Wolfgang Ehni an der Orgel Foto: Thiercy

Sie ist die Königin der Instrumente: die Orgel. Sie ist oft Jahrhunderte alt, aber nicht aus der Mode. Auch Songs von Popbands hat sie drauf. Vorausgesetzt, der Organist kennt sein Repertoire und ist alt genug, um mit den Füßen an die Pedale zu kommen.

Ein Klavier hat 88 Tasten. Eine Kirchenorgel lediglich 56 – und doch bringt dieses Instrument ganz andere Klangkompositionen zu Gehör. Beim Klavier, erklärt Bezirkskantor Wolfgang Ehni beim Vor-Ort-Termin in der Balinger Stadtkirche, verhalle der Ton nach kurzer Zeit. Die Orgel hingegen spiele auf Wunsch bis in alle Ewigkeit.

 

„Das längste Orgelkonzert aller Zeiten dauert 638 Jahre und wird in Halberstadt gespielt. Nur alle paar Jahre wechselt der Ton.“ Ehni selbst war bei der Premiere dabei – er brennt für sein Instrument und möchte es jungen Menschen nahe bringen.

Freie Plätze nach den Osterferien

Aktuell suchen er und sein Team nach Nachwuchs für das königliche Instrument. Nach den Osterferien gibt es wieder freie Plätze in Kirchenorgel und Liedbegleitung. Voraussetzung: „Man sollte schon Klaviererfahrung haben und die Beine sollten lang genug sein, um an die Pedale zu kommen.“

Die meisten Schüler und Schülerinnen seien zwischen 13 und 14 Jahre alt, sagt der Bezirkskantor. Die Ausbildung selbst dauere drei bis vier Jahre. „Dann starten die jungen Leute ins Berufsleben und sollten fertig ausgebildet sein“, sagt Ehni.

Kein anderes Instrument habe eine derartige Wirkung auf die Menschen, wie eine Orgel, meint der begeisterte Kirchenmusiker. „Tief, hoch, laut, leise, alle Klangfarben sind möglich“, sagt er und seine Wangen röten sich vor Begeisterung.

Manche Musiker bauen sich eine heimische Orgel

Dann setzt der Kantor sich an die Orgel auf der Empore der Balinger Stadtkirche und bringt mit ein paar Tastendrückern und ein wenig ziehen an den Registern das Gotteshaus regelrecht zum Vibrieren.

Ehni strahlt. „Eine Blockflöte kann das nicht“, sagt er schmunzelnd. Er selbst unterrichtet in Balingen, Albstadt und Sigmaringen. Die Schüler üben in ihren Heimatgemeinden in den Kirchen, eine Orgel hat ja keiner zu Hause.

Wobei: Ehni kennt Menschen, die sich in der heimischen Werkstatt die eigene Orgel gebaut haben. Diese hätten die Pfeifen selbst gemacht, am Gehäuse getüftelt und geschaut, dass der mächtige Klangkorpus ins Wohnzimmer passe.

Lieder aus dem Gesangbuch stehen auf dem Stundenplan

Was erwartet künftige Schüler von Ehni und seinem Team? Unterricht im Literaturspiel zum Beispiel. Das bedeutet das Beherrschen von mindestens drei Stücken, die im Gottesdienst als Vor- oder Nachspiel interpretiert werden. „Die können 500 Jahre alt sein oder ganz modern“, erzählt Ehni.

Des weiteren stehen die Lieder aus dem Gesangbuch auf dem Stundenplan. „Täglich entstehen neue Stücke, der Zeitgeist spielt eine Rolle“, merkt der Kantor an. Zu Weihnachten zum Beispiel würden andere Lieder gesungen, als im Sommer.

Auch das Improvisieren will gelernt sein. Der Mann oder die Frau oben auf der Empore, wo die Orgeln meistens stehen, müsse fühlen, wo die Gemeinde steht und abgeholt werden müsse, sagt der erfahrene Kantor.

Vertretungen werden immer wieder gesucht

Die Kirche beteiligt sich übrigens an den Kosten des Unterrichts. Immer wieder, erklärt Ehni, würden Vertretungen für den evangelischen Gottesdienst gesucht. „Dieser Dienst wird auch vergütet.“ Und noch ein Werbeargument hat der Orgelfan: „Es gibt sofort Auftritte in Gottesdiensten oder bei Konzerten.“

Dann bricht das Gespräch ab. Ehni hat eine Idee – und lässt seiner Fantasie mit dem Spiel auf der Orgel freien Lauf.

Interessenten können sich direkt an Wolfgang Ehni unter Email wohlfgang.ehni@elkw.de oder Telefon 07433/16 07 27 wenden.