Ein Mitarbeiter der Molkerei Schwarzwaldmilch kontrolliert eine Flasche. Darin ist ab jetzt nur noch wenig Milch aus dem Ortenaukreis enthalten. Foto: Rothermel

Firma Schwarzwaldmilch wird von 100 Ortenauer Erzeugern nicht mehr beliefert. Produkt wird zu Pulver.

Ortenau - Nach 80 Jahren ist jetzt Schluss: Rund 100 Bauern der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Ortenau liefern seit 1. Januar ihre Ware nicht mehr an die Schwarzwaldmilch, sondern verkaufen sie an die Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft. 35 Weitere werden zum 1. Januar 2015 folgen. Damit scheint ein lange schwelender Konflikt zwischen den Milchbauern und der Molkerei beendet."Wir wollten einen Sammelvertrag, einen Vertrag für alle Milcherzeuger, damit man für die Zukunft eine Verhandlungsposition hätte", beschreibt Elfriede Ramsteiner, Aufsichtsratsvorsitzende der MEG, den Beginn der Unstimmigkeiten. "Das war ein Punkt, der von der Schwarzwaldmilch rigoros abgelehnt wurde, mit dem Argument, wir sind Eigentümer der Molkerei, können deshalb keine Forderungen stellen sondern müssen das nehmen, was unterm Strich übrig bleibt."

Hintergrund: Die Schwarzwaldmilch GmbH Freiburg und Offenburg ist ein Unternehmen, das in einer genossenschaftlichen Trägerschaft ist. Es hat zwei Standorte: Freiburg und Offenburg. In Freiburg wird Milch zu dem verarbeitet, was der Verbraucher im Kühlregal des Supermarkts kaufen kann. In Offenburg entstehen alle möglichen Sorten von Pulver. Es gibt zwei Gesellschafter der Schwarzwaldmilch: die MEG hält 20 Prozent der Molkerei, die Milcherzeugervereinigung Breisgau-Südschwarzwald (MEV) hält 80 Prozent.

Forderung: Mehr Eigenverantwortung bei der Vermarktung

"Wir wollten mehr Eigenverantwortung mit der Vermarktung, was wir nur aufgrund einer Satzungsänderung der MEG Ortenau im Jahre 2008 erreichen konnten, und haben uns über die Bayern MEG (das ist eine Dachorganisation von Milcherzeugergemeinschaften und Liefergenossenschaften) organisiert", beschreibt Ramsteiner das Vorgehen. "Die Bayern MEG koordiniert die Milchverkäufe, berät und begleitet allerdings nur – sie schließt keine Verträge ab." Im Zuge dieser Verhandlungen sei dann die Entscheidung gefallen, die Milch an die Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft (BMG) zu verkaufen.

Für die Schwarzwaldmilch bedeutet diese Entscheidung einen Verlust von zehn Prozent der Gesamtmilchmenge der Molkerei. "Für uns ist jeder Landwirt wertvoll", betont Andreas Schneider, Geschäftsführer der Schwarzwaldmilch. "Die Verluste, die wir durch den Wechsel der MEG-Ortenau-Bauern haben, können wir voll kompensieren."

Wer jetzt mit einem vor Wut schäumenden Molkerei-Chef gerechnet hat, irrt. Böse Worte über die abtrünnigen Milchbauern gibt es aus Freiburg nicht. Sachlich erklärt Schneider, selbst erst seit 1. Oktober vergangenen Jahres bei der Schwarzwaldmilch, dass der Wechsel der Milchbauern aus seiner Sicht ein "logisches Ergebnis längerer Jahre" sei. "Die Höfe im Ortenaukreis haben verschiedene Reliefausbildungen", sagt Schneider. "Die Produktionsbedingungen sind wesentlich ambitionierter und ungleich höher als etwa in Norddeutschland."

