Gut getarnt in Camouflage und ausgerüstet mit Handwaffen, Pistolen und Gewehren üben Soldaten der Bundeswehr derzeit in Loßburg. (Symbolbild) Foto: Jens Kalaene/dpa

Soldaten der Bundeswehr üben derzeit auch in Loßburg für den Ernstfall. Wie die Übungen konkret aussehen und wieso sie in Schömberg stattfinden.

Gut getarnt in Camouflage-Optik und kaum zu erkennen vor den dunklen Nadelbäumen, ziehen sie derzeit durch die Felder und Wälder des Schwarzwalds: Soldaten der Bundeswehr.

 

Seit Anfang der Woche und noch bis Freitag, 17. April, übt eine niedrige zweistellige Anzahl an Soldaten des Heeres aus der Deutsch-Französischen Brigade im Raum Offenburg, Freudenstadt und Haslach für den Ernstfall. Auch im Loßburger Ortsteil Schömberg, rund um die Blockhütte „Oberer Wald“, sind die Soldaten unterwegs.

Geübt werde dabei militärisches Grundlagenwissen, insbesondere Orientierungsmärsche, berichtet Kieron Kleinert, Oberstleutnant und Pressesprecher des Landeskommandos Baden-Württemberg, auf Anfrage unserer Redaktion. Doch was bedeutet das konkret?

Orientierungsmärsche bei Tag und Nacht – und ohne Navi

Bei diesen Orientierungsmärschen müssen die Soldaten versuchen, sich alleine oder in kleinen Gruppen in unbekanntem Gelände sicher zurechtzufinden, erklärt Kleinert. „Jeder Soldat muss zu einem auf einer Landkarte vorgegebenem Ziel navigieren können. Das muss bei Tag und Nacht und ohne Navi klappen.“

„Normalerweise zeichnet man auf einem sogenannten Meldeblock eine Skizze der angedachten Marschroute“, erklärt der Oberstleutnant. Navigiert werde dabei grundsätzlich mit einem Marschkompass. Doch auch andere Hilfsmittel, wie analoge Armbanduhren, der Sonnenstand und Naturbeobachtungen werden notfalls verwendet.

Fußmärsche können mehrere Stunden dauern

Je nach Situation müssen die Soldaten darauf achten, nicht entdeckt zu werden, auf Beschuss oder Drohnen reagieren zu können und Verwundete zu versorgen. Dabei werden Märsche unter Feindbedrohung laut Kleinert normalerweise nachts vorgenommen – um die Aufklärung zu erschweren.

Je nach Distanz und Gelände können solche Fußmärsche auch mal ein paar Stunden dauern. „Die Ausbildung beginnt normalerweise in der Grundausbildung mit einfachen Aufgaben und steigert sich dann, so dass mit kurzen Tagmärschen begonnen wird“, erklärt Kleinert.

Ausgerüstet sind die Soldaten dabei unter anderem mit ihren Handwaffen, Pistolen und Gewehren. In Einzelfällen könne es auch zum Einsatz von Platzpatronen sowie Pyrotechnik, etwa in Form von Nebelmitteln, kommen. „In beiden Fällen bestehen strenge Sicherheitsvorgaben, so dass eine Gefährdung für die Bevölkerung vermieden wird“, versichert Kleinert jedoch.

Bundeswehr muss wieder kriegstüchtig werden

„Die Bundeswehr muss aufgrund der aktuellen Sicherheitslage wieder kriegstüchtig werden, um unser Land und unsere Verbündeten verteidigen zu können. Dazu gehört es, intensiv das militärische Handwerkzeug zu trainieren“, erklärt Kleinert den Grund hinter den Übungen. Dies geschehe nicht nur in Kasernen und auf Übungsplätzen, sondern auch zunehmend im öffentlichen Raum.

„Solche sogenannten freilaufenden Übungen sind besonders wichtig, weil sie neue Gegebenheiten, das heißt ungewohnte geografische Bedingungen, darstellen und die Soldaten dadurch fordern“, so Kleinert. Auch seien die wenigen verbliebenen Übungsplätze sehr stark ausgelastet.

Truppe legt ihre Übungsräume selbst fest

Doch warum übt die Bundeswehr ausgerechnet in Schömberg? „Die übende Truppe legt ihre Übungsräume selber fest“, erklärt Kleinert. „In der Regel wird immer nach Zweckmäßigkeit geprüft.“ Dabei seien ein effizienter Einsatz der Kräfte sowie der Übungszweck entscheidend.

„Übersetzt könnte das heißen, wo finde ich zum Beispiel eine Marschstrecke mit Wald, Hügeln und Wasserhindernissen, um den Übungszweck des Orientierens in schwierigem, unbekanntem Gelände zu erreichen?“, erläutert Kleinert. Auch die Entfernung zur eigenen Kaserne, der Aufwand, der Umweltschutz und die möglichst geringe Beeinträchtigung der Bevölkerung stehen dabei zur Überlegung.

Der wenig belebte Ort Schömberg, insbesondere die etwas außerhalb gelegene Blockhütte mit fließend Wasser, Toilettenanlagen und einer Feuerstelle, ist da natürlich bestens geeignet. Auch Schenkenzell gehört zum Übungsgebiet.