Auch wenn es um den ÖPNV in einem Ort gut bestellt ist, wie hier in Brigachtal, wo die Bürger damit besonders zufrieden sind, bedeutet das nicht automatisch eine geringere Belastung durch den Verkehr. (Archivbild) Foto: Marc Eich

Das Thema Verkehr gehört eindeutig zu den größten Baustellen im Schwarzwald-Baar-Kreis – zumindest wenn es nach den Teilnehmern bei der großen Leserbefragung im Schwarzwald-Baar-Kreis geht.

Nur eine Kategorie wurde von den Teilnehmern am großen Orts-Check des Schwarzwälder Boten und der Neckarquelle im Schwarzwald-Baar-Kreis und Trossingen noch schlechter bewertet: der Immobilienmarkt.

 

Mit 5,62 von 10,0 möglichen Punkten ist die Bewertung durch die Bürger zwar nicht wirklich unterirdisch, das aber ist keinesfalls einer umfassenden Zufriedenheit mit der Verkehrsbelastung geschuldet als vielmehr dem ohnehin sehr positiven Ergebnis für die Region über alle Kategorien hinweg. 6,53 im Durchschnitt über alle Kategorien und Städte und Gemeinden der Region hinweg, dieses Gesamtergebnis hat Maßstäbe gesetzt.

Die verkehrliche Infrastruktur hingegen hat das offenbar nicht vollbracht.

Wo die Belastung am größten ist

Im Gebiets-Ranking wird der Verkehr in Unterkirnach mit 7,36 Punkten noch am besten bewertet. Ab Position zwölf, an dieser Stelle rangiert Bad Dürrheim mit 5,42 Punkten, liegen die Bewertungen unter dem Durchschnitt von 5,62. Am weitesten abgeschlagen am Ende des Rankings mit 3,81 Punkten liegt Triberg. Hier wird offenbar die Belastung durch den Verkehr am stärksten empfunden

Befragt wurden die Leser folgendermaßen: „ Wie bewerten Sie die Lärmbelästigung durch den Verkehr in Ihrer Stadt/Gemeinde?“ und „Wie hoch ist die Belastung durch den Straßenverkehr in Ihrer Stadt/Gemeinde insgesamt?“.

Im Fall von Triberg geht die Unzufriedenheit in Sachen Verkehrsbelastung auch mit einer hohen Unzufriedenheit mit dem Bereich ÖPNV einher, auch hier rangiert Triberg als Schlusslicht am Ende der Liste mit 4,11 Punkten.

Guter ÖPNV bedeutet nicht weniger Lärm

Dass Gemeinden, die über eine gute ÖPNV-Anbindung verfügen, auch gleichzeitig jene sind, wo Verkehrsbelastung und -lärm als weniger schlimm wahrgenommen werden, geht aus der Befragung jedoch nicht hervor. So klagen in Niedereschach etwa sehr viele Menschen über eine hohe Verkehrsbelastung – mit 4,48 Punkten liegt die Gemeinde an vorletzter Stelle. Mit dem ÖPNV hingegen zeigten sich die Niedereschacher recht zufrieden – Platz fünf war Niedereschach nämlich in dieser Kategorie sicher. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Mönchweiler: Obwohl Mönchweiler mit Platz sechs recht gut wegkommt in Sachen ÖPNV-Anbindung, schafft die Gemeinde es beim Blick auf die Verkehrsbelastung nur an die drittletzte Stelle im Ranking. Selbst in Brigachtal, dem wiederholten Orts-Check-Gewinner über alle Kategorien hinweg, klagen die Bürger wegen des Durchgangsverkehrs über eine hohe Verkehrsbelastung – der viertletzte Platz war Brigachtal in dieser Kategorie bei 4,82 Punkten sicher.

Tatsächlich sind es zwar nicht nur, aber hauptsächlich Orte mit klassischen Durchgangsstraßen als Hauptverkehrsadern, in welchen die Bürger über eine hohe Verkehrsbelastung klagen: die B500 in Triberg, die L423 (Dauchinger Straße) in Niedereschach, die B33 in Mönchweiler oder die Hauptstraße in Brigachtal und wie sie alle heißen.

