Die Frau aus dem Kreis Calw glaubte an einen Flirt, tatsächlich steckte ein Betrüger dahinter. (Symbolfoto) Foto: suriyachan/ Shutterstock

Was als ein virtueller Flirt begann, hat für eine Frau aus dem Kreis Calw offensichtlich mit einem bösen Erwachen und dem Verlust von mehreren Tausend Euro geendet.

Kreis Calw - Ein kurzer Chat oder eine nette Mail von einem Unbekannten - das sogenannte Love- oder Romance-Scamming fängt harmlos an. Die Scammer suchen auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook nach Opfern und durchforsten dort die Mitgliederlisten. Eine kurze Online-Einladung zum Chat dient vielen als Erstkontakt.

Um sich beim potenziellen Opfer interessant zu machen, legen sich Romance-Scammer ungewöhnliche Lebensgeschichten zu - und sie hinterlassen immer einen seriösen Eindruck.

Chat-Bekanntschaften sprechen perfekt Englisch

Scamm-Männer geben sich als Ingenieure, Architekten, Soziologen, Konstrukteure in der Ölindustrie, als Tierärzte, Computerspezialisten und US-Soldaten aus. Auf den Fotos des Scammer-Profils bekommen weibliche Opfer eine attraktive Person präsentiert - die Bilder sind allerdings gestohlen. Und auch wenn der "Neue" vorgibt, in Amerika oder im europäischen Ausland zu leben, so sitzt er wahrscheinlich in Westafrika. Davon merken die Opfer allerdings nichts, denn diese Chat-Bekanntschaften sprechen perfekt Englisch oder benutzen kostspielige Übersetzungstools für ihre Mails.

Scamm-Frauen geben sich bevorzugt als Krankenschwestern, Ärztinnen, Mitarbeiterinnen im Waisenhaus oder als Lehrerinnen, Schauspielerinnen sowie als Geschäftsfrauen jeder Art aus. Die Frauen auf den Bildern in Netzwerken und auf Dating-Seiten sind äußerst attraktiv. Aber auch diese Bilder sind meist gestohlen oder einzig für das Scamming fotografiert worden. Das ist an Fotostrecken mit ähnlichen Posen und Kleidung zu erkennen

Viele Frauen geben sich als Russinnen aus

Viele Frauen geben sich als Russinnen aus. Sie können aber auch aus Südamerika, Thailand, Afrika oder Europa stammen. Auch alle Scamm-Frauen beherrschen die englische Sprache, manchmal sogar die deutsche Sprache, perfekt.

Im konkreten Fall aus dem Kreis Calw, hatte sich die Geschädigte auf einer Dating-Plattform ein Profil angelegt. Aus den Vorschlägen, die ihr durch die Dating-Seite gemacht wurden, nahm sie mit dem Autor eines Profils Kontakt auf, hinter dem tatsächlich Betrüger steckten. Die Korrespondenz mit den Tätern verlief zunächst über die Chatfunktion der Plattform und dann über einen Messenger im Handy. Der angebliche Flirtpartner gab an, britischer Staatsangehöriger zu sein und brachte die Frau durch geschickte Kommunikation dazu, ihm über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinweg insgesamt eine Summe von mehreren Tausend Euro auf verschiedene Konten zu überweisen. Die einzelnen Beträge wollte er angeblich wieder zurückzahlen, was jedoch nicht geschah.

Nachdem die Frau diese Woche Anzeige erstattet hatte, stellte sich heraus, dass die Betrüger die Fotos des angeblichen Flirt-Partners wohl aus einem sozialen Netzwerk widerrechtlich kopiert hatten. Das zuständige Polizeirevier hat die Ermittlungen übernommen, eine mögliche Spur in dem Fall deutet darauf hin, dass die Täter sich im außereuropäischen Ausland aufhalten.
 

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