Der Büttel hat den "OB" im Wald gefunden und mit einem Strick an einem Baum festgebunden. Foto: Schwarzwälder Bote

Fasnet: Statt der Verhandlung im Schwenninger Rathaus wird am Freitagvormittag ein Video ausgestrahlt

Obwohl die Narrenschar in diesem Jahr gezwungen ist, zu Hause zu bleiben, schwindet die Kreativität kein bisschen. Und so ließ sich das Schwenninger Narrengericht ein Ersatzprogramm für die ausgefallene OB-Verhaftung am Fasnetsfreitag einfallen.

VS-Schwenningen. Es ist Fasnets-Freitag, 11 Uhr: Normalerweise verfolgen um diese Uhrzeit zahlreiche Narren die Gerichtsverhandlung gegen den Oberbürgermeister im Schwenninger Rathaus. Doch seiner Verhaftung ist Jürgen Roth in diesem Jahr durch Corona entkommen. Kein Grund jedoch für das Gespann der Schwenninger Narrenzunft um Büttel Florian Schütze, Narrenrichter Stephan Rothfelder, Staatsanwalt Johannes Hellstern und Verteidiger Jens Peter, die Traditionsveranstaltung ganz in Vergessenheit geraten zu lassen. Das Quartett drehte ein rund achtminütiges Video, welches am Freitag pünktlich um 11 Uhr über die Homepage der Narrenzunft Schwenningen und auf Youtube abrufbar war.

Während sich Richter und Staatsanwalt stark verkatert aus der Sofa- beziehungsweise Badewannen-Quarantäne melden, hat der vor dem Rathaus stehende Verteidiger in diesem Jahr leichtes Spiel, wie im Telefonat zwischen den Dreien deutlich wird. "Dann brauch’ mich der Schultes dieses Jahr ja nicht. Dann kann ich ja wieder heimgehen", stellt er fest.

Doch so schnell geben Richter und Staatsanwalt nicht auf. Sie wollen wissen, wo der sich der Oberbürgermeister denn momentan aufhalte, während sie seit Wochen in Quarantäne schmoren müssen? Sein Verteidiger weiß Bescheid: Seit der OB die neue Joggingstrecke zwischen Villingen und Schwenningen eingeweiht hat, "rennt der wie besessen da hin und her".

Dabei will der Büttel den OB längst gefunden und mit einem Strick an einen Baum festgebunden haben, wie der er am anderen Ende der Leitung mitteilt. Allerdings muss der Büttel zugeben, dass er tatsächlich beim "Wildi-Garten" an der Joggingstrecke auf der Lauer liegt und auf den Oberbürgermeister wartet. "Hier schnapp ich ihn!", gibt er zu verstehen.

Staatsanwalt und Verteidiger sind dabei: Raus aus der Quarantäne, rein in die Robe und mit einem Fernglas bewaffnet in den Wald. Und da entdecken sie den OB samt Stadtschlüssel rennend und außer Atem. Während der Staatsanwalt fordert "Los, hinterher!", bleibt dem Verteidiger nur ein Lachen: "Den können wir rennen lassen. Schau doch mal, wie der schnauft. Das ist bestimmt Strafe genug für den!"

Gesagt, getan – in diesem Jahr kommt der Schultes also noch einmal davon. Doch das Narrengericht ist sich am Ende einig: "Nächstes Jahr, kriegen wir Dich!"