Heidrun Schäfer hilft anderen beim Aufräumen. Sie weiß, dass herumliegendes Spielzeug, Geschirrstapel und Berge voller Bügelwäsche vor allem Familien belasten können. In den Zimmern ihrer drei Kids herrscht trotzdem manchmal Chaos.
Mit dem ersten Kind sei im Hause Schäfer das Chaos eingezogen, erinnert ich die 37-Jährige, die mit ihrem Mann und den mittlerweile zwei Söhnen und einer Tochter in Endingen lebt. Von Haus aus ist Schäfer Sozialpädagogin. „Ich habe mich schon immer für Ordnung interessiert, das bin einfach ich“, sagt die Dreifachmama.
„Es muss sich was ändern“
Schäfer machte eine Ausbildung zur systemischen Beraterin und bietet unter „Dein Ordnungszauber“ Aufräum-Coachings an. Sie selbst stand als junge Mutter unter Druck, Kinder und Haushalt – alles wurde immer mehr, erinnert sie sich. Irgendwann kam der Punkt, berichtet Schäfer, an dem ihr klar war: „Es muss sich was ändern.“
Ein weniger an Dingen, ein weniger an Druck und feste Routinen – das sei der Gamechanger für die Familie gewesen. Einfach sei das anfangs nicht gewesen, die Routine mussten erst ins Blut übergehen. „Wenn die Kinder vom Turnen kommen, räumen wir den Beutel sofort aus“, nennt Schäfer ein Beispiel.
„Wir wohnen nicht im Schaufenster“
„Wir wohnen nicht im Schaufenster“, sagt die Familienmanagerin. „Bei uns ist es auch mal unordentlich.“ Allerdings: Das Aufräumen gehe schnell, auch in den Kinderzimmern. Dort gibt es Kisten für verschiedene Kategorien wie Autos oder Schleich-Tiere.
Und es gibt eine feste Regel: „Jeder muss seine Sachen aufräumen.“ Natürlich übernähmen die Eltern die meisten Aufgaben, die Kinder würden aber eingebunden.
Was aber tun, wenn das Chaos überhand genommen hat? „Einfach anfangen und ins Tun kommen“, rät Schäfer. Man müsse nicht stundenlang alles wegbügeln, jeden Tag fünf oder zehn Minuten würden reichen. „Irgendwann fällt einem gar nicht mehr auf, dass man was macht.“
„Ich mache keine großen Aktionen“
Die Coachin rät zu kleinen Schritten; „eine Schublade, eine Ecke, ein Fach“. Wer sich zu viel vornehme, der blockiere im Kopf. Und wie ist das mit dem Großreinemachen, wenn die Tage wieder länger werden? „Ich bin kein Freund vom Frühjahrsputz“, sagt Schäfer mit Nachdruck. Klar gebe es Leute, für die passe das. „Ich mache keine großen Aktionen, sondern immer ein bisschen was.“
Den größten Leidensdruck beim Thema Ordnung gebe es bei Familien. „Da sammeln sich schnell viele Dinge an.“ Auch Paare wenden sich an die 37-Jährige, wenn die Partner unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung haben.
Warum? „Weil sie weniger streiten wollen“, erklärt Schäfer. Gemeinsam mit den Klienten erarbeitet sie, welche Vision beide in Sachen aufgeräumtes Zuhause haben. Und dann wird angefangen, und zwar „in dem Bereich, der im Alltag den größten Vorteil und die größte Erleichterung bringt.“
„Was brauche ich wirklich?“
Schäfer berät, packt aber auch mit an. Dass sie dabei dann und wann auch sehr Privates zu Gesicht bekommt störe sie nicht. „Ich mache das so gerne!“
Länger als drei Stunden dauert ein Ordnungscoaching bei einem Termin nicht. „Dinge gedanklich loszulassen kostet auch Kraft.“ Erst einmal wird in Kategorien sortiert und dann geschaut: „Wie viel davon habe ich eigentlich? Was brauche ich wirklich?“
„Wir betrachten wirklich jedes Ding“, berichtet Schäfer. Was bleiben darf, bekomme einen festen Platz im Haushalt. Andere Dinge könne man verschenken oder im Internet inserieren. Manches könne auch in den Müll.
Aber wozu überhaupt aufräumen? „Wenn es im Außen ordentlich ist, überträgt sich das auch auf das Innenleben“, ist Schäfer sich sicher.