Der 27. Tag der Begegnung im Onstmettinger Philipp-Matthäus-Hahn-Museum stand im Zeichen der Rückschau auf zweieinhalb Jahrhunderte Industriegeschichte. Zentraler Programmpunkt war der Vortrag von Martin Sauter.
Albstadt-Onstmettingen - "Wenn Martin Sauter einen Vortrag hält, ist der Kasten voll besetzt", konstatierte Fritz Brenner, der Vorsitzende des Museumsfördervereins, angesichts der vollen Ränge – nicht einmal im Obergeschoss war mehr ein Platz frei. Ein Ensemble des Musikvereins steuerte den musikalischen Rahmen bei, Stadtrat Uli Metzger überbrachte Grüße der Stadt und des Ortschaftsrats, und Martin Roscher, Leiter des Amts für Kultur, Tourismus und bürgerschaftliches Engagement, rühmte die Großzügigkeit des Spenders Martin Sauter und die ideelle Unterstützung, die er dem Museum zuteil werden lasse. "Danke, dass sie ihm seit vielen Jahren die Treue halten." Auch Fritz Brenner und Rudi Keinath, die beiden unentwegten Mitstreiter, ließ Martin Roscher nicht unerwähnt.
Es folgte eine weitere Hommage, und zwar an Philipp Matthäus Hahn, den Namenspatron des Museums: Bereits 2014 hat die Künstlerin Maria Magel aus Tuttlingen-Möhringen eine 54 Zentimeter hohe Büste des Patrons aller schwäbischen Tüftler geschaffen; diese wurde nun enthüllt und dem Hahn-Museum als Stiftung übergeben. "Hier findet sie eine würdige Heimat", freute sich Magel.
"Das früheste Mechanikerdorf in ganz Württemberg. Schulmeister Schaudt, 1739-1809, und seine talentierten Onstmettinger Schüler" – so lautete der Titel der spannenden Geschichte vom Mechanikus Philipp Gottlieb Schaudt und seinen Schülern, die Martin Sauter seinen Zuhörern erzählte. Die lernten unter anderem die taubstummen Brüder Johannes (1723-1786) und Paulus Sauter (1732-1799) kennen, sie passierten im Geiste die historischen Meilensteine der "Ludwigsburger Weltmaschine", die 1769 für Württembergs Herzog Karl-Eugen gebaut wurde, der Hahnschen Neigungswaage sowie der Astronomischen Uhr von Johannes Sauter, und sie erfuhren, wie die Familien Keinath und Sauter ihre in langwieriger Pionierarbeit erworbene feinmechanische Expertise buchstäblich "ummünzten" in wirtschaftlichen Erfolg. "Dieses Feinmechanikerdorf machte vor, wie man sich aus der Armut befreien kann."
Die Politik blieb auch nicht unerwähnt. Den napoleonischen Kriegen war eine allmähliche wirtschaftliche Erholung gefolgt; Absolutismus und Gottesgnadentum gehörten der Vergangenheit an. 1819 erhielt Württemberg einen Verfassungsvertrag. Um den mussten die Bürger allerdings ringen: 92 freiheitliche Onstmettinger schrieben König Wilhelm I einen Brief, in dem sie ihn aufforderten, den Vertrag zu einem guten Ende zu bringen. Bald darauf wurden die ersten Drehbänke aus Onstmettinger Werkstätten geliefert, die Industrie nahm Fahrt auf, und Simon Sauter fertigte eine hochwertige Waage, auf welche Apotheker und Kaufleute nur gewartet hatten. Er wurde damit der Urheber einer Produktionslinie, die den Onstmettinger Wohlstand begründete. Mit Gottlieb Kern (1819-1886) begann dann vollends die Onstmettinger Waagenbaugeschichte, die acht Generationen währen sollte.