Gleichauf mit der Großen Kreisstadt Calw – für Enzklösterle hätte es im Orts-Check schlimmer kommen können. Da gibt es Spitzenplätze – schlecht sieht es bei Gesundheitsversorgung und Einzelhandel aus.
Die kleinste und die größte Kommune des Landkreises gemeinsam auf einem Platz – das dürfte eine der Besonderheiten des Schwabo-Orts-Checks sein. Gemeinsam nämlich teilen sich Enzklösterle mit seinen rund 1400 Einwohnern und die Große Kreisstadt Calw gemeinsam den zwölften Platz im Vergleich der 22 Kreiskommunen. Dabei dürfte Calw mit dieser Platzierung weitaus weniger zufrieden sein als die kleine Gemeinde im Oberen Enztal. 5,76 Punkte erhielt Enzklösterle – der kreisweite Durchschnitt liegt bei 6,08 von zehn möglichen Punkten.
14 Kategorien wurden bei der großen Online-Umfrage abgefragt und ausgewertet. In neun dieser Kategorien schneidet Enzklösterle im kreisweiten Vergleich überdurchschnittlich ab. Allerdings gibt es auch einige Ausreißer – sowohl nach oben als auch nach unten.
Einmal auf dem letzten Platz
Gesundheit Einmal nimmt die Enztalgemeinde im kreisweiten Ranking sogar den letzten Platz ein: In der Kategorie Gesundheit landet Enzklösterle auf Platz 24 – mit 2,43 Punkten (der kreisweite Durchschnitt liegt bei 5,49 Punkten; Spitzenreiter ist Egenhausen mit 7,9 Punkten).
Für Bürgermeisterin Sabine Zenker ist das allerdings keine allzu große Überraschung. Seit vielen Jahren gibt es keinen Arzt mehr im Dorf, die Wege zur nächsten Praxis sind weit. Zudem hat die Apotheke geschlossen; immerhin gibt es noch eine Rezeptsammelstelle am Ort. „Bei 1400 Einwohnern wird es schwierig mit einer Hausarztpraxis“, so die Bürgermeisterin. Auch deshalb plante bereits ihr Amtsvorgänger die Beteiligung am Telemedizin-Projekt Ambigoal. Bereits Anfang des Jahres wurden auch die Geräte geliefert, der Sitzungssaal im Rathaus entsprechend umgebaut. Auch Krankenschwestern und Ärzte sind mittlerweile gefunden. Doch warum läuft das Projekt dann immer noch nicht? Es hänge an einem gemeinsamen Termin der Schwestern mit den Ärzten, um die Organisation durchzusprechen, berichtet Zenker. Das sei über den Sommer unmöglich gewesen, aber nun gebe es einen neuen Anlauf, diesen Termin endlich zu finden. Und wann geht’s nun los? „Ich gebe keine Prognose mehr ab“, sagt Zenker mit etwas Galgenhumor. Trotzdem ist sie zuversichtlich, dass es bald so weit ist. Und für die Zukunft ist ihr Traum, einen barrierefreien Raum in der neuen Dorfmitte einzurichten und dort das telemedizinische Angebot nach und nach auszuweiten.
Seniorenheim fehlt
Senioren Auf dem vorletzten Platz liegt Enzklösterle in der Kategorie Senioren: mit 4,0 Punkten (Kreisdurchschnitt 5,88; Spitzenreiter Egenhausen mit 7,47 Punkten). „Das wundert mich schon“, sagt Zenker und zählt auf, was für die älteren Menschen alles geboten wird: Seniorencafé und -ausfahrt, Angebote des Seniorenrats Oberes Enztal oder die Seniorenfeier kurz vor Weihnachten. Weniger gut sieht es dagegen im Bereich Pflege aus. So gibt es zwar den Verein Helfende Hände – ein Seniorenheim sucht man aber vergebens, ebenso wie eine Tagespflege oder betreutes Wohnen.
Zwar habe man sich, so erzählt Zenker, im Gemeinderat bereits Gedanken über ein solches Angebot gemacht, „aber das kann die Gemeinde nicht als Investor stemmen“. Bedarf und genügend Interessenten dafür sieht sie im Ort durchaus vorhanden – auch langjährige Touristen würden immer mal wieder anfragen.
Und ein solches Angebot könnte weiteres nach sich ziehen – wieder eine Apotheke oder gar eine Physiotherapiepraxis.
Einzelhandel Ebenfalls erwartbar war der drittletzte Platz beim Thema Einkaufen (2,55 Punkte; Kreis: 6,11; top: Schömberg mit 8,25 Punkten). Allein schon wegen des Regionalplans werde es in Enzklösterle nie einen Discounter oder Supermarkt geben, so Zenker. Die Schließung des Landkauf-Marktes dürfte aber sicherlich auch zu der schlechten Bewertung beigetragen haben – ansonsten gebe es die Grundnahrungsmittel bei Bäcker, Metzger oder Getränkehandel, auch zwei Bankfilialen sind noch am Ort präsent.
Drei Interessenten
Immerhin gebe es für den Landkauf drei Interessenten, die Nachfolge anzutreten. Die „müssen sich jetzt mit dem Eigentümer einigen“, hofft die Bürgermeisterin, dass die Einkaufsmöglichkeit bald wieder zur Verfügung steht und lange Wege so gespart werden können.
ÖPNV Aber Enzklösterle belegt auch zwei Spitzenplätze. Einen davon im Bereich Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). 6,93 Punkte staubt Enzklösterle hier ab. Das bedeutet den zweiten Platz im Kreisvergleich (Durchschnitt 5,21 Punkte). Nur Höfen liegt hier mit 7,57 Punkten noch weiter vorne.
Stundentakt überzeugt
„Der Stundentakt kann sich sehen lassen“, ist Zenker überzeugt, dass die guten Bewertungen von den stündlich verkehrenden X-Linien stammen – die X78 von Bad Wildbad nach Freudenstadt und die X63 von Bad Herrenalb über Bad Wildbad nach Calw. Es sei „teilweise so, dass sich die Busse die Klinke in die Hand geben“.Nur die Anbindung an den Kaltenbronn „fehlt noch a bissle“.
Gastronomie Auch die Gastronomie der Enztalgemeinde belegt im Kreisranking einen Spitzenplatz. 6,82 Punkte bedeuten Platz zwei, direkt hinter Nagold mit 7,69 Punkten. Kreisweit liegt der Schnitt bei 5,63.
Dieser Bewertung kann sich Zenker voll anschließen. Es gebe ein sehr gutes Angebot „von Anzahl und Qualität. Wir können uns nicht beklagen.“ Dabei sei das Preis-/Leistungsverhältnis „wirklich gut“ und die Gastronomen punkten mit regionalen Bezügen und saisonalen Gerichten.
„Das freut mich auch, das werde ich den Gastronomen gerne ausrichten“, sagt sie. Aber sie fügt auch an, dass man sich in den nächsten Jahren wegen Nachfolgeregelungen Gedanken machen müsse.