Tiefengeothermie in Neuried – seit Jahren ein heiß diskutiertes Thema verschiedener Interessensgruppen. (Archivfoto) Foto: Armbruster

Regierungspräsidium betont Bedeutung der Erdwärme. Kritik an Firma Daldrup und Söhne.

Das Land hält an der Geothermie fest, so der Tenor eines Pressegesprächs des Regierungspräsidiums. Angesichts der Beben im Elsass, wolle man in Südbaden aber vieles besser machen, lautet das Versprechen. Klare Worte gab es derweil für "Daldrup".

Ortenau - "Ich verstehe die Sorge der Leute. Es gefällt mir gar nicht, was in Vendenheim passiert ist", erklärt Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer beim digitalen Jahrespressegespräch ihrer Behörde. Den Kurs bei der Geothermie wolle das Land aber beibehalten. Der Anteil der erneuerbaren Energieträger müsse steigen. Es sei sträflich die Geothermie außen vor zu lassen.

Anders als im Elsass

Eine Stellungnahme, die manchen Ortenauer wohl aufhorchen lässt. Erst am Freitag hatte im Umfeld der Bohrstelle nördlich von Straßburg die Erde gebebt. In den vergangenen Wochen war es immer wieder zu Beben gekommen. Weil die Erschütterungen in einen Zusammenhang mit einem Tiefengeothermie-Projekt bei Vendenheim gebracht wurden, hatte die Präfektur die Anlagen dort stillgelegt.

Trotz dieser Erfahrung Kurs halten also? Ja­. Was aber im Elsass passiert sei und was auf deutscher Seite möglich wäre, seien zwei paar Stiefel, betont die Regierungspräsidentin. "Wir gehen ganz anders ran. Wir genehmigen da auch ganz anders", verspricht sie. Einige der Unterschiede erklärte Jörg-Detlef Eckhardt vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau. Es ist für Geothermie-Projekte in ganz Baden-Württemberg zuständig. Zunächst werde man auf deutscher Seite am Oberrheingraben nie so tief bohren, erklärt der Experte. Im Elsass habe man bis ins sogenannte Grundgebirge gebohrt. Unter anderem locken dort höhere Temperaturen, die einen effizienteren Betrieb der Anlage möglich machen. "Unsere Geothermie-Projekte bleiben in den darüberliegenden Schichten", versichert Eckhardt.

Zudem werde es auf deutscher Seite ein Ampel-System geben: Dieses regele genau, wann die Behörde einschreitet oder wann Betreiber zum Stopp verpflichtet sind. Auch unterstütze das Landesforschungszentrum Geothermie im Karlsruhe als Gutachter die Projekte.

Große Transparenz sei wichtig

Wichtig sei auch die Abstimmung mit den Betreibern, da brauche es eine große Transparenz, betont Eckardt. Das klappe mit den meisten sehr gut. Betreiber würden sich auch bemühen Kommunen und Bürger frühzeitig mit an Bord zu nehmen. Dabei gab es in der Ortenau eine klare Ausnahme: "Die Kommunikation, wie sie Daldrup gemacht hat, geht gar nicht", betonte Schäfer auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Aktiengesellschaft Daldrup und Söhne wurde für den Standort Neuried eine "Aufsuchungserlaubnis" bis September gewährt. Das bedeute, dass ihnen kein anderes Unternehmen in der theoretischen Vorarbeit den Standort "wegschnappen" könne, erklärte Eckhardt.

Seit Jahren hieß es von der Firma, das Erdwärme-Projekt würde ruhen, man würde aber bald Kommune und Bürger informieren. "Die Situation bleibt nicht mehr lange offen", versprach Schäfer. "Die Menschen in Neuried werden im nächsten halben Jahr von uns hören." Eine Verlängerung der Erlaubnis für Daldrup und Söhne ist damit wohl ausgeschlossen.

Was die Situation in Vendeheim angeht, zeigte sich Eckhardt zuversichtlich. Der Druck im unterirdischen Reservoir baue sich dort langsam ab. Er nehme daher an, dass die Erde wieder zur Ruhe kommen werde.

Der CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Kehl, Willi Stächele, fordert angesichts des erneuten Bebens im Raum Straßburg/Kehl eine Sondersitzung des Eurodistriktrats. "Der Rat des Eurodistrikts darf keine Schönwetterveranstaltung sein, sondern muss zeitnah die Probleme der Bürgerinnen und Bürger aufgreifen", erklärte Stächele. Nur in diesem grenzüberschreitenden Gremium könnten die politisch Verantwortlichen aus dem Elsass und aus Baden jetzt der Frage nachgehen, wie es zu den Erschütterungen kommen konnte. Parallel dazu werde er noch einmal bei Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) vorstellig.