Der Klostersommer lockt jedes Jahr Tausende Gäste an. Nun stand einmal mehr der Zuschuss durch die Stadt zur Debatte. Foto: Thomas Fritsch

Alle Jahre wieder steht der Zuschuss für den Calwer Klostersommer zur Debatte. Die Frage: Geht auch weniger? Organisator Jürgen Ott stellt klar: Im Grunde wird es jedes Jahr weniger.

Für die Stadt ist die Sache eigentlich klar. Der Calwer Klostersommer „zählt zu den kulturellen Leuchttürmen in der Stadt Calw sowie in der Region“, ist beste Werbung für die Hesse-Stadt und lockt „ein nationales und internationales Publikum“ an.

 

Zwischen 14 000 und 16 000 Besucher kommen für die Veranstaltungsreihe jedes Jahr nach Hirsau; Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel profitieren. So steht es in den Unterlagen der jüngsten Sitzung des Gemeinderats zu lesen.

Jeweils 98 000 Euro jährlich

Entsprechend schlug die Verwaltung vor, den Klostersommer – wie in den vergangenen 17 Jahren – auch in den Jahren 2027, 2028 und 2029 wieder mit jeweils 98 000 Euro jährlich zu fördern. Der Antrag dazu war wie immer von Veranstalter Jürgen Ott gekommen.

Und wie immer gab es eine rege Diskussion darüber, ob und inwieweit dieser Zuschuss in dieser Höhe gewährt werden sollte.

AfD beantragt Prüfung

Den Stein des Anstoßes lieferte diesmal ein Antrag, den Peter Drenckhahn (AfD) vorbrachte. Der Tenor: Prinzipiell sei die AfD nicht gegen den Zuschuss – allerdings stelle sich die finanzielle Situation der Stadt besorgniserregend dar. Da gelte es, vernünftig mit Steuergeld umzugehen.

Entsprechend schlug er vor, das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Veranstaltung zu prüfen und etwa auch auszuleuchten, ob der Ticketpreis nicht höher und dadurch der Zuschuss niedriger angesetzt werden könnte.

Die Besonderheiten des Klostersommers

Ott, der auch als GfC-Fraktionsvorsitzender fungiert, war als Befangener vom Ratstisch abgerückt. In seiner Rolle als Veranstalter durfte er sich dennoch zu Wort melden. Und Ott zeigte sich verstimmt.

Er hätte sich gefreut, erklärte er, wenn zuvor das Gespräch mit ihm gesucht worden wäre, dann hätte er manch falsche Annahmen ausräumen können.

Grundsätzlich sei der Klostersommer geprägt durch den Ort selbst, das Kloster. Allerdings sei es auch enorm aufwendig, dort Veranstaltungen umzusetzen. Zugleich könnten nur begrenzte Zuschauermengen unterkommen, maximal 1800 Menschen – wenn Stehplätze eingeplant seien.

2023 war Nena zu Gast beim Klostersommer. Foto: Thomas Fritsch

Und nicht zuletzt zeichne sich die Reihe durch eine besondere Programmstruktur mit Höhepunkten aus. Als besonders berühmte Künstler waren in den vergangenen Jahren etwa Nena oder Giovanni Zarrella zu Gast. „Diese Künstler sind durch die Eintrittspreise nicht refinanzierbar“, unterstrich Ott. Dafür brauche es den Zuschuss der Stadt sowie Sponsoren.

Ticketpreise zu erhöhen sei nicht einfach so machbar; Veranstalter seien da teils an Vorgaben des Managements der Künstler gebunden.

Zahlen und Berechnungen

Zur Frage, was der Klostersommer der Stadt bringe, brachte Ott einige Zahlen ins Spiel. Studien zufolge gebe ein Tagestourist rund 30,10 Euro pro Besuch aus. Hochgerechnet auf durchschnittlich 15 000 Besucher pro Jahr summiert sich das auf 451 500 Euro.

Und nicht zuletzt reduziere sich der Zuschuss der Stadt streng genommen jedes Jahr. Seit 2008 fließen 98 000 Euro pro Klostersommer. Inflationsbereinigt seien das heute noch rund 68 000 Euro. Um die selbe Kaufkraft zu erreichen wie 2008 müsste die Stadt rund 141 000 Euro Förderung gewähren, rechnete Ott vor.

Fast so viel – 140 000 Euro – schieße übrigens die Stadt Bad Wildbad jährlich dem Rossini-Festival zu.

Das sagt der Gemeinderat

Was die weitere Unterstützung der Veranstaltungsreihe betrifft, sprachen sich viele Gemeinderäte schnell uneingeschränkt dafür aus.

Der Klostersommer sei ein „Aushängeschild“ für die Stadt, meinte etwa Dieter Kömpf (Freie Wähler). Andere Kommunen würden Calw um diese Reihe beneiden, die es nur gebe, weil Ott so einen Spaß daran habe – denn eigentlich „rechnet sich das nicht“.

Oliver Höfle (GfC) nannte es bedauerlich, dass einer der beiden AfD-Räte der Förderung im Kulturausschuss bereits zugestimmt habe und nun dennoch ein solcher Antrag komme. Außerdem müsse Calw froh sein, dass jemand ein solch „enormes finanzielles Risiko“ eingehe, um der Stadt eine solche Reihe zu ermöglichen.

„Ich denke eher noch, die Förderung müsste höher sein“, meinte sogar Piet Schaber (GfC).

Und Benjamin Knoll, Geschäftsführer des TSV, Calws mit Abstand größtem Verein, störte sich daran, dass im AfD-Antrag nichts davon stehe, wie sehr auch Vereine vom Klostersommer profitierten. Abgesehen davon würden 98 000 Euro nicht weit reichen, wenn Calw sich den Werbeeffekt, der durch den Klostersommer entstehe, anderweitig einkaufen wollte.

Verlauf der Diskussion „unglücklich“

Bernhard Plappert (CDU) wiederum fand den Verlauf der Diskussion „unglücklich“. Jeder Rat dürfe schließlich immer alles fragen und im Haushalt der Stadt werde jeder Euro umgedreht. Insofern fand er es nicht ganz fair, auf Drenckhahn „rumzuhacken“.

Udo Raisch störte sich einmal mehr daran, dass ihm die Klostersommer-Finanzen nicht transparent genug seien.

Ott erwiderte daraufhin, er stehe im Handelsregister. „Jeder in Deutschland kann nachsehen, wie meine Bilanzen aussehen“, sagte er.

Am Ende einstimmig

Drenckhahn räumte am Ende ein, da er erst seit einem Jahr im Gremien sei, habe er die Hintergründe so bislang nicht gekannt.

Er zog seinen Antrag zurück und stimmte mit dem Rest des Gremiums einmütig für weitere drei Jahre Förderung.