Im vergangenen Jahr ist die Nachfrage nach Organspendeausweisen leicht gesunken. Foto: epd/Heike Lyding

Die Zahl der Organspender stagniert, die Nachfrage nach Ausweisen sinkt leicht. Es ist Zeit für die Widerspruchslösung, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.

Es muss eine quälende Situation sein: Mehr als 8200 Menschen in Deutschland warten derzeit auf ein Spenderorgan. Für sie und ihre Angehörigen ist das Leben geprägt von Unsicherheit und der Hoffnung, dass es ein passendes Organ gibt, bevor es zu spät ist. Doch viele warten vergebens.

 

Seit Jahren steht Deutschland im internationalen Vergleich auf den hinteren Plätzen, was die Organspende angeht – allen Appellen, Aktionstagen, Debatten und Werbekampagnen zum Trotz. Auch die Nachfrage nach Organspendeausweisen sinkt. Das zeigt: Es braucht einen neuen Anlauf für eine Widerspruchslösung.

Das Problem ist die Unentschiedenheit

Derzeit gilt in Deutschland die sogenannte Entscheidungslösung: Organe dürfen nach dem Tod nur dann entnommen werden, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Gibt es keine Entscheidung, werden die Angehörigen gefragt.

Bei der Widerspruchslösung wird jeder nach dem Tod zum potenziellen Spender. Wer zu Lebzeiten widerspricht, dem werden keine Organe entnommen. Jeder Mensch hat weiterhin die Entscheidungsfreiheit.

Das Problem ist: Zu wenige Menschen treffen eine Entscheidung für oder gegen die Organspende. Dabei zeigen Umfragen, dass die Mehrheit der Deutschen positiv über Organspende denkt. Mehr als die Hälfte der Menschen fühlt sich zudem gut über das Thema informiert. Doch nur wenige halten ihre Entscheidung fest.

Ja, es mag unangenehm sein, sich damit zu befassen, was nach dem Tod mit dem eigenen Körper passieren soll. Doch wer bereit zu einer Organspende ist, zeigt Solidarität über den Tod hinaus.

Man mag entgegnen, dass erst im vergangenen Jahr Neuerungen eingeführt worden sind, etwa das neue Register für mögliche Spender. Man möge doch warten, bis solche Maßnahmen Wirkung zeigen. Das Problem ist: Viele Menschen, die auf der Liste für ein Spenderorgan stehen, haben keine Zeit zu warten.