Mit einem Orgelkonzert und tiefgründigen Texten stimmten Karl Echle (rechts) und Pastoralreferent Michael Paulus auf die Passionszeit und die Themen Buße und Passion Christi ein. Foto: Silvia Lorek

Beim Orgelkonzert in der Freudenstädter Taborkirche war das Leiden Christi durch Werke von Bach und Schellenberg hörbar.

Unter dem Motto „Mit Bach durch das (Kirchen-)Jahr“ bescherte Kirchenmusikdirektor Karl Echle den zahlreichen Konzertbesuchern in der Taborkirche in Freudenstadt ein brillantes Orgelkonzert – dieses Mal, passend zur Fastenzeit, mit Orgelwerken zum Thema Buße und Passion Christi.

 

Auf dem Programm standen Werke von Johann Sebastian Bach und Hermann Schellenberg, die das Thema „Passion“ musikalisch ergreifend hörbar machten. Pastoralreferent Michael Paulus ergänzte mit kurzen Texten, Gedankensplittern und Zitaten zum Orgelkonzert, die zum Nachspüren anregten.

Fantasievolle Melodie

Mit der „Fantasie und Fuge c-Moll, BWV 537“ von Bach hatte Echle einen beeindruckenden Direkteinstieg in das Konzert ausgewählt. Mit einem langen unterlegenden Basston zur fantasievollen Melodie wurde das schmerzlich-aufsteigende und das seufzend-absteigende Motiv des Präludiums hörbar. Es waren Orgelklänge, die an ein inniges Gebet erinnerten. Die sich fast nahtlos anschließende Fuge wirkte um einiges lebhafter und spiegelte durch die beiden gegensätzlichen Motive eine gewisse Unruhe wider.

Die Frage „Wer ist Gott?“, die Paulus stellte, verstärkte das zuvor auf der Orgel Gehörte. Meditativ wirkte die Bach-Bearbeitung von „O Mensch, bewein dein Sünde groß, BWV 622“, die Echle sanft-melodiös und mit kleinen Trillern durchsetzt virtuos auf der Rieger-Orgel spielte.

Die Einsamkeit von Jesu am Kreuz

Das „O Lamm Gottes, unschuldig, BWV 656“ aus den Leipziger Chorälen kam anfangs fast jubilierend und unbekümmert daher, bevor die klare Choralmelodie, die zwar von Gegenstimmen umspielt wurde, sich in tempo und Dynamik dramatisch steigerte und die kraftvolle Energie hören ließ. Diese endete jäh mit dem Text „Hymnus“ von Bernardin Schellenberger, in dem von der Einsamkeit Jesu, der am Kreuz hing und dem Vater seine Not klagte, die Rede ist.

Widergespiegelt wurde dies durch zwei sehr kurze Orgelstücke aus dem Orgelbüchlein „Da Jesu an dem Kreuze stund, BWV 621“ und „Wir danken dir, Herr Jesu Christ, BWV 623“. Ausdrucksstark und voller Fantasie erklang auf der Orgel eine „Fantasie über den Namen B-A-C-H“ von Schellenberg. Zuerst erklangen die zarten Einzeltöne des Namens, gefolgt von einer mächtigen Klangfülle von Akkorden, die sich soweit steigerten, dass die intensiven und tief „brummelnden“ Klänge im eigenen Körper spürbar wurden. Eine facettenreiche „Fantasie“ voller Ausdruckskraft, die von Echle entsprechend expressiv bis zum Schlusston gespielt wurde. Mit dem Text „Trotz allem“ gab Paulus Hoffnung auf das Wunder der Auferstehung.

Fulminanter Schlusspunkt

Mit Johann Sebastian Bachs „Präludium und Fuge h-Moll, BWV 544“ setzte Echle einen fulminanten musikalischen Schlusspunkt unter das Konzert. Zunächst erklangen die ersten Orgeltöne, wie ein Aufschrei, die das Leiden Jesu in die Welt hinaustragen. Hörbar wurden auch Verzweiflung und Ohnmacht, in der „Leidenstonart“ h-moll.

Die anschließende vierstimmige „Fuge“ stellte einen Kontrast zum Präludium dar. Obwohl sie zunächst schlichter wirkte, war sie sehr anspruchsvoll. Mit vielen Stakkati, gegensätzlicher und solistisch wirkender Melodieführung, variationsreichen Bassklängen, wurde die Musik immer intensiver und steigerte sich bis zum kräftigen Schlussakkord.