„Du bist aus Lahr, wenn...“ ist die beliebteste Facebook-Gruppe der Stadt – mit inzwischen fünfstelliger Mitgliederzahl. Doch wie managt man eine so große Gemeinschaft? Die Administratoren klären auf.
Informieren, warnen, einladen, diskutieren, in Erinnerungen schwelgen: All das geschieht tagein, tagaus in der Facebook-Gruppe „Du bist aus Lahr, wenn...“. Vor fast zehn Jahren gegründet hat die Gruppe nun die Marke von 10 000 Mitgliedern geknackt. Gründer Thorsten Rupp und Administrator Martin Metzger blicken im LZ-Gespräch zurück und erklären, wie viel Arbeit nötig ist, dass sich alle an die Regeln halten.
„Hätte mir das vor fast neuneinhalb Jahren jemand gesagt, dass die Ausmaße einmal so groß werden, ich hätte das nicht geglaubt“ – mit diesen Worten wandte sich Thorsten Rupp vor einigen Tagen an die Mitglieder der größten Lahrer Facebook-Gruppe und begrüßte deren 10 000. Mitglied. Damit ist etwa ein Fünftel der Lahrer Bevölkerung Teil dieser Gruppe, auch wenn die Rechnung nicht ganz aufgeht, wie Rupp unserer Redaktion erläutert. Tatsächlich wohnen laut der von Facebook erstellten Statistik nur knapp 6000 Mitglieder in Lahr. Alle anderen jedoch – seien es Auswanderer, Arbeitnehmer oder Verwandte von Lahrern – haben zumindest einen Bezug zur Stadt, worauf die Administratoren auch Wert legen.
Doch wie entstand die Gruppe überhaupt? „Ich komme ursprünglich aus Stockach“, erzählt Rupp. Entsprechend stieß er auf die Gruppe „Du bist aus Stockach, wenn...“. Für Lahr habe er jedoch keine entsprechende Gruppe gefunden. Also entschloss er sich im Sommer 2015, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Er übernahm die Namensidee, nahm Thomas Findling als Admin mit an Bord und gründete das Lahrer Pendant. Der Erfolg sollte sich schnell einstellen: „Es wurde nach zwei Monaten zum Selbstläufer. Wir waren ruckzuck bei 2000 Mitgliedern“, blickt Rupp zurück.
Nun sind es also 10 000 und das Führen der Gruppe mache ihm immer noch Spaß – auch weil er in Martin Metzger einen weiteren engagierten Admin gefunden hat. „Wir haben uns nur dank Facebook kennengelernt“, sagt Metzger. Das sei ohnehin einer der schönen Aspekte an der Gruppe: Man vernetzt sich, findet Bekanntschaften auch über Facebook hinaus und stellt gemeinsam etwas auf die Beine: „Den Weihnachtsmarkt hätte es ohne die Gruppe nie gegeben“, stellt Metzger klar. Er habe viele Beschwerden gelesen, dass in Lahr nicht mehr als der Adventstreff geboten wird. Also habe er aufgerufen, etwas zu organisieren. Im vergangenen Jahr feierte der Lahrer Weihnachtsmarkt auch dadurch seine Rückkehr, in diesem Jahr wird es ihn wieder geben.
Stadtverwaltung liest in der Gruppe mit
Rupp und Metzger sind sich einig: „In der Gruppe wird einem geholfen.“ So manche vermisste Katze sei gefunden worden, manches Fahrrad wieder aufgetaucht. Veranstaltungen würden dank der Hinweise in der Gruppe besser besucht. Randsportarten erhalten eine Plattform, sich zu präsentieren, während die Lahrer im Gegenzug erfahren, was in der Stadt alles geboten ist. „Wir können auf das kulturelle und sportliche Leben in Lahr aufmerksam machen“, freut sich Metzger. Doch nicht nur die Bürger, auch die Stadtverwaltung liest in der Gruppe mit, verrät der Sulzer. Wenn jemand in der Gruppe auf einen Missstand aufmerksam macht, ist dieser oft am nächsten Tag schon behoben, sagt Metzger schmunzelnd.
Natürlich gibt es auch in der Lahrer Facebook-Gruppe Schattenseiten. Die Posts und Kommentare im Blick zu behalten – „das ist ein 24/7-Job“, betont Rupp. Doch das Dreiergespann sei so eingespielt, dass es funktioniert. Thomas Findling behalte, da er oft Nachtschicht hat, die Gruppe im Blick, wenn die anderen beiden schlafen. „Ich bin dauernd online. Da sieht man viel“, sagt auch Metzger. Die Admins handeln schnell bei Regelverstößen. Das kann unerwünschte kommerzielle Werbung sein, ein beleidigender Kommentar oder eine politische Plattitüde. „Politik bleibt draußen“, lautet, so Metzger, eine Richtlinie der Gruppe. Vor allem, wenn es nur „allgemeines Genöle“ sei oder es darum geht, gegen eine Partei zu schießen.
Das heißt jedoch nicht, dass in „Du bist aus Lahr, wenn...“ nicht diskutiert wird. Oft werden etwa lokale Themen und Presseberichte darüber kontrovers behandelt. Dann sind die Admins jedoch alarmiert und achten genau auf die Kommentare. „Es kann sehr schnell abdriften“, spricht Rupp aus Erfahrung und Metzger stöhnt, wenn er an den Umgangston der Menschen untereinander denkt. Eskaliert es, löschen die Administratoren die Beiträge und schicken die Verfasser auch einmal „sieben Tage in Urlaub“, wie es Rupp nennt, entziehen ihnen also eine Woche die Mitgliedschaft. Bessert sich das Verhalten nicht, kommt es zum Ausschluss. Über die Jahre traf dies schon mehr als 100 Menschen, zeigt der Gruppengründer unserer Redaktion eine Liste. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, betont Metzger. Bei einer Reichweite von 10 000 Menschen könne ein beleidigender Post „sehr viel kaputtmachen. Das geht schon in Richtung Rufmord“.
Bilder von früher kommen sehr gut an
Trotz aller Regelüberschreitungen fühlen sich die Administratoren immer noch sehr wohl. „Die Gruppe ist unser Wohnzimmer“, sagt Rupp. Und die positiven Erlebnisse überwiegen die negativen. Etwa wenn sich Kanadier dank der Gruppe kennenlernen und verabreden, wenn eine Wohnung vermittelt wird oder ein altes Foto aus Lahr geteilt wird und die Mitglieder nostalgisch werden. „Es war schön früher“, sagt Metzger. Solche Bilder sehe er gerne. Doch „heute ist es eben anders schön“. Auch das betonen die Administratoren gerne, wenn mal wieder zu viel gemeckert wird.
Statistiken
Die Facebook-Gruppe „Du bist aus Lahr, wenn...“ hat aktuell 10 028 Mitglieder. Die Mehrzahl davon, etwa 56 Prozent, wie Gründer Thorsten Rupp berichtet, ist weiblich. Die meisten sind zwischen 35 und 44 Jahre alt. Unter den Mitgliedern befinden sich auch etwa 290 Kanadier. Wer Mitglied werden möchte, muss zunächst einige Fragen beantworten. So stellen die Admins sicher, dass es einen Bezug zu Lahr gibt.