Immer weniger Menschen im Ortenaukreis entscheiden sich für eine Erdbestattung. Foto: Anspach

Anonyme Beisetzungen und Feuerbestattungen sollen Hinterbliebenen Arbeit vermeiden. Konzepte unterschiedlich.

Ortenau - Die Bestattungskultur im Ortenaukreis verändert sich: Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Feuerbestattung mit Urnengrab. Auch die Zahl der anonymen Gräber steigt. Die Verantwortlichen der Städte vermuten dahinter Rücksichtnahme auf die Hinterbliebenen – damit sie keine Gräber pflegen müssen.

Die Zahl der Erdbestattungen auf dem Kehler Friedhof ist seit Jahren rückläufig: Standen vor drei Jahren 76 Erdbestattungen noch 86 Feuerbestattungen gegenüber, wurden 2009 bereits mehr als doppelt so viele Tote eingeäschert (125) als im Sarg beerdigt (61). Im vergangenen Jahr kamen auf 59 Erdbestattungen 86 Einäscherungen.Während sich die Kehler Verwaltung und der Gemeinderat vor Jahren noch Gedanken darüber machten, wie der Friedhof vergrößert werden könnte, ist eine Erweiterung heute kein Thema mehr, schließlich nehmen Urnengräber viel weniger Platz in Anspruch als Reihen- oder Familiengräber.Außerdem nimmt auch die Zahl der anonymen Bestattungen zu: 16 Kehler sind 2009 bestattet worden, ohne dass ein Name an sie erinnert. Im vergangenen Jahr wurden auf dem Kehler Friedhof 13 Menschen anonym beigesetzt, in diesem Jahr waren es bereits 16.

"Es sind nicht in erster Linie die Armen, die anonym bestattet werden“, sagt Edeltraud Spengler, seit 42 Jahren beim Kehler Standesamt. "Sondern Leute, die sich Gedanken machen. Viele wollen ihren Kindern die Grabpflege nicht zumuten", weiß die Standesbeamtin aus zahlreichen Gesprächen. Veränderte Familienstrukturen und zunehmende Mobilität führen dazu, dass die Kinder häufig nicht mehr an dem Ort leben, wo die Eltern begraben sind.Ein Reihengrab bleibt jedoch 20 Jahre bestehen, ein Familien-Wahlgrab ebenfalls, findet allerdings eine weitere Bestattung statt, verlängert sich die Liegezeit um weitere 20 Jahre.

Nicht nur die Kosten für die Grabstätten, vor allem die Folgekosten für die Pflege lassen so manche Angehörige inzwischen davor zurückschrecken, ein Familiengrab zu kaufen.Spengler rät, schon frühzeitig darüber nachzudenken, wie man einmal beerdigt werden möchte, mit seinen Angehörigen darüber zu sprechen oder im Testament entsprechende Regelungen vorzusehen. Denn: "Es ist für alle Beteiligten das Einfachste, wenn im Vorfeld schon alles geregelt wurde." Die Angehörigen seien in ihrer Trauer oft nur schwer in der Lage, innerhalb von drei Tagen solche Entscheidungen zu treffen, stellt die Standesbeamtin immer wieder fest.

Nicht oft, aber ab und an kommen Kehler zum Standesamt und erkundigen sich schon zu Lebzeiten nach den verschiedenen Bestattungsformen und ihren Kosten. Hat ein Verstorbener keine Angehörigen oder lassen sie sich nicht ausfindig machen, wird er in einem Erdgrab beigesetzt. "Ich weiß ja nicht, wie der Mensch zu einer Verbrennung gestanden hätte", erklärt  Spengler diese Vorgehensweise der Stadt Kehl. Anonyme Bestattungen finden bislang auf dem Kehler Friedhof am Rande eines Grabfelds statt, doch angesichts der steigenden Zahlen könnten, so Spengler, bald alle Ränder belegt sein.