Über den genauen Betrag schweigen sich alle Parteien aus

Viele Milchbauern seien, wohl aufgrund des hohen Arbeitsaufwands, mit den "sehr wettbewerbsfähigen Milchpreisen" der Schwarzwaldmilch unzufrieden, obwohl "diese über dem Durchschnitt Baden-Württembergs und Deutschlands liegen". Seine Aufgabe sei es, dauerhaft die Unternehmensbereiche wettbewerbsfähig zu halten und dabei gleichzeitig sicherzustellen, dass die Milchbauern gut bezahlt würden. "Ich arbeite im Interesse der Eigentümer und des Unternehmens Schwarzwaldmilch. Es liegt mir fern, Genossenschaftsmitglieder schlecht zu machen", erklärt Schneider.

Wenn das Produkt der Ortenauer Milchbauern nicht mehr nach Freiburg oder Offenburg geht, was passiert dann damit? Was steckt hinter der BMG? "Ja, wir wissen wohin die Milch geht, aber ich denke, dass das nicht relevant ist", so Ramsteiner. "Wichtig für uns ist das, was unter dem Strich auf unsere Höfe in Euro zurückkommt."

Dieser Betrag hat wohl aus Sicht der Milchbauern bei der Schwarzwaldmilch nicht gestimmt. "Der Preis wird für jeden Monat dokumentiert", erklärt Schneider die Berechnung. "Die Bauern bekommen dann einen Grundpreis pro Liter und entsprechende Zuschläge."

Wie viel genau das dann sein kann, verrät der Geschäftsführer der Schwarzwaldmilch nicht. Auch sein Kollege aus Berlin, Peter Gerber, Geschäftsführer der BMG, antwortet auf die Frage nach dem Gehalt der Milchbauern nur, dass die BMG einen "überdurchschnittlichen Milchpreise" bezahlt. Ramsteiner findet gar, dass die vertraglich festgehaltenen Milchauszahlungspreise und der jährliche Zuschlag "sicherlich kein Thema für die Presse" ist. Um wie viel Geld es geht, steht also nicht fest.

Stefan Lehmann, Kreisteamleiter des Bundesverbands Deutscher Milchviehalter und selbst einer der Milchbauern, die jetzt an die BMG verkaufen, gibt einen kleinen Einblick in die Preisgestaltung: "Die vier oder fünf großen Supermarktkonzerne diktieren den Molkereien die Preise." Von dem Geld, das an die Milchverarbeiter geht, würden erstmal die eigenen Kosten bezahlt und von dem, was dann noch übrig sei, würden die Milchbauern bezahlt. "Wir sind die Restgeldempfänger", fasst Lehmann zusammen. "Von Verhandlungen auf Augenhöhe kann dabei schon lange nicht mehr die Rede sein."

Aber zurück zum Produkt: der Milch. Gerber erklärt, dass die Berliner Gesellschaft "langfristige Verträge mit Molkereien abgeschlossen" hat. Zurzeit werde die Milch der Ortenauer Bauern bei der Firma Milei in Leutkirch verarbeitet. Auf der Internetseite von Milei steht, dass sie "hochwertige Milch- und Molkederivate" herstellt., die sich durch ihre "besondere hohe ernährungsphysiologische Qualität und Wertigkeit" auszeichneten.

Lehmann weiß, was das bedeutet: "Das heißt, dass die Milch in ihre Einzelteile zerpflückt wird." Das Endprodukt, das daraus entsteht, ist Milchpulver, das wiederum in Babynahrung oder etwa in Medikamenten eingesetzt werden kann. Und wie kommt die Milch zu Milei ins Allgäu? "Ein regionaler Spediteur holt die Milch im Ortenaukreis ab", sagt der BMG-Geschäftsführer. "Wir haben damit fünf neue Arbeitsplätze in der Region geschaffen", betonen Lehmann und Ramsteiner. "Die der Fahrer."

Ortenauer sind überzeigt, das Ziel erreicht zu haben

In Zeiten, in denen der Verbraucher immer mehr regionale und saisonale Produkte kauft, wechseln die Ortenauer Bauern zu einer Firma aus Berlin, die die Milch ins Allgäu verkauft: "Wir sind sehr wohl regional eingestellt, aber nicht um jeden Preis oder auf unsere Kosten", stellt Ramsteiner klar. "Unser Ziel, einen Wettbewerb um die Milch aufzubauen, haben wir geschafft", sind Lehmann und Ramsteiner überzeugt. "Wir hatten Mut zur Veränderung", fasst Lehmann das Ergebnis zusammen.

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