Neue Wege beschreitet die Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen mit einem Kirchenkonzert: Erstmals spielt das Orchester am Sonntag, 7. Juni, im Münster.
Einen außergewöhnlichen Ort bringt die Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen zum Klingen: das Münster. Zum ersten Mal in seiner Geschichte gibt das Blasorchester am Sonntag, 7. Juni, ab 17 Uhr ein Kirchenkonzert und präsentiert dem Raum entsprechend sakrale Werke.
Die Devise, Neues zu schaffen und Traditionen zu bewahren, hat Stadtmusikdirektor Thomas Scheiflinger bei seinem Antritt vor eineinhalb Jahren ausgegeben und seither behutsam einige Schritte mit den Musikern unternommen. Das Kirchenkonzert ist für den Dirigenten nun das erste große Projekt, mit dem er neue Impulse geben möchte.
Wichtig ist ihm der Charakter des Auftritts, der zu dem besonderen Raum und dessen Bedeutung passen müsse, es sei kein Konzert in der Kirche, sondern ein Kirchenkonzert. So stehen Kompositionen auf dem Programm, die Themen wie Natur und Innerlichkeit, Glaube und Vertrauen, Prüfung und Hoffnung, Erinnerung und Trost aufgreifen, betont Scheiflinger. Den Auftakt bildet das Werk „Yorkshire Ballad“ von James Barnes, das die Ruhe und weite dieser englischen Landschaft widerspiegelt.
Ein Erlebnis erwarte die Zuhörer bei „Noah’s Ark“ von Bert Appermont, erklärt Scheiflinger. Das viersätzige Werk schlägt den Bogen von der göttlichen Botschaft an Noah über die Parade der Tiere und den Sturm bis zum Neuanfang nach der Zerstörung. Sprechgesang und die durch verschiedene Instrumente dargestellten Tiere machten den besonderen Reiz des Stücks aus.
Auch „Abraham“ von Ferrer Ferran greift eine Geschichte aus dem alten Testament auf und stellt die Emotionen des Vaters in den Mittelpunkt, der bereit ist, Gott seinen Sohn Isaak zu opfern.
Gedicht vertieft Sehnsucht
Mit „Et in Terra Pax“ von Jan Van der Roost folgt ein Plädoyer für den Frieden, dessen Anliegen zudem das Gedicht „Sonnet“ des im Ersten Weltkrieg getöteten Dichters Charles Hamilton Sorley unterstreicht. Emotionale Tiefe prägt auch das von Francis McBeth vertonte jüdische Gebet „Kaddish“ für das Seelenheil Verstorbener.
Um diese Musik und deren unmittelbare Wirkung in den Mittelpunkt zu stellen, verzichte die Stadtmusik bewusst auf eine Moderation, stellt Scheiflinger fest. Nach einer Einleitung könnten die Zuhörer in die Klangwelten eintauchen, eigenen Erinnerungen und Empfindungen nachgehen.
Diese anspruchsvollen Stücke seien für das Orchester eine Herausforderung, gleich nach der Fasnet habe die intensive Probenarbeit begonnen. Natürlich seien die Musiker jetzt angespannt, zum ersten Mal in der Kirche zu spielen, zumal sie deren Akustik noch nicht kennen. „Aber bei allen ist zu spüren, dass sie neue Klänge entdecken möchten und offen für Veränderungen sind“, schildert Scheiflinger die Aufbruchstimmung im Verein.
Gesellschaftliche Themen
Ihm sei es ein Anliegen, mit der Musik auch gesellschaftliche Entwicklungen aufzugreifen, gerade jetzt beispielsweise die Sehnsucht nach Frieden zu thematisieren, die immer wieder in den ausgewählten Kompositionen spürbar sei. Sicher ist er sich, dass das Kirchenkonzert manch Gänsehautmoment schafft. Nun hofft er zusammen mit den Musikern, dass möglichst viele Besucher zu dem rund einstündigen Konzert am Sonntag, 7. Juni, ins Münster kommen. Der Eintritt ist frei.
Ausblick aufs zweite Halbjahr
Picknick-Konzert
Unterhaltsame Töne schlägt die Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen gemeinsam mit dem Jugendblasorchester und dem Spielmannszug beim Picknick-Konzert am Freitag, 24. Juli, ab 19 Uhr beim Jugend- und Kulturzentrum Klosterhof an, verrät Stadtmusikdirektor Thomas Scheiflinger. Alle seien willkommen, sich es mit einer Decke auf der Wiese bequem zu machen und Unterhaltungsmusik wie einen Festmarsch oder ein Stück von Robbie Williams in lockerer Atmosphäre bei einem Getränk zu genießen. Bei schlechtem Wetter besteht die Möglichkeit, ins Kulturzentrum auszuweichen.
Jahreskonzert
Die ganze Bandbreite ihres Könnens zeigen die Musiker dann beim Jahreskonzert am Samstag, 7. November, ab 19.30 Uhr im Franziskaner Konzerthaus.