Stefan Feld erfindet seit rund 30 Jahren Brettspiele. Die meisten seiner knapp 40 Werke sind sehr komplex und brauchen viele Jahre, bis sie es ins Regal schaffen. Im Gespräch gibt der Gengenbacher Schuldirektor einen Einblick in die Arbeit als Spieleautor.
Farbige Plättchen, mehrere Würfel, unterschiedliche Figuren und ein Regelheft dicker als das andere: Die Gesellschaftsspiele, auf denen der Autorenname Stefan Feld steht, haben es wortwörtlich in sich. Seit rund 30 Jahren entwickelt der Direktor des Gengenbacher Marta-Schanzenbach-Gymnasiums sogenannte Kenner- oder Expertenbrettspiele. E inen Namen in der Szene hat sich der 54-Jährige im Jahr 2011 mit seinem bisher erfolgreichsten Spiel „Die Burgen von Burgund“ gemacht. Rund 250 000 Mal ging es weltweit über den Ladentisch.
„Angefangen hat alles im Jahr 1998“, erinnert sich Feld im Gespräch mit unserer Redaktion. Damals habe er bei einem Wettbewerb einer Spielezeitschrift teilgenommen und ein Konzept für ein Brettspiel eingereicht. „Ich habe den zweiten Platz erhalten und einen Fuß in die Szene gesetzt“, erklärt Feld. Von da an sei er von Messe zu Messe gefahren, um seine Prototypen bei Verlagen vorzustellen – und das mit Erfolg.
Mit „Revolte in Rom“ erschien 2005 das erste Gesellschaftsspiel aus der Feder des heutigen Direktors. „Das war ein Glücksfall, weil zu der Zeit nicht viele Neuerscheinungen auf den Markt kamen.“ Zum Vergleich: Während heutzutage laut Feld rund 1400 Spiele pro Jahr erscheinen, waren es damals nur 300.
Die Regeln seines neusten Spiels sind 44 Seiten lang
Heute – also 20 Jahre nach seinem Debüt – zählt sein Katalog rund 40 Spiele. Die meisten davon sind komplex. Bevor man die Würfel also rollen lässt, sollte man lieber einen Blick in das Handbuch werfen. So auch bei seinem bisher neusten Werk, dessen Regeln auf insgesamt 44 Seiten niedergeschrieben sind. Um derart vielseitige Spiele zu entwerfen, braucht es neben Kreativität vor allem eines: Zeit. Ganze sieben Jahre dauerte es laut Feld, bis sein jüngstes Spiel in die Regale kam.
„Es geschieht ganz viel im Kopf. Allein ein halbes Jahr verbringe ich mit Nachdenken“, beschreibt er den Entstehungsprozess. Dabei komme es immer wieder vor, dass er beim Entwickeln der Regeln in gedankliche Sackgassen gerät. „Dann kann es helfen, das Projekt in einer Schublade verschwinden zu lassen, um sich irgendwann neu dranzusetzen. Das kann total wertvoll sein“, weiß der Spieleautor. Ein Beispiel dafür sei das Spiel „Civolution“. Erschienen ist es im vergangenen Jahr, die ersten Ansätze seien bereits 2012 entstanden.
Pro verkauften Spiel bleibt „nur“ ein Euro beim Autor hängen
Dass er sich durch seine Arbeit als Schuldirektor nur Wochenends oder in den Ferien seiner Nebentätigkeit widmen kann, tue seiner Leidenschaft keinen Abbruch. „Mein Beruf fordert mich sehr. Das Entwickeln von Spielen ist ein super Ausgleich“, macht Feld deutlich, wie wichtig ihm sein Hobby ist.
Und könnte er auch von seinen Einnahmen als Spieleautor leben? „Es gibt Menschen, die das hauptberuflich machen“, weiß der 54-Jährige. Mit seinen komplexen Expertenspielen sei das jedoch schwer. Traurig darüber ist Feld allerdings nicht – im Gegenteil. „Ich muss kein Geld reinbringen. Wenn ich es müsste, wäre ich gezwungen, Spiele zu entwickeln, die ich nicht so mag.“
Zumal bei den Autoren selbst im Durchschnitt nur ein Euro pro verkauftem Spiel hängen bleibe – „brutto“, betont Feld. Dass sein Erfolgsspiel „Die Burgen von Burgund“ zu seinem persönlichen Kassenschlager wurde, habe ihn natürlich gefreut. Allerdings sei das Geld für den Autor nur ein süßer Beigeschmack.
Für ihn gehörten Brettspiele zur menschlichen Kultur
Vielmehr freue es ihn, dazu beitragen zu können, dass Brettspiele in der Gesellschaft relevanter werden. „Das Spiel als solches ist so alt wie die Menschheit selbst und gehört wie Musik und Theater zu den Kulturgütern. Gerade in dieser digitalen und schnelllebigen Zeit ist es wichtig, zusammenzukommen und Gemeinschaft zu erleben“, ist sich Feld sicher.
„Sich an einen Tisch setzen, sich in Regeln einarbeiten, mit anderen Menschen interagieren und Emotionen erleben. Auch die Frustrationstoleranz von Kindern wird dadurch gefördert“, weiß der hauptberufliche Pädagoge und betont: „Ich habe überhaupt nichts gegen Videospiele. Aber bei Brettspielen kommt das Haptische hinzu. Würfel werfen, Karten legen – all das sind wertvolle Elemente.“
Auszeichnung in Amerika
Das Spiel „Die Burgen von Burgund“ kommt seit 2011 nicht nur in Deutschland gut an, auch in der USA sind viele davon begeistert. Das bestätigt das amerikanische Brettspiel-Forum „Board-Game-Geek“, das Stefan Felds Werk in die sogenannte „Hall of Fame“ aufgenommen hat. Das bedeutet: Laut der Internetseite zählt das Spiel zu den 25 wichtigsten modernen Klassikern.