Durchgangsorte leiden besonders

Besonders oft bemängelt wurde das auch von Umfrageteilnehmern aus Blumberg und seinen Ortsteilen. Ein Bürger von dort drückte das beispielsweise so aus: „Schon oft versucht, doch die Lebenssituation, speziell durch den Verkehrslärm in dreien unserer Gemeinden von Blumberg ändert sich wohl niemals. Wir finden kein Gehör bei den Behörden. Umgehung ist in weiter Ferne, vielleicht sollten die Lokalzeitungen mal wieder mehr darüber berichten, wie es sich tatsächlich in den drei Gemeinden lebt. Tägliche Verkehrsbelastung von hunderten Lkws und zigfach mehr Autos. Mottoradrennen, Lärm wenig Lebensqualität...“

Und jene, die nicht von einer wichtigen Achse durchkreuzt werden, liegen vielfach unmittelbar an einer der Hauptverkehrsachsen der Region – Tuningen etwa mit der B523 oder Villingen-Schwenningen mit der B33.

Im letztgenannten Oberzentrum ist auch der Lückenschluss der B523 nach wie vor ein starkes Thema. „Der Lückenschluss sollte schnellstmöglich gebaut werden. Mit Anbindung Nordstetten“, fordert etwa ein Villingen-Schwenninger.

Poser strapazieren die Nerven

Ist es nach heftigen Ausschreitungen und Großtreffen der Tuning-Szene in Villingen-Schwenningen augenscheinlich zuletzt etwas ruhiger geworden, zeigen gleich mehrere Kommentare jedoch, dass Poser in den Städten, allen voran in Villingen-Schwenningen, die Gemüter noch immer erhitzen.

Ein Umfrageteilnehmer aus Schwenningen schreibt beispielsweise: „Desweiteren wohne ich in einer vielbefahrenen Straße und der Verkehrslärm durch Poser und hochmotorige Autos sind extrem.“ Ein anderer Befragter bemängelt dasselbe und fordert deshalb: „Tempo 30/40 innerorts“. Ein probates Mittel wäre das auch für einen Bürger aus Niedereschach: „In der Sinkingerstraße in Fischbach wäre wegen Lärmschutz Tempo 30 wichtig und angemessen!“

Immer wieder werden in den Zentren der Region Fahrzeuge als störend empfunden. In Bad Dürrheim etwa kritisieren mehrere Befragte in ihren Kommentaren die Situation in der Friedrichstraße scharf. „Ein Konzept für die Friedrichstraße ab Bahnhofstraße bis katholische Kirche fehlt. Schrittgeschwindigkeit für viele Verkehrsteilnehmer nicht bekannt. Fahrradfahrer auf Gehwegen nimmt seit längerem Überhand.“

Thema Radfahrern wird immer größer

Dass Zweiradfahrer als Belastung und Ärgernis wahrgenommen werden, ist jedoch eher die Ausnahme. Ebenso wie Kommentare dieser Art: „Die Straßen sind grundsätzlich zu klein, zu eng. Zuviel Aufwand für eine Handvoll Radfahrer“ .

Das Fahrrad steht offenbar immer höher im Kurs – so viele Wünsche nach Radwegen gab es beim Orts-Check noch nie. Foto: Marc Eich

Stattdessen ist ganz klar ein anderer Trend erkennbar: Viele Bürger wünschen sich vehement, den Verkehr in den Städten und Gemeinden der Region stark auszubremsen, durch Tempolimits, aber auch eine Priorisierung von Radwegeverbindungen, und sie fordern mehr davon.

Der Ruf nach mehr Radwegen, sicheren Verbindungen und Querungsmöglichkeiten für Radfahrer bis hin zu einer Befestigung von bislang mit „losem groben Schotter“ bedeckten Radwegen (Königsfeld) ist unüberhörbar und auffallend dominierend – auch im Vergleich zum zurückliegenden Orts-Check aus dem Jahr 2022, wo der Wunsch nach Radwegen zwar ebenfalls oft geäußert worden ist, jedoch keineswegs so stark im Kontext zu einem gewünschten Ausbremsen des stark motorisierten Verkehrs gestanden hat.