Bereits im Dezember 2019 stellte die Offenburger Wehr unter Beweis, mit einem E-Auto-Brand umgehen zu können. Foto: Feuerwehr

Sicherheit: Kreisbrandmeister Bernhard Frei sieht die Ortenau gut aufgestellt

Offenburg - Ob Roller, Autos oder Züge – die Elektromobilität ist auch in der Ortenau auf dem Vormarsch. Eine Lade-Infrastruktur vorzuhalten, ist dabei nur eine Herausforderung. Was passiert beispielsweise, wenn ein größerer Akku mal in Brand gerät?

Ein scharfes Zischen, stoßweise strömt dunkler Rauch aus dem Fußteil eines E-Scooters am Straßenrand: Innerhalb von Minuten ist alles in einem Radius von einigen Metern vom schwarzem Qualm erfüllt. Stichflammen schlagen in kleinen Explosionen nach links, rechts und in die Höhe. Nach wenigen Sekunden schrumpft das Schauspiel wieder zusammen, still brennt der Roller vor sich hin – die Videoaufnahme endet.

Mit dieser eindrücklichen Sequenz hat Kreisbrandmeister Bernhard Frei seine Ausführungen in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Technikausschusses untermauert. Anlass für den Abriss über den Ausbildungsstand und die Ausstattung der Kreisfeuerwehren bezüglich Akkubränden war ein Antrag der AfD-Fraktion im Kreistag gewesen. "Die Feuerwehren sind meiner Meinung nach vorbereitet", so Freis Fazit.

Der Brand eines Elektrofahrzeugs ist dabei nicht ohne – vor allem auch durch die "wahnsinnige Rauchentwicklung" wenn der Lithium-Ionen-Akku Feuer fange. Allerdings gehe auch nicht jeden Tag ein E-Auto in Flammen auf, beruhigt Frei und ergänzt: "Nachweislich brennen nicht mehr Pkw, seitdem die E-Mobilität vorangeschritten ist." Deutschlandweit seien es insgesamt etwa 40.000 Auto jedes Jahr, die Statistik unterscheide aber nicht zwischen E-Autos und Verbrennern.

Akkus sitzen dicht an dicht im Fahrgestell

Problematisch sei bei den E-Auto-Bränden zudem die Bauweise: Die Zellen des Riesen-Akkus – rund 700 Kilogramm insgesamt – sitzen dicht an dicht im Fahrgestell. "Sie explodieren gewissermaßen einzeln", so Frei. Da für die Löschversuche heranzukommen, sei schwierig.

Prinzipiell gehe die Wehr dabei vor wie bei einem normalen Fahrzeugbrand. "Aber wir brauchen Löschwasser, Löschwasser und nochmals Löschwasser", so die Erfahrung. "Je nachdem hat man dann jede Menge kontaminierten Wassers", dessen Entsorgung sei sehr aufwendig.

Damit ist es dann aber nicht getan: Während herkömmliche Autos noch ein Weilchen stehen bleiben oder einfach entsorgt werden können, erfordern Elektrofahrzeuge eine Sonderbehandlung: "Im Nachgang sollten die Fahrzeuge in ein Wasserbecken verfrachtet werden", so Frei. Das Problem: Die Akkus könnten noch bis zu fünf Tage später "rückzünden". Die Kehler Wehr besitze mittlerweile einen Abrollbehälter, in dem ausgebrannte E-Autos beregnet werden können – im Zweifelsfall reiche aber auch einfach eine mit Wasser gefüllte Mulde.

Eigentlich sei die Feuerwehr nicht für die Bergung der Fahrzeuge zuständig, dafür habe sich auch schon ein Abschleppunternehmen im Kreis spezialisiert. Um die Entsorger müssen sich dann die Hersteller kümmern, so Frei, auch wenn es da wohl noch Schwierigkeiten gebe.

Wehr sieht gut aufgestellt

Die Ortenauer Wehr sieht Frei gut aufgestellt, es brauche aber noch mehr Erfahrung mit E-Auto-Bränden. "Bei den Feuerwehren ist es so wie damals vor 15 Jahren, als die ersten Photovoltaik-Anlagen kamen", erläutert der Kreisbrandmeister. Auch da habe es zunächst viele Unsicherheiten gegeben, musste man Wehrleute schulen. Er sieht eher ein Problem in der generellen Veränderung der Fahrzeuge – die enthielten immer mehr brennbares Material. "Die Brandlast hat sicher um ein Drittel zugenommen", so Frei.

Sorgen bereiten Kreisbrandmeister Bernhard Frei vor allem auch die kleinen in Handys, Laptops oder Haushaltsgeräten verbauten Akkus. Auch da handele es sich um die im Brandfall problematischen Lithium-Ionen-Akkus, so Frei. Er rate dringend davon ab, dass Handy nachts auf dem Nachtisch liegen zu haben oder es gar so zu laden. Auch größere Geräte mit Akkus – beispielsweise E-Bikes – sollten nur gelagert werden, wo auch ein Rauchmelder angebracht ist. Sie gehörten auch keines Falls in den Hausflur, also den potenziellen Fluchtweg.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: