Das Wegkreuz an der Kreisstraße zwischen Friesenheim und Heiligenzell ist nun nach umfassender Restaurierung neu geweiht.
161 Jahre steht es in Heiligenzell. Immer im Vorbeifahren wird es wahrgenommen. Bewusst oder unbewusst aus dem Augenwinkel heraus. Viele stürmische Zeiten hat das Kreuz erlebt. Kriege und Unwetter. Aber es blieb standhaft. Lediglich die Witterungsverhältnisse haben ihm stark zugesetzt: Die Christusfigur war zerbrochen, von Rissen durchdrungen und auch der Kreuzstamm zeigte Risse. Eine Restaurierung des Corpus war nicht mehr möglich.
Nun wurde die Figur neu von Steinmetz Frank Rothbächer geschaffen zudem wurden der Kreuzstamm und der Kreuzbalken erneuert. Die Kosten belaufen sich auf knapp 22000 Euro. „Vor der Sanierung war das Kreuz ein Schandfleck“, erklärte Bürgermeister Erik Weide. Nach der großen Generalsanierung erstrahlt es jetzt wieder im neuen Gewand. Dank gelte all jenen, die die Restaurierung zum Gemeinschaftsprojekt von Handwerkern, Restaurator, Historiker und engagierten Bürgern gemacht haben, erklärt Ortsvorsteherin Brigitta Schrempp. Das Kreuz sei ein Ort der Ruhe und des Friedens.
Das Kreuz in Heiligenzell wurde auf Wunsch des Gemeinderats vor 161 Jahren in Auftrag gegeben. Steinmetz Simon Friedrich aus Altdorf erhielt den Auftrag.
Irmgard Müller stieß die Restaurierung an
Die Restaurierung war ein inniger Wunsch der Heiligenzellerin Irmgard Müller. Viele Jahrzehnte lang hat sie die Blumen am Fußes des Kreuzes gestiftet, gehegt und gepflegt. Dabei wurde ihr immer mehr der Verfall des Kleindenkmals bewusst. Beherzt betonte sie vor einigen Jahren gegenüber der Lahrer Zeitung: „Wenn ich nur einen Lottogewinn hätte, dann würde ich das Kreuz sanieren lassen.“ Der Lottogewinn ist ausgeblieben, aber über ihren Wunsch hat Ekkehard Klem, Mitglied im Vorstand Historischer Verein für Mittelbaden Regionalgruppe Geroldsecker Land, in der Zeitung gelesen und die Aufgabe für die Sanierung in den Historischen Verein getragen.
Die Sanierung des Kreuzes dauerte aufgrund der Coronakrise und Problemen in der Steinlieferung nahezu drei Jahre. Nachdem im Jahr 2020 der Auftrag zur Sanierung erteilt worden ist, konnte Frank Rothbächer erst ein Jahr später mit der Christusfigur beginnen. Im August 2021 wurde der Kreuzsockel entfernt und ein neues Betonfundament angefertigt. Seit Karfreitag 2022 steht das Kreuz an seinem angestammten Platz. Durch eine weitere Spende der Regionalstiftung der Sparkasse Offenburg/Ortenau konnte auch die Farbfassung des Wegkreuzes fertiggestellt werden. Am Freitag wurde es neu geweiht.
So viel hatte das Kreuz einst gekostet
Ekkehard Klem stöberte im Heiligenzeller Gemeindearchiv und brachte eine Jahresabrechnung von 1862 für das Steinkruzifix in Höhe von 125 Gulden zutage. Für das Aufrichten des Kleindenkmals wurden weitere 4,3 Gulden bezahlt. Das Kreuz trägt die Inschrift: „In keinem ist Heil. Apostelgescht. 4.12.“ Außerdem ist das Errichtungsjahr 1862 angegeben.