Fatcat sorgt für Partysound. Foto: Felix Groteloh

Die Corona-Zeit war hart. Doch setzte sie auch Kräfte frei. Nagolds Seminarturnhalle profitiert heute noch von zwei Errungenschaften aus der Pandemiezeit.

Zwei komplett ausgestattete Bühnen hat die Alte Seminarturnhalle. Das ist eine echte Besonderheit, besonders für eine rein ehrenamtlich betriebene Kulturbühne.

 

Fakt ist: Sowohl in der Halle als auch im Außenbereich auf dem Hof neben der Halle verfügt der Nagolder Kulturtempel über eine komplett ausgestattete Bühne. Das eröffnet nicht nur die Möglichkeit zu Open-Air-Programmen. Es bringt im Sommer auch Flexibilität ins Spiel. Zum Beispiel bei schlechtem Wetter, wenn der Gig kurzfristig in die Halle verlegt werden kann – die Technik muss ja jetzt nicht mehr mit umziehen.

Dass der Förderverein stolzer Besitzer einer professionell ausgestatteten Außenbühne ist, geht auf die Corona-Pandemie zurück. Denn der Verein ergatterte dafür Bundes-Fördermittel in Höhe von 100 000 Euro, die aufgelegt wurden, um Kulturschaffenden unter die Arme zu greifen.

„Auch ein Kind der Corona-Zeit“

„Das eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten“, freut sich der Vereinsvorsitzende Wolfgang Schäfer noch immer über die Corona-Fördermittel aus dem Projekt „Neustart“.

Dass im Hof der Seminarturnhalle mittlerweile auch Open-Air-Erlebnisse möglich sind, geht aber auch auf praktische Erfahrungen aus der Corona-Zeit zurück. Als im Außenbereich unter Abstandswahrung wieder Auftritte möglich waren, rückte der Hof immer mehr in den Mittelpunkt. Und so entstand die Reihe „Nagold Alive“.

„Auch ein Kind der Corona-Zeit“, sagt Schäfer. Genauso wie die Bühne, auf der „Nagold Alive“ nun schon seit einigen Jahren präsentiert wird. Ein attraktives Programm habe man wieder zusammen, wirbt Wolfgang Schäfer. Das startet am 27. Juni und endet am 8. August. Dabei sei es in diesem Jahr gar nicht so einfach gewesen, ein Programm zusammenzustellen – wegen der späten Pfingstferien aber auch dem Keltenfest im Juli.

Suchtpotenzial eröffnet Nagold Alive. Foto: Duevelmeyer

Neun Veranstaltungen an zwölf Tagen stehen nun an. Sieben Veranstaltungen stemmt die Seminarturnhalle, eine die Musikschule der Stadt, und dann ist da noch „Nagold liest“ vom Kulturarbeitskreis am 3. August zur Matineezeit ab 11.15 Uhr.

Den Anfang macht am 27. Juni das Musik-Comedy-Duo Suchtpotential. „Top gut“, sagt Schäfer. Nun, die „Suchtis“ waren schon in Nagold, haben Eindruck hinterlassen und zudem ein großes Fanpublikum. Tags darauf hat die Seminarturnhalle mit „One night with Abba“ eine der renommiertesten Abba-Revival-Bands zu Gast. Und diesmal wird der Auftritt der Abba-Cover-Band noch größer als sonst. „Wir haben die Bläser dazugebucht“, sagt Schäfer. Ein Vorteil vom Auftritt im Freien. „Da haben wir mehr Platz.“

Abba-Feeling ist am 28. Juni angesagt.

Vom 4. bis 6. Juli ist dann wieder das Festival Nagold Double-Stage angesagt – die Headliner stehen fest: Ambience am Freitag, Sonic Love am Samstag und am Sonntag ist wieder Familientag. Mehr Infos folgen noch.

Am 11. Juli tritt Café Del Mundo auf – womöglich zum letzten Mal, weiß Schäfer zu berichten. Denn die in Nagold immer wieder gerngesehenen Musiker haben Neues vor. Sie kooperieren künftig mit den Frankfurter Philharmonikern. Da würde es dann sogar im Hof der Seminarturnhalle ziemlich eng werden.

„Ein Fest für König Gugubo“

Am 12. und 13. Juli will die Musikschule unter der Leitung von Reiner Hiby das Musical „Ein Fest für König Gugubo“ aufführen – ein Steinzeit-Musical, das der Gesangs- und Klavierlehrer zum eigenen Ruhestand als Projekt aufführen will.

Am 26. Juli tritt nochmals Stumpfes Zieh- und Zupf-Kapelle auf. Die gereiften Männer waren schon zu Beginn ihrer Abschiedstour in Nagold zu Gast, nun kommen sie wirklich ein letztes Mal in die Stadt, zum Ende der Tour mit dem Titel „Finale“.

Freunde von Elvis kommen am 1. August doppelt auf ihre Kosten. „Elvis trifft Elvis“ heißt es da. Bernd Kohlhepp und Nils Strassburg stehen hinter dieser Musik-Comedy-Show. „Da haben sich zwei gefunden“, weiß Schäfer über die beiden Elvis-Fans zu berichten.

Café Del Mundo ist in der Seminarturnhalle ein gerngesehener Gast. Foto: Sander

Am 3. August gibt es die Matinee von „Nagold liest“. Und den Abschluss besorgt die Band „Fatcat“ mit ihrem Funky-Sound. Ein Abend, der noch einmal „tolle Partystimmung“ und einen „fetten Sound“ verspricht. Schäfer: „Genau das richtige zum Abschluss“.

Man merkt, wie das Format „Nagold Alive“ den Machern der Seminarturnhalle ans Herz gewachsen ist. Wobei Wolfgang Schäfer durchaus noch Steigerungspotenzial sieht, nicht unbedingt bei den eigenen Veranstaltungen seines Hallenteams, da sei ehrenamtlich kaum mehr zu bewältigen. Doch auch weitere Veranstalter können und sollen die Außenbühne nutzen.

„Das ist auch etwas, was Nagold braucht“

„Wir wollen das weiter aktivieren“, sagt Schäfer. Andere Mitstreiter sollen animiert werden. Denn „Nagold Alive“, das passe zu der Stadt. Und der Chef der Seminarturnhalle ist überzeugt: „Das ist auch etwas, was Nagold braucht.“

Und weiter ausbauen sollte. „Peu á peu“ könne man sich auch an größere Acts wagen. Mehr als 1000 Zuschauer sind im Hof der Seminarturnhalle jedenfalls gut denkbar.