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Ortenaukreis Streift bald Wolfs-Rudel durch Kreis?

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Noch wandert er alleine: der Kinzigtäler Grauwolf bekommt womöglich bald Gesellschaft. Unser Symbolbild zeigt einen Artgenossen des Schwarzwälder Wolfs. Foto: Symbolfoto: Stratenschulte

Kinzigtal - Für die Artenschutzreferentin Felicitas Rechtenwald vom Naturschutzbund (Nabu) Deutschland ist die Rückkehr des Wolfes eine Erfolgsgeschichte, zumindest mit Blick auf das weltweite Artensterben. Sie bedauere jedoch, dass die Diskussion um das Wildtier oft sehr emotional geführt werde, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Frau Rechtenwald, der Wolf taucht jetzt schon in der Ortenau auf. Wie finden sie das als Naturschützer?

Mich als Naturschützerin freut es persönlich, dass der Wolf nach Baden-Württemberg zurückgekehrt ist. Im Vergleich zum weltweiten Artensterben ist und bleibt das eine Erfolgsgeschichte.

Gibt es in dem Zusammenhang viele Anfragen an den Nabu? Wenn ja, was interessiert die Menschen?

Ja, schon. Wobei das vor ein, zwei Jahren noch viel häufiger war. Es scheint, als ob sich die Menschen schon langsam daran gewöhnen, dass auch bei uns der Wolf wieder heimisch ist. Besorgt zeigen sich natürlich die Weidetierhalter, die in der Nähe von Wolfssichtungen oder -rissen leben. Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen. Deshalb ist es wichtig, dass die Weidetierhalter die Unterstützung der Gesellschaft bekommen, um sich auf die neue Situation einstellen zu können.

Läuft die Diskussion um den Wolf im Land eher sachlich oder emotional?

Leider verläuft die Diskussion sehr emotional. Für sachliche Argumente ist die Stimmung oft zu aufgeladen und es fehlt bei vielen Menschen leider auch das Wissen über Wölfe – wie sie tatsächlich sind, nicht in Märchen und Filmen. Die Berichterstattung ist häufig von negativen Schlagzeilen und Beispielen geprägt. Über das, was eigentlich gut funktioniert, wird leider nur sehr selten berichtet. Dies liegt zum einen an der jahrhundertelangen Angst vor dem Wolf als böse Märchenfigur, aber auch an gezielter Falschinformationen, die im Netz von Wolfgegnern verbreitet werden. Als Nabu versuchen wir stets sachlich zu bleiben und beide Seiten zu sehen, also den Artenschutz und die Weidetierhaltung.

Was sagen Sie den besorgten Viehhaltern?

Schafe und Ziegen können in der Regel recht gut geschützt werden. Innerhalb der sogenannten "Förderkulisse Wolf" werden diese Schutzmaßnahmen vom Land bezuschusst. Die Maßnahmen sind aber mit einem Mehraufwand an Arbeit verbunden, und nicht auf jedem Betrieb sind sie gut in die Praxis umzusetzen. Das ist auch uns beim Nabu klar. Deswegen engagieren sich Landeschafzuchtverband und Nabu in einem gemeinsamen Herdenschutzprojekt, bei dem wir geeignete Schutzmaßnahmen zum Beispiel für Steillagen oder extrem steiniges Gelände entwickeln. Wir haben noch nicht alle Problem gelöst, aber ich meine, dass wir auf einem guten Weg sind.

Können sich Wolf und Mensch bei uns langfristig einen Lebensraum teilen?

Meiner Meinung nach schon. Beide müssen lernen, mit dem jeweils anderen zu leben. Der Wolf muss mit der Gefahr des Straßenverkehrs leben, der Mensch muss sich daran gewöhnen, seine Weidetiere wieder ausreichend zu schützen und das Wild im Wald mit dem Wolf zu teilen. Ich denke, das ist ein Gewöhnungsprozess, der noch einige Jahre dauern wird. Schauen wir uns aber andere Bundesländer an, in denen es seit Jahren Wölfe gibt – zum Beispiel Sachsen – dann können wir sehen, dass sich die Situation dort zunehmend entkrampft. Ganz ohne Konflikte ist das Zusammenleben mit Wölfen aber wohl nie, denn leider fressen Wölfen kein Gras.

Welche einheimischen Tiere sind gefährdet? Was sagen die Jäger?

Eine Gefährdung einheimischer Tiere geht vom Wolf nicht aus. Er war ja bis vor gut 180 Jahren Bestandteil unserer Natur. Rehe, Hirsche und Wildschweine haben sich über Jahrtausende zusammen mit dem Wolf entwickelt. Die heimischen Wildtiere sind also bestens an das Leben mit dem Wolf angepasst. Generell jagt der Wolf ja die Beute, die er am einfachsten erwischen kann. Dies sind unerfahrene, junge und kranke Tiere. Ich kenne viele Jäger, die sich über die Rückkehr des Wolfes zu uns freuen. Es gibt aber auch Jäger, die im Wolf einen Konkurrenten um das gehegte Wild sehen. Was die Konkurrenz betrifft: Im Vergleich zu den Jagdstrecken der Jäger reißt der Wolf jährlich so wenig Wild, dass genug für beide Parteien übrig bleiben sollte.

Warum kommen nur einzelne Tiere in den Kreis?

Wölfe wandern in einem Alter von etwa 12 bis 24 Monaten aus ihren elterlichen Territorien ab auf der Suche nach einem eigenen Territorium. Dieses ist in Mitteleuropa in der Regel je nach Nahrungsangebot 150 bis 350 Quadratkilometer groß. Wölfe durchwandern dabei weite Teile Deutschlands und legen bis zu 70 Kilometer am Tag zurück. Hat sich ein Wolf ein Gebiet ausgesucht, in dem er bleiben möchte, wartet er dort ab, bis sich ein zweiter Wolf einfindet. Dann kommt es zur Rudelbildung und früher oder später auch zum Nachwuchs. Wie lange das im Schwarzwald dauert, kann niemand vorhersagen. Ich glaube aber, dass es nicht lange dauert.

Wie stehen Sie zum Plan der Umweltministerin Svenja Schulze, den Abschuss von Wölfen zu erleichtern?

Sie hat eine rechtliche Klärung vor, um die Genehmigung für einen Wolfsabschusses im Einzelfall auf juristisch sicherere Beine zu stellen. Darf ein Wolf, der Problem macht, nur dann geschossen werden, wenn er einen "erheblichen Schaden" anrichtet, oder bereits wenn es zu einem "ernsthaften Schaden" kommt? Sie sehen, das ist viel Juristerei. Am Ende muss es darum gehen, dass es pragmatische Lösungen gibt, die sowohl dem Schutz des Wolfes als auch den berechtigten Interessen der Weidetierhalterinnen und -halter gerecht wird. Wichtiger als diese Wortklauberei ist aus meiner Sicht daher, dass wir gemeinsam nach den besten Lösungen suchen.

Was ist Ihre Wunschvorstellung für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass wir wieder lernen, ein Stück Natur bei uns zuzulassen und dem Wolf eine Chance geben. Mensch, Wolf und Weidetierhaltung – das müssen für mich keine Gegensätze sein. Unsere Weidetierhalterinnen und -halter leisten einen wichtigen Beitrag zur Pflege unserer Kulturlandschaft. Sie brauchen die Unterstützung von Politik und Gesellschaft, und zwar nicht erst seit der Wolf zurück ist. Ich wünsche mir weniger Aufregung und mehr Sacharbeit, dann können wir die offenen Fragen am besten lösen.

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