Seit 18 Jahren ist das Kloster Hirsau Jürgen Otts zweites Zuhause. Foto: Alex Risse

Im Gespräch zieht Organisator Jürgen Ott Bilanz in Sachen Calwer Klostersommer. Doch nach der Konzertreihe ist vor der Konzertreihe – und die Arbeit für das kommende Jahr läuft bereits.

Im Kreuzgang des Klosters Hirsau trifft sich unsere Redaktion mit Jürgen Ott an einem möglichst schattigen Plätzchen.

 

Ungewöhnlich leise ist es hier seit dem zweiwöchigen Klostersommer, der die Kreuzgänge mit Zuschauern und verschiedensten Klängen füllte. Vom italienischen Lebensgefühl und Flair, das Giovanni Zarrella verbreitet, bis hin zu elektronischen Klangwelten, in die Schiller sein Publikum entführt.

Insgesamt inzwischen schon 182 Bands und Künstler

Seit dem ersten Klostersommer im Jahr 2008 hat die Konzertserie insgesamt inzwischen schon 182 Bands und Künstler auf die Bühne vor der einzigartigen Kulisse gebracht. Das Ziel sei es stets, den Zuschauern ein breites Angebot an Musik und Comedyauftritten zu bieten, betont Ott.

Er organisiert mit seinem rund 20-köpfigen Team der Konzertagentur „Concetera“ den jährlichen Kulturhöhepunkt in den Klosterruinen aus dem 11. Jahrhundert. Auch dieses Jahr war es wieder ein voller Erfolg, merkt er lächelnd an. Rund 14 700 Zuschauer wurden von den Veranstaltern gezählt – und das diesmal nur bei zehn Darbietungen, von denen sieben ausverkauft waren.

Den Auftritt von Pietro Lombardi hatte die Agentur absagen müssen. Auslöser war die geringe Nachfrage nach Karten, so Ott. Umso voller war es bei der italienischen Sommernacht mit Giovanni Zarrella, der das größte Publikum nach Hirsau zog. Obwohl das Wetter die ersten Tage nicht stabil war und die Sommernacht von einem kurzen Regenschauer unterbrochen wurde.

„Einen Fernsehstar hierher zu bekommen, ist was Besonderes“, macht Ott deutlich. Und erzählt fasziniert, wie unkompliziert und freundschaftlich der Umgang mit dem gebürtigen Hechinger war. Die Begeisterung beruhte wohl auf Gegenseitigkeit. Denn: Wie Ott verkündet, werde Zarrella auch nächstes Jahr wieder auftreten.

„Nach 15 Jahren hatte man das Konzept mal verjüngen müssen“

Positive Rückmeldungen erhielt er auch bezüglich des Abschlussspektakels „Kloster in Flammen“, das dieses Jahr „aufgemotzt“ worden sei. „Nach 15 Jahren hatte man das Konzept mal verjüngen müssen“, stellt Ott fest. Neben den Frankfurter Sinfonikern und Tenören trat auch der Rockgitarrist Siggi Schwarz auf.

Besonders angetan war Ott von der Reaktion seiner 91-jährigen Mutter, die bis zum Ende des Konzerts blieb. „Ich habe erwartet, ihr wäre die Musik mit Siggi Schwarz und seiner Band zu rockig“, merkt er grinsend an.

Bemerkenswert sei das familiäre Verhältnis im gesamten Team. Das merkten nicht nur die Künstler an, sondern auch die Mitarbeiter, so Ott. Für sie sei es eine Art Zeltlager einmal im Jahr, wenn mit Hochdruck am Auf- und Abbau gearbeitet wird.

Die Bewirtung übernimmt der TSV Calw, für die Sicherheit sorgt ein Unternehmen aus Oberreichenbach. Insgesamt kommt er auf bis zu 120 Mitarbeiter bei ausverkauften Rängen.

Auf die Frage hin, wie lange er sich noch vorstellen kann selbst mit anzupacken, schmunzelt der 64-Jährige. Das könne er noch nicht genau sagen – aber Unterstützung hätte er genug. Seine Kinder hätten bereits Interesse geäußert und auch in der Künstlerbetreuung greifen ihm seine Frau und seine Schwester unter die Arme.

Künstlergarderoben liegen in einem Klassenzimmer

Bei einer Führung durch das Gemäuer zeigt Ott die Gänge im Backstage-Bereich, die inzwischen für das Sommerkino in ihren Urzustand gebracht wurden. Die Künstlergarderoben liegen etwa in einem Klassenzimmer der Grundschule. In dem haben sich Jethro Tull, Suzi Quatro und alle weiteren Künstler auf einer Tafel verewigt haben, verrät Ott.

Besonders sind aber auch die Anforderungen an die Veranstalter. Ott erklärt, dass durch den streng geregelten Denkmalschutz beispielsweise die Laster mittlerweile einige Meter entfernt abgeladen werden müssen.

Doch damit muss Ott sich erst kommendes Jahr wieder beschäftigen. Also Zeit zum Durchschnaufen? Nun ja. Nach dem Klostersommer ist vor dem Klostersommer, könnte man sagen.

Derzeit ist Ott schon wieder mitten in der Planung für nächstes Jahr. Bis Weihnachten sollen die Tickets für sieben Veranstaltungen bereits erhältlich sein, lässt er wissen. Er wisse von vielen langjährigen Fans, dass es ein gelungenes Geschenk zu den Festtagen sei. Als Veranstalter sei es das schönste, die Zuschauer mit zufriedenen Gesichtern zu sehen. Dankbar sei er ebenso für das Verständnis bei den Einwohnern Hirsaus, wenn ihr Kloster zum Konzertsaal wird.

Mit Vorfreude blickt Ott nun schon auf den nächsten Sommer. Bislang seien bereits rund 400 Karten für „Kloster in Flammen“ verkauft – und zwei Bands stehen fest: die „dIREsTRATS“, die auf den Spuren der britischen Rockband „Dire Straits“ wandeln. Und das „Duo Graceland“, das einmal mehr die Musik von „Simon & Garfunkel“ aufleben lassen wird.