Die beteiligten Partner an der orangenen Bank in Dornstetten, (von links) : Vorstand der Frauenhilfe Freudenstadt Martina Sillmann, Frau Dr. Dorothee Müller-Müll (Soroptimist Club), Beraterin der Frauenhilfe in Elternzeit, Lisa Wahl (Beraterin Frauenhilfe), Spenderin Mareile Jordan, Stadträtin Ilona Constantino, Thomas Mast (Bauhofleiter) Foto: Carolin Schöffler

Seit kurzem ziert eine orangefarbene Bank den Spielplatz in der Bahnhofstraße in Dornstetten. Sie steht dort gegen Gewalt an Frauen und verweist auf die Frauenhilfe Freudenstadt und das bundesweite 24-Stunden-Hilfetelefon (116 016).

Seit Donnerstag ziert nun eine orangefarbene Bank den Spielplatz in der Bahnhofstraße in Dornstetten. Sie steht dort als Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Sie ist versehen mit dem Kontakt der Fachberatungs- und Interventionsstelle Frauenhilfe Freudenstadt und der Telefonnummer des bundesweiten Hilfetelefons, an das Frauen und Mädchen sich 24 Stunden am Tag wenden können, sollten sie von Gewalt betroffen oder bedroht sein.

 

Zur offiziellen Einweihung am Donnerstagmorgen waren Vertreter der Stadt, der Frauenhilfe Freudenstadt sowie Mitglieder des Frauen-Serviceclubs Soroptimist International, darunter auch Spenderin Mareile Jordan, vor Ort. Dornstettens Bürgermeister Bernhard Haas ließ sich durch Stadträtin Ilona Constantino vertreten.

Jede dritte Frau war schon einmal oder ist immer noch Opfer von Gewalt in der Partnerschaft, erklärt Martina Sillmann, Vorstand der Frauenhilfe. Laut Bundeskriminalamt (BKA) wurden 2023 bundesweit über 180 000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, mit 155 Tötungsdelikten in diesem Zusammenhang. Laut Sillmann seien im Landkreis Freudenstadt die Fallzahlen zwischen den Jahren 2023 und 2024 um 46 Prozent gestiegen und haben sich somit fast verdoppelt. 2024 wendeten sich so 177 Frauen an die Frauenhilfe Freudenstadt, um ihrer von Gewalt geprägten Partnerschaft zu entkommen.

„Und das sind nicht die Frauen, die dann auch zur Polizei gehen“, erklärt Sillmann. Es gibt eine hohe Dunkelziffer an Frauen, die unter Gewalt durch den Partner leiden, sich aber nicht trauen zur Polizei zu gehen, aufgrund der permanenten Täter-Opfer-Umkehr und Stigmatisierung, die viele Betroffene noch immer erfahren. Dieses gesellschaftliche Versagen endet statistisch gesehen jeden zweiten Tag für eine Frau in Deutschland tödlich.

Bänke statt Beleuchtung

Dem möchten die Frauenhilfe und die Stadt Dornstetten gemeinsam entgegenwirken. Ermöglicht wurde dies durch die Stadt-Apotheke Dornstetten, die durch Apothekerin Mareile Jordan die Kosten von rund 1000 Euro für die Bank übernahm. Auf der Bank ist groß zu lesen: „Keine Gewalt gegen Mädchen und Frauen“. Dieser Schriftzug wurde vom städtischen Bauhof auf die Bank gesprüht, die Schablonen hierfür wurden der Frauenhilfe durch Pforzheim zur Verfügung gestellt. An der anderen Seite der Bank ist eine silberne Tafel, mit den Kontaktdaten der Frauenhilfe, angebracht.

Die bundesweite Aktion der orangenen Bänke wurde von „Zonta“, einer weltweit aktiven Frauenorganisation, ins Leben gerufen und geht zurück auf die UN-Kampagne „Orange the World“. Diese lässt, anlässlich der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“, zwischen dem 25. November, dem Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen, und dem 10. Dezember Gebäude in orangener Farbe, der Farbe gegen Gewalt, erstrahlen. Jetzt werden statt der Beleuchtung nachhaltige orangene Bänke aufgestellt.

Mitten in der Gesellschaft

Die Bänke haben aber neben der Nachhaltigkeit noch mehr Vorteile. Zum einen stehen sie, für jeden sichtbar, als permanente Erinnerung an dieses Thema 365 Tage im Jahr, mitten in den Städten. Auch ein Sinnbild dafür, wie die Gewalt an Frauen permanent inmitten unserer Gesellschaft, in allen sozialen Schichten und Altersgruppen passiert.

Gerade der Spielplatz ist als Standort mit Bedacht gewählt worden, da hier viele Familien und Mütter mit ihren Kindern zum Spielen herkommen und die orange-strahlende Bank zwangsläufig wahrnehmen. Zudem, erklärt Sillmann, dass ein Prospekt oder Flyer,der auf Hilfsangebote aufmerksam macht, in der Handtasche oder auf dem Küchentresen, bei vielen Frauen daheim schon wieder zur nächsten Eskalation führen könnte.

24-Stunden-Beratung

Um dies zu vermeiden, können betroffene Frauen in Zukunft einfach unauffällig ein Foto der Bank mit Kontaktdaten der Frauenhilfe Freudenstadt machen oder sich die kurze, einprägsame Nummer des bundesweiten Hilfetelefons: 11 60 16 merken. Dieses bietet 24 Stunden am Tag kostenlose, barrierefreie und anonyme Beratung auf Deutsch und 18 Fremdsprachen für Frauen und Mädchen in Not an. Bei Fällen aus dem Freudenstädter Landkreis werden diese auch an die Frauenhilfe Freudenstadt verwiesen. Diese berät ebenfalls anonym alle Frauen, die das gerne möchten und begleiten sie auch, wenn sie selbst nicht mehr handlungsfähig sind, zum Beispiel im Rahmen einer Anzeige. Wichtig ist Sillmann hierbei, dass die Frauen selbst den Weg, und die Geschwindigkeit in der sie diesen gehen möchten, bestimmen.

Weitere Bänke sollen folgen

Mit den orangenen Bänken setzen bereits viele Städte bundesweit, im Landkreis Freudenstadt bereits Horb, Freudenstadt und jetzt auch Dornstetten ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Da die Bank am Horber Bahnhof an einem „kleinen Brennpunkt“ steht, wie Sillmann ihn nennt, hatten sie und die Stadt Bedenken, dass sie in irgendeiner Weise beschädigt werden könnte. Aus diesem Grund hatte die Stadt Horb, die diese sponserte, direkt noch ein paar Ersatz-Latten für die Bank bestellt. Doch nach über einem Jahr steht die Bank noch immer und wurde weder besprayt noch anderweitig beschädigt.

In Zukunft sei noch eine Bank auf dem Gartenschaugelände oder in Baiersbronn geplant, verrät Sillmann. Sie ist froh über die Finanzierung und Umsetzung der Aktion in Dornstetten und spricht von „sehr erfüllender Arbeit“.