Einige Menschen, die sich bewusst für eine anonyme Bestattung entscheiden, hätten trotzdem gerne, dass ihr Name vermerkt bleibt. Daher kam die Idee auf, eine Stele oder eine Blumenrabatte zu errichten, in die die Namen der anonym Bestatteten eingraviert werden könnten. Eine weitere Möglichkeit wäre es, auf dem Friedhof ein Grabfeld auszuweisen, das gärtnerisch gepflegt wird. Darin könnten sich Menschen bestatten lassen, schlägt Spengler vor, die kein individuelles Grab wünschten. Je nach Wunsch könnten die Namen vermerkt werden. Auch Juden und Muslime können sich in Kehl beerdigen lassen – allerdings gibt es nur für Juden ein eigenes Grabfeld. In Offenburgauf dem Weingartenfriedhof gibt es ein Teil mit unbefleckter Erde und verlängerten Ruhezeiten. "Dort können sich Muslime so bestatten lassen, wie es ihre Religion vorschreibt", erklärt Hans-Jürgen Jäger, Abteilungsleiter Friedhöfe bei der Stadt Offenburg. Der separate jüdische Friedhof gehört zur jüdischen Gemeinde, die ihn eigenverantwortlich betreut aber die städtischen Dienstleisungen dafür in Anspruch nimmt.

Ohne Name geht nur, wenn der Verstorbene das  für sein Grab verfügt

Auf den 13 Friedhöfen in Offenburg gibt es keine Urnenwände, sondern Urnenerdgräber. Denn: »Es wurden meist dort Stelen oder Urnenwände gebaut, wo der Platz für Friedhöfe in der Breite nicht mehr ausgereicht hat und man deswegen in die Höhe bauen musste«, sagt Jäger.

"Das war in Offenburg nie der Fall." In den vergangenen Jahren würden sich etwa 80 Prozent der Gestorbenen feuerbestatten lassen, weiß Jäger. Anonyme Gräber gibt es in Offenburg nur dahingehend, dass bei jeder Grabform entschieden werden kann, ob der Name auf ein Kreuz, ein Stein oder eine Tafel geschrieben werden soll oder nicht. Reine anonyme Gräber in einem separaten Teil der Friedhöfe und extra Regeln dafür, gibt es also nicht. Ein anonymes Urnengrabfeld gibt es in Achernauf dem Stadtfriedhof. Dort haben sich laut Helga Sauer von der Pressestelle der Stadt, im vergangenen Jahr sieben Menschen ohne ihren Namen vermerkt zu haben, feuerbestatten lassen.

Mehr als 55 Prozent der Beisetzungen (127) sind in Achern mittlerweile Feuerbestattungen. "Das Angebot von Urnenwänden ist sehr gering", sagt Sauer. Seit Anfang des Jahres 1970 gebe es allerdings auf dem Stadtfriedhof Urnengrabfelder. 219 Menschen haben auf einem der zehn Friedhöfe in Achern im vergangenen Jahr ihre letzte Ruhe gefunden. Muslime und Juden können sich in Achern bestatten lasen – spezielle Grabfelder sind für sie allerdings nicht ausgewiesen. Der Bergfriedhof in Lahrbietet ebenfalls einen Bereich, auf dem Muslime sich nach ihren Regeln beerdigen lassen können. Urnenwände heißen in Lahr Nischen. Seit etwa 40 Jahren können sich die Lahrer für diese Art der Bestattung entscheiden.

Damals wurden 70 Nischen auf dem Bergfriedhof geschaffen. Zurzeit gibt es etwa 1900 Nischen, 450 davon sind für vier Urnen, rund 1500 sind für zwei Urnen ausgelegt. "Zusätzlicher Bedarf besteht hier allerdings nicht mehr. Durch die Schaffung alternativer Bestattungsformen ist der Bedarf rückläufig", heißt es seitens der Stadt Lahr. Von den 460 Verstorbenen haben sich im vergangenen Jahr 32 für Erdreihengräber, 140 für Erdwahlgräber, 200 für Urnenerdewahlgräber (30 in einem Sammelgrab), sechs für eine Baumgrabstätte und 84 für eine Urnennische entschieden. Wer sich anonym beisetzen lassen möchte, kann das auf dem Bergrfriedhof und in Langenwinkel tun. Dort gibt es jeweils anonyme Urnengrabfelder. Auf den restlichen acht Friedhöfen ist das nicht möglich. Diese Bestattungsart haben im vergangenen Jahr 20 Menschen genutzt.