beschlossen, die Rettungswache Schiltach in eine zweijährige Projektphase mit durchgehender Besetzung zu überführen.
Neuer Einschnitt kündigt sich bereits an
Doch ein neuer Einschnitt bei der Gesundheitsversorgung kündigt sich bereits an: Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemburg (KVBW) plant die Schließung von weiteren Notfallpraxen im Land, darunter auch die in Wolfach. Für Schenkenzell wäre die Schließung „gelinde gesagt eine Katastrophe“, betont Heinzelmann, der auch bereits in einer Gemeinderatssitzung scharfe Kritik an den Plänen geübt hatte.
Gut aufgestellt beim ÖPNV – zumindest im Ortskern
Einen noch besseren Platz erreicht Schenkenzell beim ÖPNV (7,08), hier schneidet im Landkreisranking nur Nachbar Schiltach besser ab. „Beim ÖPNV sind wir mit der Anbindung an die Ortenau S-Bahn doch sehr gut versorgt“, meint auch der Bürgermeister.
„Allerdings muss ich hier auch bei der ganzen Wahrheit bleiben und die sieht leider im Ortsteil Kaltbrunn etwas aus“, macht Heinzelmann auf die dortige Situation aufmerksam. Weil die Ergebnisse des Orts-Checks sich auf die Gesamtgemeinde beziehen, können Stärken und Schwächen von Ortsteilen aus der Punktzahl nicht herausgelesen werden. „Dort sind die Busverbindungen schlecht. Zwar gibt es mit dem ASB (Anrufsammelbus, Anm. d. Red) ein weiteres Instrument, aber die allgemeinen Verbindungen außerhalb der Schulbusse sind nicht gut. Dies muss sich bessern“, gibt der Bürgermeister zu. „Insgesamt werden wir das Ergebnis mit in den Gemeinderat nehmen uns uns sicherlich das eine oder andere anschauen und realistisch bewerten.“
Mehr Angebote für Jugendliche gewünscht
Defizite gibt es dem Orts-Check zufolge auch bei Kultur und Freizeit – in dieser Kategorie erreicht Schenkenzell mit 5,60 Punkten ein unterdurchschnittliches Ergebnis, landet lediglich auf Platz 15. Heinzelmann meint dazu, dass es schwierig sei, als kleine Gemeinde ein hochwertiges Angebot zur Verfügung zu stellen. „In Schenkenzell sind dies hauptsächlich Vereine, die für das Angebot sorgen und dafür sind wir eigentlich nicht schlecht aufgestellt. Aus meiner Sicht muss das Angebot insbesondere für unsere Jugend noch verbessert werden.“ Das meint auch ein Teilnehmer des Orts-Checks, der auch gleich Vorschläge anbringt: „Bei uns in Schenkenzell fehlt was für Jugendliche, sonst ist für jeden was geboten... zum Beispiel Bike-Park, Skaterplatz, Jugendraum für Ältere...“
Beim Verkehr – mit 5,17 Punkten und Platz zehn erreicht die Gemeinde hier ein durchschnittliches Ergebnis – sieht der Bürgermeister ebenfalls noch Verbesserungsbedarf: „Nach der innerörtlichen Einrichtung von Tempo 40 im ‚Kurbereich‘ müssten wir schon weitgehende Lärmschutzuntersuchungen veranlassen, um hier noch besser zu werden. Was besonders störend ist, ist der Motorradverkehr an den Sommerwochenenden insbesondere in den Seitentälern, welche durch den Lärm besonders beeinträchtigt sind. Eine Patenlösung gibt es hier aber nicht.“ Diese Wahrnehmung teilt auch ein Teilnehmer des Orts-Checks, der sich „mehr Lärmschutz und Geschwindigkeitsbeschränkungen im Außenbereich“ wünscht.