Beim Orts-Check des Schwarzwälder Boten verteilten die Bürger in den meisten Kategorien nicht gerade Bestnoten für Alpirsbach. Handlungsbedarf sieht auch Alpirsbachs Bürgermeister Michael Pfaff. Wäre da nur nicht das liebe Geld.
Im Nachgang der Online-Umfrage Orts-Check des Schwarzwälder Boten erläuterte Bürgermeister Michael Pfaff im Gespräch mit unserer Redaktion, woher seiner Meinung nach die Unzufriedenheit der Bürger seiner Kommune rührt. In Alpirsbach sei man „sehr sprunghaft“. Manche Themen würden seit Jahren bearbeitet. „Es fließen immer neue Meinungen ein, Themen werden unverhältnismäßig aufgebauscht, andere fallen hinten runter“, gewährt er einen Einblick in seinen Arbeitsalltag.
„Es gibt viele Wünsche und man weiß nicht, wo man anfangen soll“, sagt er. Doch es fehle das Geld, um alle Wünsche zu erfüllen. „Das Feuerwehrhaus, die Kläranlage und das Gewerbegebiet: Diese drei Projekte haben aktuell Priorität.“ Und er ergänzt, dass das neue Feuerwehrhaus bereits seinen Vorgänger beschäftigt habe. Inzwischen seien die geschätzten Kosten dafür von rund 4,2 Millionen Euro auf 5,5 Millionen Euro gestiegen. Geld, das für andere Projekte fehle.
ÖPNV
Verbesserungswürdig scheint das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs in Alpirsbach zu sein. Zumindest geht das aus den Umfrageergebnissen hervor. Alpirsbach ergattert mit 4,65 Punkten den elften Platz im Kreis Freudenstadt. „Die ÖPNV-Verbindung nach 22 Uhr von Freudenstadt nach Alpirsbach ist schlecht“, äußert sich ein Umfrageteilnehmer. „Die Ortsteile sind stark vernachlässigt – besonders im Nahverkehr. Nicht nur für Senioren, auch für Jüngere. Ohne Auto geht gar nichts“, findet ein Bürger.
„Natürlich kann es bei uns im ländlichen Raum nicht so sein wie in einer Großstadt“, kontert der Bürgermeister. In den Ortsteilen seien Berufs- und Schülerverkehr gut abgedeckt. Beim Freizeitverkehr sieht selbst Pfaff Luft nach oben, doch „das ist ein Problem des gesamten ländlichen Raums“. Zudem, so Pfaff, fahren große Busse oftmals fast leer. Eine bessere Alternative sieht er in den Ruftaxis, die ausgebaut werden sollen. Dies sei kürzlich im Kreistag beschlossen worden.
Und wenn es kein ausreichendes ÖPNV-Angebot gibt, dann steigen die Bewohner auf andere Transportmittel um. Doch auch hier scheint es Frust in der Bevölkerung zu geben. Ein Teilnehmer schreibt: „Mehr Radwege bauen.“
Senioren
Auch für Senioren scheint das Leben in Alpirsbach nicht allzu rosig zu sein – zumindest laut Umfrage-Teilnehmern: Mit 5,17 Punkten landet die Stadt in der Gesamtwertung auf Platz 14. Nur Horb und Bad Rippoldsau-Schapbach schneiden hier schlechter ab.
Ein Teilnehmer lässt seinem Frust freien Lauf: „Wir leben seit 45 Jahren in Peterzell und haben keinen Sparkasse-Bankautomaten, keinen Einkaufsladen, keine Fahrradwege trotz Straßenneubauten, keinen Bäcker, keinen Metzger, überhaupt nichts. Ohne Auto wäre eine Versorgung ausgeschlossen.“
Immobilienmarkt
Das Angebot und der Preis für Immobilien in Alpirsbach wird von den Umfrageteilnehmern mit 4,79 Punkten bewertet. Die Klosterstadt landet somit auf Platz 13 im Kreis.
Bürgermeister Pfaff erklärt: „Die Leute beanspruchen mittlerweile mehr Platz für sich. Viele vermieten ihren Wohnraum nicht mehr.“ Auch für Geflüchtete sucht die Verwaltung, wie dies viele Kommunen in diesen Zeiten tun, Wohnraum über ihre Homepage. 40 Plätze für Geflüchtete waren durch den Brand in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Gasthof Waldhorn 2022 weggebrochen.
Ein Bürger wünscht sich im Freifeld der Umfrage: „Flüchtlinge sollten mehr ins Stadtleben eingebunden werden.“ Doch Pfaff ist zufrieden mit der Integration: „Viele sind schon in eigenen Wohnungen untergebracht. In Alpirsbach gibt es keine Ghettoisierung.“
Kultur und Freizeit
Den zehnten Platz im Kreis Freudenstadt holt sich Alpirsbach im Themenkomplex „Kultur und Freizeit“ mit 5,02 Punkten. „Wir benötigen in Alpirsbach dringend mehr Veranstaltungen im Haus des Gastes“, findet ein Bürger.
Und dann gibt es sie doch noch: Die Stimmen, die zufrieden sind und das auch kundtun. „Ich finde, es wird überall genug angeboten, man muss eben nur hingehen“, heißt es da im Freifeld. Ein paar Beispiele aus jüngster Zeit: Der Pfingstmontagsmarkt, das Gässlefest, die angelaufenen Kreuzgangkonzerte.
Grundlage für Entwicklung
Die Impulse und Meinungen der Schwarzwälder Bote-Leser können als Grundlage für eine positive, kommunale Stadtentwicklung verwendet werden. Und genau das hat Pfaff auch vor. Doch er weiß: „Als Bürgermeister muss man auch Resilienz haben. Man kann es nicht allen recht machen.“